Böse Überraschung für Brucker Rollstuhlfahrer – Defekter Lift am Bahnhof – Patzige Antwort am Service-Telefon

Für Robert Wickenrieder ist es nicht nachvollziehbar, warum der Bahnsteig-Lift monatelang gesperrt sein muss. Foto: Dieter Metzler

Für Rollstuhlfahrer und Senioren sowie junge Eltern mit Kinderwagen ist der Brucker Bahnhof derzeit wieder einmal ein Ärgernis. Prinzipiell ist der Bahnhof für Menschen mit Handicap nutzbar, der Lift zum Bahnsteig jedoch sehr oft außer Betrieb. So auch zurzeit und darüber hinaus voraussichtlich bis Mitte Dezember. Wie beschwerlich für einen auf den Rollstuhl angewiesenen Menschen dabei ein Trip mit der S-Bahn werden kann, erlebte unlängst der 40-jährige, seit drei Jahren auf den Rollstuhl angewiesene, Robert Wickenrieder aus der Großen Kreisstadt.

Eigentlich wollte Wickenrieder nur aus der bayerischen Landeshauptstadt mit der S-Bahn am Sonntagmittag nach Hause fahren. Doch als er im Brucker Bahnhof ankam, erlebte er eine böse Überraschung. Der Bahnsteig-Lift, ohne den er nicht vom Bahnsteig kam, war wieder einmal nicht funktionsfähig. Abgesehen davon, dass den Stadtangestellten die Sperrung völlig unvorbereitet traf, ärgerte ihn vor allem die lange Dauer der Sperrung. Also wählte er die angegebene Telefonnummer der Umsteigehilfe München, die Wickenrieder aber ohnehin in seinem Handy gespeichert hat, und erhielt eine Auskunft, die ihn maßlos ärgerte. „Wenn Sie mit der Bahn fahren, dann müssen Sie sich vorher erkundigen, ob ein Lift vorhanden ist und ob der auch funktioniert“, wurde ihm lakonisch mitgeteilt. Auf die Frage, was er denn nun machen solle, riet ihm der Beamte, „fahren Sie bis zur nächsten Station weiter, steigen Sie dort aus und fahren mit dem Taxi nach Hause.“ Nachdem Wickenrieder dem Bediensteten der Bahn erklärte, dass er, falls die S-Bahn in der Buchenau (nächste Station) am mittleren Bahngleis halte, vor der gleichen Situation stehe, denn von dort sei ebenfalls kein barrierefreier Zu-und Abgang möglich, meinte der Beamte, dann müsse er halt noch eine Station weiter fahren. Erstatten könne ihm die Bahn die Taxi-Kosten natürlich nicht, meinte der Bahnmensch noch. Schließlich trugen ein Pärchen und eine dritte Person den Rollstuhl und das Gepäck des schwerbehinderten Wickenrieders vom Bahnsteig und Wickenrieder selbst hangelte sich am Geländer entlang die Treppe vom Bahnsteig hinunter. „Ich will mich nicht wichtigmachen“, meinte Wickenrieder, „aber auf die Zustände, vor allem über die lange Sperrung des Liftes, sollte doch die Öffentlichkeit informiert sein. Schließlich soll es anderen Behinderten nicht so ergehen wie mir“. Die Missstände ließen den Brucker, der auch Vertrauensmann der Schwerbehinderten im Brucker Rathaus ist, nicht ruhen. Zwei Tage später rief er den Stationsbetreuer der Bahn in München an. Doch die Auskunft, die Wickenrieder erhielt, frustrierte ihn erneut. Die Öffentlichkeit sei über die Medien (Merkur und SZ) über die Sperrung des Liftes informiert worden, bekam er nur zur Antwort. Wickenrieder meinte, man hätte auch beispielsweise das Rathaus über die Sperrung informieren können, so dass über den kostenlos an die Brucker Haushalte verteilten Rathaus-Report die Menschen von der Lift-Sperrung erfahren. Nicht nachvollziehbar sei für ihn, so Wickenrieder, dass der Bahnsteig-Lift so lange ausfalle. Man habe bundesweit nur acht Firmen für die Instandsetzung der Lifte, erhielt der Brucker zur Antwort. Im Übrigen sei der Ausbau und Austausch des Brucker Liftes besonders kompliziert. Er müsse mit einem Spezialkran über die Oberleitung der Bahn gehievt werden. Das mache eine kurzfristige Abschaltung der Stromleitung erforderlich. Zum Abschluss des Gesprächs mit dem Münchner Stationsbetreuer erhielt Wickenrieder sozusagen als Tipp den Vorschlag, so lange von Olching, Maisach oder Gernlinden oder erst eine Station in Richtung Geltendorf zu besteigen, um nach München zu fahren. Doch auch hier müsse er sich mit dem Taxi oder irgendwie privat hinfahren lassen. Die Bahn übernehme auch dafür natürlich keine Kostenerstattung.

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