Neugegründete isländische Voltigiergruppe mit der Trainerin Kathrin Schmitt  in Fürstenfeldbruck 

Eine ausgewanderte Bruckerin exportierte den Voltigiersport nach Island 

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Obwohl sie so große Pferde bisher noch nicht kannten, stellten sie sich unerschrocken zum Erinnerungsfoto auf: die isländischen Kinder mit ihren Gastgebern.

Landkreis – „Oh, sind die aber groß!“ Die mächtigen Pferde stellten für die 13 isländischen Kinder, die mit der ehemaligen Trainerin des Reitclubs Fürstenfeldbruck (RC FFB), Kathrin Schmitt und der aus Bochum stammenden Irina Kamp zu einem einwöchigen Gegenbesuch im Landkreis weilten, die wohl größte Überraschung dar. Bisher kannten sie ja nur die auf ihrer Insel beheimateten kleinwüchsigeren  Island-Pferde oder Ponys, die meist ein  Stockmaß von 130 - 140 Zentimetern haben. 

 Die Kinder verdanken ihren ersten  Besuch in Deutschland der 35-jährigen Bayerin, die vor sieben Jahren nach Island auswanderte, um auf einer Farm zu arbeiten. Dort lernte sie ihren Traummann, einen isländischen Landwirt , kennen, gründete eine Familie, das dritte Kind ist inzwischen unterwegs, und führt mit ihrem Mann eine Farm mit 260 Schafen und etlichen Milchkühen sowie ein Zaunbau-Unternehmen. „In Island ist jedes Feld eingezäunt. Da gibt es viel Arbeit“, erzählt sie. Dennoch bleibt ihr für ihr Hobby, dem Voltigiersport, noch genügend Zeit. Zusammen mit der 40-jährigen Irina Kamp, die vor 15 Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Island auswanderte und mit ihrem Mann eine große Strickfabrik betreibt, sind sie auf einem guten Weg, den Voltigiersport in Island populär zu machen.


 Den akrobatischen Sport auf dem Pferd kannten die Isländer bisher nicht. Entsprechend verwundert, teilweise anfangs auch noch belächelt, schauten sie, als Schmitt als ausgebildete Lizenz-Trainerin erstmals mit Kindern turnerische Übungen auf einem an einer Longe im Kreis trabenden Pferd vorführte. Inzwischen aber haben sich 30 Kinder den beiden deutschen Frauen in einem isländischen Reitverein in Hvammstangi anvertraut und betreiben mit großem Eifer den Voltigiersport. Einziges Problem ist, dass man in Island keine Vereinspferde kennt, schilderte Schmitt. „Wir haben inzwischen vier Pferde für Voltigieren ausgebildet. Doch das sind Privatpferde, und wenn es dem Eigentümer einfällt, sind wir die Tiere wieder los.“ Dennoch wollen die beiden Frauen den Voltigiersport weiter auf der Insel bekannt machen. „Die Resonanz ist inzwischen doch sehr positiv, das motiviert uns“, sagte Schmitt und meinte, ohne ihre inzwischen beste Freundin Irina würde das alles nicht funktionieren. „Wir ergänzen uns perfekt.“


Irina Kamp und Kathrin Schmitt wollen in Island den Voltigiersport populär machen.

 Die Verbindung zum Brucker Reitclub hat Kathrin Schmitt nie abbrechen lassen. Sie versucht ein-, zweimal im Jahr nach Fürstenfeldbruck zu kommen. „Schon allein auch, weil Oma und Opa ihre Enkelkinder gern sehen wollen“, meinte sie, die seit ihrem zehnten Lebensjahr bis heute noch dem Brucker Reitverein angehört. Durch diese starke Verbindung entstand auch die Idee, die Voltigiergruppe des Reitclubs nach Island einzuladen. Nachdem über Ostern die Gruppe nach Island flog, mit ihren Vorführungen die isländische Bevölkerung in Erstaunen versetzte und somit zugleich Werbung für den Voltigiersport machte, kamen nun 12 isländische Mädels und ein Bub zum Gegenbesuch für eine Woche nach Fürstenfeldbruck. 


Neben einem kleinen internen Turnier zusammen mit den Kindern des Reitclubs auf dem Landsberieder Gelände war die Woche ausgefüllt mit vielen weiteren Unternehmungen und Exkursionen. Begeistert war die Gruppe beispielsweise nach dem Besuch des Klettergartens an der Amper in Fürstenfeldbruck. Aber auch ein Besuch des Klosters steht auf dem Programm sowie ein Besuch in Tiergarten Hellabrunn. „So etwas kennen die isländischen Kinder nicht“, sagte Kathrin Schmitt. „In Island gibt es keinen Zoo mit Löwen, Affen und Elefanten.“ Und, was noch ungewöhnlich für die sechs bis 17-jährigen Kinder bei ihrem einwöchigen Besuch in Bayern war: sie konnten die ganze Woche über in kurzen Hosen herumlaufen. „Das konnten sie ebenfalls kaum fassen“, so Irina Kamp.

Dieter Metzler


 

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