Die Biene, das drittwichtigste Tier aus wirtschaftlicher Sicht, kämpft ums Überleben

Auf Einladung der Ortsgruppe Bündnis 90/Die Grünen gab der Emmeringer Hobby-Imker Peter Dorfmeister im KOM einen Einblick ins Bienenleben und –wirken. Den Wert der Blütenbestäuber und Honigerzeuger verdeutlichte er mit dem Einstein-Zitat „Wenn die Biene stirbt, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben“.

Peter Dorfmeister, früher für die Telekom und seit der Pensionierung für seine Bienenvölker tätig, ist stolz darauf, in seiner Heimatgemeinde Emmering ein großes Interesse an der Imkerei miterweckt zu haben. Dazu zählen nicht nur viele Schulkinder, sondern inzwischen auch 15 Nachwuchs-Imker. Er sprach deutliche Worte über das „gestörte Verhältnis von Mensch und Biene“, obwohl wir ihr weltweit soviel verdanken. Anschaulich legte er das reiche Innenleben und die ausgeprägte soziale Ordnung in Bienenkorb und Bienenvolk dar - vom „Zellenputzen“ bis zur polizeistrengen Bewachung des Schlupflochs. Man erfuhr, dass Bienen es warm lieben: „Bei 8° Grad plus fliegen die nicht raus!“ Aber sie unterliegen auch keiner Winterstarre in ihrer Behausung, die in der Natur ja auch mal aus einem hohlen Baumstamm bestehen kann. Die weiblichen Arbeitsbienen sind in der kalten Jahreszeit ständig damit beschäftigt, durch Körpervibration Wärme für die in der Nachwuchserzeugung so überlebenswichtigen Königin („Weisel“) zu produzieren. „36° Wärme im Korb ist für sie ebenso eine Notwendigkeit wie es für den Menschen vergleichbar die Blutwärme ist.“ Die Königin wird von den Arbeitsbienen für ihr möglichst langlebiges Wohlergehen (bis zu 5 Jahren) mit vorgekautem Gelee Royal gefüttert; der per Ei und Larve erzeugte Nachwuchs wird ebenfalls von ihnen mit allem Notwendigen versorgt. Auch die männlichen Drohnen erfreuen sich einer gesicherten, allerdings nur kurzfristigen Vollversorgung im Musterstaat, bis die Begattung der Königin vollzogen ist. Ein Musterstaat, der aus völliger Hingabe in die eigene Aufgabe besteht - in einem faszinierenden Ordnungssystem, dass immer (bis auf die größere Königinnenzelle) aus sechseckigen Nachwuchs- und Honigzellen besteht. Ein Staat und Volk mit im Sommer bis zu 50.000 Arbeitsbienen in nur einem Zuhause, mit zusätzlich etwa 2000 Drohnen und einer einzigen Königin. Bienen, unverzichtbare Blütenbestäuber an (Obst-)Bäumen, (Obst-)Büschen, Stauden, Blumen und sonstigen Pflanzen wie Raps, sind in unserer Gegenwart immer häufiger gefährdet. Und das liegt nicht nur an der winzigen, aus Asien eingeschleppten Varroa, einer Spinnentiermilbe, die fortwährend ganze Bienenvölker auch in Bayern befällt - und auslöscht. „Sie verletzt Biene und Bienenbrut so schwer, dass ohne Hilfe des Imkers das Volk innerhalb eines Jahres stirbt.“ Die Gefahren für die sprichwörtlich fleißigen Bienen sind vielseitiger Art. So durch die „Verwendung von Giften in der Landwirtschaft, die auch Insekten, wie die Bienen, töten.“ Oder durch gen-veränderte Pflanzen: „Sie erzeugen in sich ein Gift, das ‚schädliche’ Insekten töten soll. Die Biene soll es nicht, aber sie stirbt ebenso, wenn sie sich den Blütenstaub holt.“ Und, was das Allerschlimmste ist, die Biene findet zunehmend keine der ihr gemäßen Nahrung, da es an „Tracht“ mangelt. Tracht, das sind die Angebote, die die Natur in Form von Blüten jeglicher Art für die Blütenbestäuber wie Biene, Hummel, Wespe, Schmetterlinge bereithält. Wenn aber das Roggen- oder Weizenfeld nicht einen Klatschmohn oder eine Kornblume bereithält, dann ist es für die Biene eine grüne oder gelbe Wüste, denn dort ist nichts zu holen, weder Honig noch Pollen. Das gleiche gilt für alle Bauernwiesen ohne Klee, Löwenzahl oder andere Wildpflanzen und Blühendes ebenso wie für den Vorgarten, in dem es nur grün ist ohne jede Blüte. Oder auch für Straßenränder einschließlich der öffentlichen Anlagen und Parks, in denen immer nur gnadenlos mit-niedergemäht wird, was als blühende Wildpflanze sich dort zufällig einmal versamt hat, niedergemäht zu einem „ordentlich gepflegten Straßenrand ohne Innenleben.“ Aber: „Die bunte Wiese ist die Stallapotheke für’s Vieh!“ Wenn es vom Lindenbaum und der Lindenblüte klebrig heruntertropft aufs Autodach, dann wird das von fast allen Fahrzeugnutzern als Bedrohung für den Autolack gesehen. Man sollte aber einmal - so der Imker Peter Dorfmeister - die reiche Lindenbaum-Tracht als Nahrung für hunderttausende von Bienen sehen. Es wäre eine Herausforderung für jeden, zu sehen, was für den Einklang mit der Natur in unseren Tagen noch gerettet werden kann. Oft läge es nur an einem Augenblick des Nachdenkens. Hierfür hat sich auch das „Netzwerk Blühende Landschaft“ seit seiner Gründung 2003 in Augsburg stark gemacht: „Unsere Kulturlandschaft soll wieder blühen - auch für uns Menschen. Denn von vielen der Insekten leben unsere geliebten Vögel und andere Tiere. Ohne sie alle wird unser Leben immer ärmer.“ „Netzwerk Blühende Landschaft“ mit breitem Informationsspektrum: E-Mail: info@bluehende-landschaft.de

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