Zeichen der Energiewende

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Die Biogasanlage in Luttenwang von Josef Schmid und Manfred Scherer stellt einen ersten Schritt in Richtung Energiewende dar.

Adelshofen – Im Ortsteil Luttenwang werden seit Dezember 20 Häuser mit Wärme aus der Biogasanlage von Josef Schmid und Manfred Scherer versorgt. Das Tolle daran: Bei der Verlegung der Fernwärmeleitungen haben die Luttenwanger Bürger tatkräftig selbst Hand angelegt.

Am Stammtisch des Männer-Gesang-Vereins Luttenwang nahm alles seinen Anfang. Einige Sangesbrüder diskutierten, wie man die Abwärme aus der Biogasanlage Schmid, die seit Juni 2008 bei der Stromerzeugung ungenutzt in die Luft geblasen wurde, besser nutzen könnte.

Der Gedanke lag nahe, die ungenutzte Wärmeenergie sinnvoll zu nutzen. Dazu mussten jedoch erst einige Hürden aus dem Weg geräumt werden. Zwei Jahre vergingen bis schließlich im August 2012 20 Interessenten übrig blieben und sich für die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) entschieden.

Staatlicher Zuschuss

Das war zugleich der Startschuss für das Bauvorhaben. Ab 8. Oktober 2012 wurden die insgesamt 1200 Meter Leitungen für das Fernwärmenetz verlegt. Bis kurz vor Weihnachten waren dann alle 20 Hausanschlüsse erstellt, und das erste warme Wasser mit einer Temperatur von bis zu 80 Grad wurde ins Netz eingespeist. Die Baukosten betrugen insgesamt 275000 Euro. Diese Summe müssen die Luttenwanger aber nicht alleine tragen, sondern der Geschäftsführer der „Fernwärme GbR Luttenwang“, Hans Bauer rechnet mit einem staatlichen Zuschuss in noch unbekannter Höhe. Bis zum 2. Januar 2017 betragen die Anschlusskosten 9 Cent pro Kilowattstunde – für ein Gebäude mit einer Abnahme von 20.000 KW/h somit 1800 Euro im Jahr. Bauer rechnet aber noch mit einer staatlichen Förderung für das Netz und die Übergabestationen, wie dies bei dem Einsatz von Erneuerbaren Energien üblich ist.

Nach Abzug der Förderung zahlen die Gesellschafter die Baukosten innerhalb von vier Jahren zurück. Die GbR hat den Bau des Wärmenetzes so finanziert, dass jeder Haushalt in den ersten Jahren den Betrag bezahlt, den er sonst für Heizöl ausgegeben würde. Danach wäre das Leitungsnetz nach fünf Jahren abbezahlt und würde den Anwohnern gehören. Insgesamt erzeugt die Biogasanlage der beiden Luttenwanger Eigentümer etwa fünf Millionen Kilowattstunden Wärme. Diese wurden bisher ungenutzt in die Luft geblasen. Fast 650000 Kilowattstunden nimmt nun aber die Fernwärmegesellschaft ab.

Da es sich bei dem Fernwärmeleitungsnetz um ein öffentliches Netz handelt und noch Kapazitäten frei sind, ist für jeden ein Anschluss möglich, der an dem Netz anliegt. Bei der ersten öffentlichen Versammlung der GbR ließ der ehrenamtlich tätige Geschäftsführer die Schwierigkeiten bei der Weichenstellung für die Baumaßnahme nochmals Revue passieren. Durch seine frühere berufliche Tätigkeit als Mammendorfer Bauamtschef sah sich Bauer nicht nur in der Verantwortung und stellte sich uneigennützig als Geschäftsführer zur Verfügung, sondern seine langjährige berufliche Erfahrung kam letztlich allen Beteiligten zugute.

Lob für Eigeninitiative

Die bei der ersten Gesellschafter-Versammlung im Gasthaus Frietinger anwesenden Gäste äußerten viel Lob über die Eigeninitiative der Luttenwanger Bürger. Während Mammendorfs Bürgermeister Johann Thurner meinte, das sei ein erster Schritt in Richtung Energiewende, hofft der Umwelt-referent des Kreistages, Max Keil, dass Luttenwang auch als Beispiel für den gesamten Landkreis dient.

Dieter Metzler

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