Anhörung mit dem Landrat – Bisher waren weder der Polizei noch den Behörden größere Probleme bei der Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst bekannt  

Anwohner fühlen sich "massiv bedroht"

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Der Leiter der Brucker Polizeiinspektion, Walter Müller, zeigte Verständnis für die Sorgen und Ängste der Anwohner der Siedlung vor dem Fliegerhorst

Fürstenfeldbruck – 600 Asylbewerber leben in der Erstaufnahmeeinrichtung am Fliegerhorst. Bisher waren weder der Polizei noch den Behörden größere Probleme außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung bekannt. Doch die Anwohner fühlen sich offenbar "massiv bedroht". Nach einer Unterschriftensammlung und einer Initiative der Mieter, lud Landrat Thomas Karmasin (CSU) die Anwohner am 14. Juli zu einer Versammlung in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes ein, damit die Anwohner ihre Sorgen und ihre Ängste vorbringen konnten.

 Anwohner beklagten,  dass die Flüchtlinge Alkohol trinken, Frauen und Kinder belästigen und einen Haufen Müll in der Siedlung hinterlassen würden.  Nach einer Unterschriftensammlung und einer Initiative der Mieter, lud Landrat Thomas Karmasin (CSU) die Anwohner am 14. Juli zu einer Versammlung in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes ein.  Gleichzeitig wollte man klären, welche Maßnahmen zu einer Entschärfung der Lage beitragen könnten.

 Bisher waren weder der Polizei noch den Behörden größere Probleme außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung bekannt. In der teilweise sehr emotionsgeladenen Versammlung schilderten die Anwohner dabei dem Landrat, dem zuständigen Vertreter der Regierung von Oberbayern für die Erstaufnahme von Asylbewerbern, Florian Schlämmer, sowie dem Leiter der Brucker Polizei-Inspektion Walter Müller, Vorfälle aus den vergangenen Wochen und Monaten. 

An der Veranstaltung nahmen auch Gudrun Velthuis, die für die bundeseigene Wohnanlage zuständige Vertreterin von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, und Hermann Seifert, Experte für den öffentlichen Nahverkehr im Landratsamt, sowie Vertreterinnen der Caritas, und die Kreisräte Petra Weber (SPD) und Dr. Michael Schanderl (FW)teil. Später stieß Brucks Oberbürgermeister Klaus Pleil (BBV) dazu. 

Mucksmäuschenstill war es, als eine 20-jährige Anwohnerin, deren Freund sich auf einem Auslandseinsatz befindet, unter Tränen schilderte, wie ihr zwei farbige Männer bis zur Haustür folgten. „Ich traue mich abends nicht mehr aus dem Haus.“ Anderen Frauen erging es ebenso. Sie und auch ihre Kinder würden von den Flüchtlingen angesprochen und belästigt werden. Frauen und Mädchen würden „angebaggert und auch mal begrapscht werden“. Ein Anwohner berichtete von herumlungernden Gruppen in den Grünanlagen und auf dem Spielplatz der Siedlung, häufig bis spät am Abend. Oft seien die Flüchtlinge alkoholisiert, lamentierten entsprechend laut und würden gar ihre Notdurft im Sandkasten oder in der Grünanlagen verrichten. 

Eine Frau berichtete von einer Schlägerei unter Asylbewerbern vor ihrem Haus. Bis die Polizei nach 25 Minuten eintraf, seien alle verschwunden. Überrascht und erschüttert zeigte sich der Vertreter der Regierung von Oberbayern über die Ängste der Anwohner. Bisher habe er in dem Ausmaß davon nichts vernommen. Auch Brucks Polizeichef Walter Müller waren Übergriffe auf die Bevölkerung in dem Ausmaß nicht bekannt. Die meisten Konflikte spielen sich in den Unterkünften zwischen den Asylbewerbern selbst ab. „Ich höre heute viele Dinge zum ersten Mal“, so Müller. 

Das Landratsamt sei nicht der richtige Ansprechpartner, wenn es um die Sicherheit geht, sondern die Polizei. „Legen Sie ihre Hemmschwelle ab und rufen Sie uns an“, riet Müller den Anwohnern. Ein Anwohner wünschte sich einfach mehr Polizeipräsenz in der Siedlung. Als Hauptursache, warum die Asylbewerber aus Afrika und dem Nahen Osten durch die Siedlung ziehen, stellte sich heraus, dass die kürzeste Wegverbindung von der Flüchtlingsunterkunft im Fliegerhorst zur nächstgelegenen Bushaltestelle in der Eschenauerstraße sowie zu den Supermärkten in der Maisacher Straße quer durch die Siedlung verläuft.

 „Wir halten das nicht mehr aus, da muss endlich etwas geschehen.“ 40 Jahre habe man in einem ländlich anmutenden Umfeld in Ruhe gewohnt, sagte ein Anwohner. Man wolle einfach keine Einbußen beim Lebensstandard akzeptieren. 

Als erste Maßnahme werde die Bushaltestelle an die Parkbucht unmittelbar vor der Hauptwache des Fliegerhorstes verlegt, kündigte Hermann Seifert vom Landratsamt an. OB Pleil sicherte seine Unterstützung zu. Schlämmer werde bei den Migrationsbeauftragten darauf drängen, dass bei den Willkommensveranstaltungen von neuen Asylbewerbern intensiver auf die Verhaltensregeln eingegangen werde. Gudrun Velthuis von der BImA sicherte das Aufstellen von Symbolschildern zu. Von einer Umzäunung der Siedlung oder einem Sicherheitsdienst würden die Mieter kaum begeistert sein, wenn sie für die Kosten aufkommen müssen. Falls sich die Lage nicht entspannen sollte, wolle man sich zu einem weiteren Gespräch im Landratsamt treffen, versprach der Brucker Landrat zum Ende der zweieinhalbstündigen Versammlung den ca. 70 Anwohnern der Wohnanlage vor dem Fliegerhorst. 

Dieter Metzler

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