Bürgerforum mit MVV und S-Bahn

Was Bus und Bahn besser machen will

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Stellten sich den Fragen der Bürger: MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch (links) und S-Bahn-Geschäftsführer Heiko Büttner (rechts). Landrat Thomas Karmasin moderierte das Bürgerforum.

Schon ab Dezember 2021 könnten wieder Regionalzüge im Stundentakt in Fürstenfeldbruck halten – zumindest außerhalb der Stoßzeiten.

Fürstenfeldbruck – Möglich macht dies die Elektrifizierung der Strecke ins Allgäu, in deren Zug ein sogenannter Vorortverkehr zwischen München und Buchloe eingerichtet werden soll.

Während der Stoßzeiten ist der Stundentakt nicht möglich, da dann Langzüge eingesetzt werden. Für diese ist der bestehende Bahnsteig zu kurz. Erst 2022 wird mit dem Bau eines neuen Bahnsteigs für Regionalzüge begonnen. Das erklärte ein Mitarbeiter der S-Bahn bei einem Bürgerforum im Landratsamt. Bei diesem standen MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch und S-Bahn-Geschäftsführer Heiko Büttner rund 60 Bürgern Rede und Antwort.

Unzuverlässig und unpünktlich

Hauptkritikpunkte der anwesenden Bürger waren die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S-Bahn. Nur rund 94 Prozent der Züge kommen pünktlich, und dabei sind die Zugausfälle noch nicht einmal berücksichtigt, wie Büttner erklärte. „Dieser Wert ist zu schlecht“, gab der S-Bahn-Geschäftsführer unumwunden zu – zumal einige Bürger beklagten, dass die Bahnen vor allem in den Stoßzeiten kaum einmal pünktlich seien.

S-Bahn an Kapazitätsgrenze

Wie Büttner erläuterte, lägen viele Probleme daran, dass die S-Bahn an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen sei. „Sie war ursprünglich 1972 für knapp eine Viertelmillion Fahrgäste täglich gebaut worden.“ Heute befördern die Züge 840.000 Menschen täglich, 2025 dürfte die Millionenmarke geknackt werden. Nur durch Verbesserungen der Infrastruktur könne man dieses Aufkommen langfristig bewältigen.

Einstiegslotsen und Bahnsteigtüren

Da derartige Investitionen jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen, will die S-Bahn an mehreren anderen Stellschrauben drehen. Dazu zählt die Lenkung der Fahrgastströme. Einstiegslotsen helfen bereits wieder, die Haltezeiten der Züge an den Bahnen zu verkürzen. Außerdem wird geprüft, ob Bahnsteigtüren zu den Zügen machbar sind. Diese sollen Aus- und Einstieg regulären und würden mehr Platz auf dem Bahnsteig bieten, da kein Sicherheitsstreifen mehr nötig ist. Die Kosten sind laut Büttner jedoch hoch: rund fünf Millionen Euro pro Bahnsteigkante.

Informationen in Echtzeit

Derzeit arbeiten Bahn und MVV vor allem an der Verbesserung der Fahrgastinformation. In den modernisierten Fahrzeugen sollen am Sommer Digitalanzeigen an den Wagondecken in Echtzeit über Störungen informieren. Generell sind Echtzeit-Infos das große Ziel, wie Rosenbusch erklärte. Die Fahrgäste müssten in ihren Apps rundum über die Lage informiert werden – auch über die Buslinien. Dafür werde die neue Mobilitätsplattform geschaffen, die sämtliche Angebote des Öffentlichen Personennahverkehr in der Region München zusammenfassen soll.

Modernisierte und neue Züge

Verbesserungen werde laut Büttner zudem die neue Zugflotte ab dem Jahr 2026 bringen. Zuvor werden aber noch bis 2021 die vorhandenen Züge modernisiert. Ist dies abgeschlossen, wird laut dem S-Bahn-Geschäftsführer eine Mischung aus mehr und längeren Zügen fahren. Der von einem Bürger geforderte durchgehende Zehn-Minuten-Takt sei aber nicht möglich: „Das verträgt das System nicht.“

"Sind schon froh, wenn wir drei Gleise bekommen"

Büttner setzte sich zwar vehement für eine Verbesserung der Infrastruktur ein. Zur Aussage, dass die S4 viergleisig ausgebaut werden muss, wollte er sich aber nicht hinreißen lassen. Es gebe auch noch andere Problemstellen wie zum Beispiel die eingleisige S7. „Wir sind schon froh, wenn wir auf der S4 drei Gleise bekommen“, sagte Büttner. Und Rosenbusch ergänzte: „Das ist immer auch ein Kampf um begrenzte finanzielle Mittel.“

Andreas Daschner

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