Wo bleiben die Patienten? Gesundheitsreform ein Hauptthema beim 100jährigen Geburtstag der Brucker SPD

In diesem Jahr feiert der SPD-Ortsverein Fürstenfeldbruck 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläumsjahr kündigte der Ortsverein eine Reihe von Veranstaltungen zu aktuellen Themen an. In diesem Rahmen lud die Partei am 14. Mai 2009 zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über die Gesundheitspolitik ein. Knapp 40 interessierte Besucher fanden sich dazu im Säulensaal des Veranstaltungsforums ein.

Nach mehreren Gesundheitsreformen traten Anfang dieses Jahres zeitgleich der Gesundheitsfond und die Honorarreform der Ärzte in Kraft, eröffnete Dr. Joachim Strobel, Mitglied des SPD-Vorstands und Facharzt für Gastroenterologie seine Moderation. Beide Gesetzespakete verursachen umfassende Veränderungen in den bestehenden Strukturen mit erheblichen Konsequenzen für Krankenkassen, Pflegepersonal und Ärzte - vor allem aber – für die Bevölkerung, so Strobel. Er freue sich, dass der Ortsverein fünf Referenten gewinnen konnte, die jeweils aus ihrem Blickwinkel die gesundheitspolitischen Themen beleuchteten. Manfred Spann, der das Fürstenfeldbrucker Ärztenetz (FAEN) betreut und begleitet, äußerte sich zur aktuellen Architektur des Gesundheitswesens und insbesondere zu Fragen des Wettbewerbs in diesem System. Der einheitliche Beitragssatz, der Gesundheitsfonds, die Gesundheitskarte, die Konzernbildung, die einheitliche Vergütung sowie den Diagnosewettbewerb nannte Spann als Folgen der Gesundheitspolitik. Doch wo bleiben die Patienten, wo die wohnortnahe Versorgung, frage er sich. Was mache gesund, so Spann, nicht die zuvor aufgezählten Punkte, sondern nur der Arzt. Carola Sraier von der Unabhängigen Patientenberatung Oberbayern berichtete zum Thema „welche Leistungen der Bürger zu erwarten habe“ aus Sicht der Versicherten und Erkrankten und legte dabei die Aspekte der Fehl-, Mangel und Überversorgung dar. Der stellvertretende Direktor der AOK-Bayern, Martin Felber, referierte anschließend über die Auswirkungen der aktuellen Reformen auf die Kassenlandschaft. Er verteidigte das System, weil es auch in Krisenzeiten funktioniere. Als Repräsentant der Kreisärzteschaft nahm der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes und Brucker CSU-Stadtrat Dr. Werner Kainzinger insbesondere zur Attraktivität des ärztlichen Berufes in Zeiten der Budgetierung und Honorarreform Stellung. 80 Prozent der Medizinstudenten wollen nicht mehr Mediziner werden, sagte Kainzinger. Viele würden ins Ausland vorzugsweise in die Schweiz, in die nordischen Länder oder nach England gehen, so der HNO-Arzt aus der Kreisstadt. Es gebe zwar noch keine Unterversorgung, aber aufgrund der Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte könne das in fünf Jahren ganz anders ausschauen. Dann ging der Vorsitzende des Kreisverbandes auf die ambulante und stationäre Versorgungssituation ein. Im ambulanten Bereich werden neue Versorgungsstrukturen aufgebaut, medizinische Versorgungszentren (MVZ) geschaffen, die Klinikambulanzen werden zunehmen, und im Gegenzug könnte die wohnortnahe Praxisversorgung aussterben. Bei der stationären Versorgung werden die Verweildauern sinken, die Bettenzahlen abnehmen, kleinere Kliniken werden gar schließen und die Klinikketten werden steigen. Die Folgen werden sein, dass das Personal bei Pflege und Operationen abgebaut wird, das Ärztestellen nicht mehr nachbesetzt werden. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, MdL Kathrin Sonnenholzner, legte schließlich das politische Konzept der Bürgerversicherung dar. Insbesondere ging sie dabei auf die Sicherstellung einer umfassenden medizinischen Versorgung ein. „Wir werden weltweit um unser Gesundheitssystem beneidet, so schlecht kann es nicht sein“, sagte Sonnenholzner.

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