Sitzung des IHK-Regionalausschusses in Bruck

Immer noch viele Baustellen

+
Der IHK-Regionalausschuss tagte im Landratsamt (von links): Jürgen Biffar, Gerhard Kohlfürst (beide stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses), Landrat Thomas Karmasin und Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck, Michael Steinbauer

Fachkräftemangel, fehlende Auszubildende, bezahlbarer Wohnraum für Arbeitskräfte sowie die Beschäftigung von Asylbewerbern – dass diese Themen auch bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Fürstenfeldbruck auf den Tisch kamen, verwundert nicht. 

Fürstenfeldbruck – Nach wie vor sehen Politik und Wirtschaft hier großen Handlungsbedarf.

Unter Leitung des Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses, Michael Steinbauer, sowie im Beisein von Landrat Thomas Karmasin und der Wirtschaftsförderin des Landkreises, Barbara Magg, berichteten Unternehmer zwar durchwegs von einer starken Auftragslage, von den sehr guten Rahmenbedingungen im Landkreis sowie einer überdurchschnittlich hohen Kaufkraft, aber diskutierten gleichzeitig auch über die Probleme, die es zu lösen gilt.

Der Brucker Landrat wiederholte erneut seine Aussage, dass die öffentliche Hand den Bau von bezahlbarem Wohnraum für Firmenmitarbeiter isoliert nicht schultern könne. Gemeinsamen Lösungen stehe er aufgeschlossen gegenüber. Magg teilte mit, dass die Wirtschaftsförderung ein Wohnprojekt für Firmenmitarbeiter angestoßen habe, die Unternehmer diese Wohnungen aber zur Vermietung an ihre Mitarbeiter kaufen werden.

Zum Thema Mangel an Arbeits- und Fachkräften appellierte Stephan Reinhold, Prokurist von Cewe-Color aus Germering, an die Unternehmer, alle Möglichkeiten des Arbeitskräftepotentials auszuschöpfen. 

Beschäftigung von Schwerbehinderten als Chance

Dazu zähle die Beschäftigung von Schwerbehinderten. Er habe nur positive Erfahrungen mit Menschen mit Handikap im Berufsleben gemacht. Sie seien hochmotiviert, weniger krank als ihre Kollegen, wohnen meistens auch noch im Landkreis und würden so keine neue Wohnung brauchen. Reinhold kritisierte, dass sich viele Unternehmen aus der Verantwortung stehlen und lieber die vom Staat festgelegte Ausgleichsabgabe zahlen, anstatt einen Schwerbehinderten einzustellen. Der IHK-Regionalausschuss wird aufgrund der Anregung das Thema Beschäftigung von Menschen mit Handikap vertiefen.

Kritik an unsicherer Rechtslage für Beschäftigung von Flüchtlingen

Als eine unbefriedigende Situation bezeichnete Reinhold aufgrund der unsicheren Rechtslage auch die Beschäftigung von Flüchtlingen. „Kein Mensch weiß so richtig Bescheid. Welche dürfen arbeiten, welche dürfen nicht arbeiten? Das bringt uns alle nicht weiter.“ Magg versprach, eine weitere Info-Veranstaltung zu diesem Thema im Landratsamt zu organisieren.

Nicht zufriedenstellend sei für ihn die Arbeitsmarktsituation, sagte Ralf Keckeis, Aldi-Regionalverkaufsleiter aus Olching. „Unser Auftrag sollte sein, die jungen Leute in der Region zu halten.“ Keckeis schlug vor, IHK, Schulen und Politik zusammenzubringen, um noch früher Schüler, Eltern und Lehrer auf die Schiene zu bringen. Man müsse noch stärker das Bewusstsein fördern und auf das vielfältige Angebot an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in der Region hinweisen.

Brucker Hotelier: Anhebung der Mehrwertsteuer ist ungerecht

Ein großes Ärgernis stellt in den Augen von Gerhard Kohlfürst, stellvertretender Ausschussvorsitzender und Brucker Hotelier, die Anhebung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent dar. Er empfindet die Anhebung als große Ungerechtigkeit. Zusätzlich würden flexiblere Arbeitszeiten durch die Arbeitszeitgesetze verhindert, bemängelte der Hotelier.

Einen weiteren Schwerpunkt in der Sitzung stellte der neue EU-Dienstleistungskompass dar, über den IHK-Außenwirtschaftsexperte Philipp Axamit informierte. Das neue IHK-Informationsportal richtet sich an Betriebe, die grenzüberschreitende Dienstleistungen anbieten und führt die Vorschriften der 15 wichtigsten europäischen Handelspartner im Detail auf.

Dieter Metzler

Auch interessant

Meistgelesen

Bürger haben sich für neue Straßennamen entschieden
Bürger haben sich für neue Straßennamen entschieden
Beiräte fordern mehr Gehör
Beiräte fordern mehr Gehör
Neue Wege mit Schulhund und Yoga
Neue Wege mit Schulhund und Yoga
Streit um Radwege
Streit um Radwege

Kommentare