BOS-Jahrgangsbeste geht nach Italien und studiert danach Rechtswissenschaften

Jahrgangsbeste der BOS Fürstenfeldbruck und Landessiegerin bei „Erinnerungszeichen“ – Katharina Bader,( 20). Foto: Schäftlein

Sie hat gelernt, ohne sich überzustrapazieren. Hat nach der Realschule in den letzten beiden BOS-Jahren das Fachabitur und als Jahrgangsbeste so eben das Abitur absolviert: Mit zwei Fremdsprachen (Englisch und Italienisch). Jetzt geht Katharina Bader aus Vogach für zehn Wochen in die Region Friaul, der Sprache wegen, um dann ab dem Herbst in Augsburg das Studium der Rechtswissenschaften anzutreten. „Das wird kein Spaziergang!“, weiß auch die Spitzenschülerin.

 Zunächst schluckt man etwas, wenn man ihr gegenübersitzt. „Jura???“ Es ist tatsächlich ihr Wunsch, denn in der familiären Vogacher Auto-Werkstatt sind schon ihre drei Brüder tätig. „Da brauch ich nicht auch noch mitmischen …“ Bader, Jahrgang 1991, hat sich dennoch und für alle Fälle vor der Berufsoberschule (BOS) während zwei Jahren beruflich zur Automobilkauffrau ausbilden lassen – und parallel dazu auch noch Italienisch gelernt. Jetzt hat sie noch ein paar Tage Zeit bis zum Antritt ihrer Vertragszeit in einer italienischen Touristikanlage. Zeit, um die letzten harten Wochen noch einmal innerlich ablaufen zu lassen. Die Prüfungen zum G13 und die Archiv- und Nachforschungsarbeit zum landesweiten Wettbewerb „Erinnerungszeichen“, vollzogen in allen Regierungsbezirken und Schularten: Insgesamt rund 1500 Teilnehmer/innen aus Grund- und Volksschulen, Förder-, Mittel-, Real- und Wirtschaftsschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulen. Katharina Bader trat für die BOS Fürstenfeldbruck an – und wurde 1. Landessiegerin mit 16 weiteren Landessiegern querbeet durch alle Schularten. Bei den Beruflichen Schulen zählte noch die schwäbische BOS in Friedberg und die FOS im oberpfälzischen Kelheim zu den Siegern. Gewählt hatte Bader keine leichte Aufgabe als Thema: „Zwangssterilisation im Nationalsozialismus in der Stadt München und deren ländlicher Umgebung“. Eigentlich bekam sie es zugewiesen, „weil ich kein Losglück hatte …“ Im Nachhinein sei sie aber darüber nicht unfroh gewesen. Die entsprechenden Gesundheitsakten zum Thema im Bayerischen Staatsarchiv haben ihr nicht sehr viel gegeben, wohl aber die ausführlichen NS-Entnazifizierungsakten im Münchener Stadtarchiv. Das Beste fand sie in der Münchner LMU in einer Magisterarbeit zu NS-Gesundheitsämtern. Insgesamt wälzte und las sie in dieser Zeit acht Bücher aus der Stadtbibliothek München und eigenem Erwerb, versehen mit einer Menge Erinnerungsklebezettel. Ihr an den Wettbewerb eingereichtes Manuskript umfasste 15 einhalb Seiten, wurde von einem Schulfreund grammatikalisch erfolgreich gegengelesen „und ich kannte es fast auswendig!“ Den Juroren gefiel die Arbeit. Die Landes-Auszeichnung – mit einer persönlichen Laudatio – wurde Katharina Bader auf der Nürnberger Kaiserburg von MdL und Staatssekretär a.D. Karl Freller am 6. Juli überreicht. Er ist Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und vertrat Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle: „Geschichte drückt sich nicht nur in großen Staatsaktionen aus. Sie hinterlässt vor allem auch im Alltag und im Leben der Menschen Spuren.“ Bader war von der Atmosphäre auf der Kaiserburg – in Gegenwart ihrer Eltern – sehr beeindruckt. Genauso wie von der Abschlussfeier 2012 der FOS/BOS in Fürstenfeldbruck mit insgesamt 602 Schüler/innen am 10. Juli.

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