Bericht über Afghanistan-Einsatz im Brucker Fliegerhorst - Auch ein General zählt die Tage

Brigadegeneral Hans-Georg Schmidt mit seinem kroatischen Bodyguard bei einem Ritt zur Erkundung des Geländes für einen neuen Staudamm. Foto: BW

„Auch ein General zählt die Tage“, versicherte Brigadegeneral Hans-Georg Schmidt, der als Base Commander im Feldlager der Bundeswehr in Mazar-e Sharif nach fast achtmonatigem Einsatz auf seinen Posten als stellvertretender Kommandeur der 1. Luftwaffendivision an den Brucker Fliegerhorst zurückgekehrt ist. Einerseits sei er froh, dass er wieder daheim bei der Familie ist, andererseits sei ihm die Heimreise aber auch schwer gefallen, weil die Menschen in Afghanistan freundlich und dankbar sind, und man doch einiges bewegt habe, so Schmidt.

Neben Schmidt war auch der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 5 aus Manching, das zur 1. Luftwaffendivision gehört, im Auslandseinsatz in Afghanistan. Oberst Uwe Hänel war von Mai bis November 2010 als Chef des Stabes in Mazar-e Sharif eingesetzt. Nach einer Einführung durch den Kommandeur der 1. Luftwaffendivision, Generalmajor Robert Löwenstein, berichteten beide Offiziere von ihren Erlebnissen und Eindrücken ihres Auslandseinsatzes. „Man muss sich schon erst einmal eingewöhnen“, erzählte Schmidt. So musste er sich beispielsweise am dritten Tag an 52 Grad im Schatten gewöhnen. Oder an die 15 Kilogramm schwere Schussweste, wenn er sich außerhalb des gesicherten Areals aufhielt. 400 Soldaten, 300 deutsche und 100 kroatische, sorgen für die Absicherung des Camps und den Objektschutz innerhalb einer 24 Kilometer-Zone. Auch wenn der zivile Wiederaufbau des Landes nicht zu den Kernaufgaben des militärischen Auftrags zähle, schließlich sei man kein Technisches Hilfswerk in Uniform, betonte zwischendurch Löwenstein, so helfen die Soldaten unter dem Netz „militärische Sicherheit“ gleichwohl beim Wiederaufbau in dem armen Land, wo Trinkwasser, Strom und Bildung zu den drei Hauptbestrebungen der Bevölkerung zählen. „Die Afghanen sind ein stolzes Volk. Sie lassen sich nicht einfach etwas überstülpen, weder politisch noch auf anderen Gebieten“, so Schmidt. Dennoch sei die Bevölkerung durch die Hilfestellungen beim Brunnen-, Straßen-oder Schulbau oder durch das Verteilen von Kleiderspenden den Soldaten gegenüber stets wohlgesonnen und dankbar gewesen. Noch wenige Tage vor seiner Rückkehr nach Deutschland habe er den Bau eines Staudamms zur Stromerzeugung und Bewässerung auf den Weg gebracht. Der Brigadegeneral bemängelte aber auch die europäische Zurückhaltung beim zivilen Wiederaufbau, sowohl personell als auch materiell. Die Amerikaner haben beispielsweise für den Wiederaufbau auch Universitätsprofessoren und Farmer ins Land geschickt. Auch wenn während seines Aufenthalts kein einziger Schuss gefallen sei und kein Unfall zu beklagen war, so habe er in seiner Funktion als Koordinator der zivilen und militärischen Lufttransporte aufregende und nicht ungefährliche Monate hinter sich, berichtete der einen Tag vor der Pressekonferenz 60 Jahre altgewordene Luftwaffengeneral. Der letztlich zivile Flughafen Mazar-e Sharif verzeichnet mehr Flugbewegungen und hat einen größeren Transportumschlag aufzuweisen als die beiden Flugplätze Nürnberg und Stuttgart zusammen. Neben sieben Transall-Transportflugzeugen und zwei CH53-Hubschraubern, die nahezu 60 Prozent des Transportverkehrs innerhalb des Landes abwickeln, stationierte die US-Armee während seiner Verweildauer 65 Kampf- und Rettungshubschrauber, zugleich erhöhte sich die Anzahl der Soldaten von 2.500 auf über 4.000, berichtete Schmidt von einer weiteren großen Herausforderung. Er habe viel Positives erlebt und betonte zum Abschluss, dass Afghanistan große Fortschritte mache, doch das werde leider von der übrigen Welt zu wenig wahrgenommen, bedauerte Schmidt, weil es von den Medien letztlich nicht entsprechend transportiert werde. Gegen Elf Uhr wurde das Pressegespräch von den aktuellen politischen Ereignissen im Inland eingeholt, als Presseoffizier Major Robert Gericke dem Divisionskommandeur einen Zettel hereinreichte. Kurz danach war die Konferenz beendet, und die Offiziere erfuhren aus dem TV vom Rücktritt ihres obersten Dienstvorgesetzten, Verteidigungsminister zu Guttenberg.

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