Bestattungskulturen im Wandel - Der Ritualdesigner kommt - In Puchheim wird das Urnengrab bevorzugt

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KREISBOTE, Puchheim - „Bestattungskultur im Wandel – Bestattungsmöglichkeiten in Puchheim“ Unter diesem Motto lud der „Seniorenbeirat der Gemeinde Puchheim“ am 25. 11. 2009 zu einer kostenlosen öffentlichen Versammlung ins PUC ein. Der Vorsitzende, Kuno Saatze, begrüßte die beiden Referenten: Ulrich Keller, Pastoralreferent und Trauerpastoral der Erzdiözese München, und Martin Lehner, u. a zuständig für die Friedhofsverwaltung in der Gemeinde Puchheim. Im ersten Teil der Veranstaltung wies Keller vor ca. 50 erschienenen Zuhörern darauf hin, dass sich die Bestattungstraditionen wandeln, in den Städten mehr als auf dem Land. Das Geschehen um das Bestattungswesen sei eine Domäne der Kirchen gewesen. Sie bemühte sich um Sterbende und Verstorbene, um Angehörige und Hinterbliebene. Heute seien sie Anbieter unter vielen. Erdbestattungen fänden ihre Begründung in der Bibel, sie waren früher die Regel. Die katholi-sche Kirche grenzte sich gegen die von den Freimaurern praktizierte Form der Feuerbestattung ab, sie akzeptiere sie aber - in Deutschland ist sie seit 1934 statthaft. Neue private Bestattungsunternehmen böten mannigfaltigste Möglichkeiten zur Bestattung an: See-, Almwiesen- und Flussbestattungen, sogar eine Diamantbestattung. In einem chemischen Hydrolyse-Prozess lasse sich der „Leichnam entsorgen“, Schweden kenne die Humisierung. Der „Ritualdesigner“ tritt auf den Plan. In Bayern gelte das Gebot der Friedhofbestattung. Die Aufbewahrung einer Urne im Wohnzimmer sei zwar gesetzlich verboten, eine Umgehung der Vorschriften werde praktiziert. Eine anonyme Bestattung sei kirchlicherseits möglich. Ursachen für die Zunahme dieser Bestattungsart seien die günstigeren Kosten gegenüber ei-ner herkömmlichen Erdbestattung und die zunehmende Privatisierung der Bestattungen. Der Tod werde unsichtbar und die Trauer ort- und na-menlos. Diese Art komme einer „Entsorgung der Toten durch die Geschichtslosigkeit der Generationen“ gleich. Kirchliche Trauerarbeit habe zum Ziel, dem Verstorbenen einen neuen Platz bei den Hinterbliebenen zuzuweisen und diesen die Erinnerung an den Verstorbe-nen bewahren zu helfen. Das Grab gelte als Anker für eine Erinnerungskultur. Christliche Friedhofskultur sei untrennbar verbunden mit Kreuz, Namensschild und Umfriedungsmauer. Im zweiten Teil der Veranstaltung bestätigte Martin Lehner auch für Puchheim, dass eine Tendenz zum pflegeleichten Urnengrab anhalte. Gegenüber 30 % früherer Gepflogenheiten werden jetzt 50 % aller Bestattungen mit dieser Art der Beisetzung verlangt. Dies habe große Auswirkungen für die örtliche Friedhofverwaltung mit finanziellen Konsequenzen. Ein Urnengrab kostet ca. 450 EUR. Während die Rückgabe der Erdgräber im Friedhof Schopflach nach der Mindestzeit zunimmt wird so gut wie kein Grab im „Alten Friedhof“ nach erstem Fristablauf wieder für andere freigegeben. Dort bestehen bereits Wartelisten. Die Gemeinde installierte 1981 eine erste Urnenwand im Friedhof Schopflach mit 136 Nischen. Sie errichtet dort z. Z. eine neue. Im „Alten Friedhof“ sind 105 Nischen vorhanden. Sämtliche Nischen sind belegt. In den Friedhöfen Schopflach stehen 1.123, in Puchheim-Ort 255 und in Puchheim-Bhf. 783 Gräber zur Verfügung; dieser sollte übrigens in den 80-iger Jahren aufgelöst werden. Der 1983 erweiterte Friedhof Puchheim-Ort hat keine Einzelgräber. In Schopflach kann anonym beigesetzt werden. Dort finden die Sozialbestattungen statt, sofern keine Angehörigen ermittelt werden können. Die Zahl dieser Bestattungen nimmt zu.

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