Bewerbertraining verhilft Hauptschülern zu erfolgreichem Start

Ein erfolgreicher Start von der Schulbank ins Berufsleben hängt entscheidend von der schriftlichen Bewerbung und dem persönlichen Vorstellungsgespräch ab. Kein Wunder also, dass viele Bewerber mit einem ähnlich flauen Gefühl im Magen zu einem Vorstellungsgespräch gehen wie zu einem Zahnarztbesuch. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied: Auf ein Jobinterview kann man sich vorbereiten.

Mit einem intensiven „Bewerbungstraining“ haben die Klassenlehrer Ute Weiß und Michael Aumann sowie ihre Kollegin Alexandra Völk die Schülerinnen und Schüler der beiden achten Klassen der Hauptschule West sozusagen auf den „Ernstfall“ vorbereitet. Dabei schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die verschiedenen Rollen und lernten vom „Vorfühlen“, der telefonischen Anfrage um einen Ausbildungsplatz, bis hin zu Tipps über die richtige Kleidung und über sicheres Auftreten. Sie lernten, wie man sich vorbereitet auf die Fragen eines Personalchefs oder auch, was man selbst fragen darf, und vor allem, wie man sich verbal verhält. Schon die berühmte „Eisbrecher-Frage“ – „Erzählen Sie doch mal von sich“ – versetzt in der Regel den unvorbereiteten Bewerber in Anspannung, denn für viele Kandidaten bedeutet diese Situation der „freien Rede“ bereits puren Stress. Mit den Klassenlehrern erstellten die Schülerinnen und Schüler Bewerbungsmappen, lernten Anschreiben zu fertigen, lernten, worauf es beim Bewerbungsfoto ankommt und was im Lebenslauf zu stehen hat bzw. was nicht reingehört. Als „Lehrherrn“ stellten sich den ganzen Vormittag des 20. Juli, der ehemalige Ausbildungsleiter von VW-Rasch, Erich Wölfel, Sparkassen-Zweigstellenleiter Hubert Weigelt, Zahnarzt im Ruhestand Dr. Ulrich Rieger, Ehrenobermeister der Bäckerinnung, Lukas Drexler sowie Friseurmeisterin Catherine Boulanger zur Verfügung und führten mit den Schülerinnen und Schülern Bewerbungsgespräche. Anschließend erhielten die Schülerinnen und Schüler ein Feedback mit Tipps und Verbesserungsanregungen. Die „Lehrherren“ äußerten sich anschließend überwiegend positiv. Beeindruckt zeigte sich Lukas Drexler vom Auftreten der Schülerinnen und Schüler nicht nur während des Bewerbungsgesprächs, sondern auch von der Disziplin beim Fototermin. Auch der Zahnarzt im Ruhestand Dr. Rieger war angetan vom Benehmen und sprach von einem „guten Gefühl“, das er durchwegs bei den Gesprächen mit den Bewerberinnen hatte. „Sie alle zeigten im Gespräch, dass sie ein Herz für den Menschen haben. Das ist wichtig, wenn man in einen Heilberuf oder in die Kinderpflege strebt.“ Überrascht war die Brucker Friseurmeisterin Catherine Boulanger über die bereits genauen Berufsvorstellungen der jungen Mädchen. „Ich wollte eigentlich Informationen über den Beruf einer Friseurin geben. Doch die Mädchen waren alle gut vorbereitet.“ Sparkassen-Zweigstellenleiter Hubert Weigelt stellte fest, dass der Ganztagsschulzweig den Schülerinnen und Schülern Vorteile gebracht habe. „Die Noten sind besser und die Bewerber sind konzentrierter bei der Sache.“ Großen Anteil daran habe seiner Meinung nach auch die seit Januar 2008 regelmäßig stattfindende Unterweisung durch den Rotary-Club Fürstenfeldbruck, der den Schülerinnen und Schülern der beiden Klassen auf den Schritt ins Berufsleben ebenfalls Hilfestellung leistet. Grundsätzlich verfügen die Schülerinnen und Schüler über das Potential, den „Quali“ zu schaffen, glaubt auch der ehemalige VW-Ausbildungsleiter Erich Wölfel. Enttäuscht zeigte er sich von einem Bewerber, der in seiner Bewerbung ein 14-tägiges Praktikum angegeben hatte, darüber befragt, dann gestehen musste, dass er geflunkert hatte. Auch befürchtet Wölfel große Probleme für die Schulabgänger, die aus zerrütteten Elternhäusern kommen. Der 14-jährige in der Kreisstadt geborene Mergim Hadimi, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, nahm die „Übungs-Bewerbungsrunde“ sehr ernst, wie unschwer an seiner Nervosität auszumachen war, als er vor seinem Bewerbergespräch auf dem Flur auf und ab lief. „Ich glaube, das geht jedem so“, meinte er. „Für uns alle ist das eine Supersache, auch wenn es nur eine Übung ist. Wir lernen dabei viel, und das kann nur gut für uns sein.“

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