"Jetzt red i" in Fürstenfeldbruck

BR-Sendung "Jetzt red i": Kirche muss sich erneuern

+
Bei der Bürgersendung des BR „Jetzt red i“ konnten die Bürger ihre Wünsche und Forderungen an die katholische Kirche stellen.

So viel war am Ende zumindest sicher: Die Liste der Probleme innerhalb der katholischen Kirche ist nicht nur lang und der Institution bekannt – es wird wohl auch noch einige Zeit vergehen, bis Veränderungen eintreten. Besonders die Problematik, dass Frauen immer noch nicht gleichgestellt sind, stieß bei vielen Anwesenden der BR-Bürgersendung „Jetzt red i“ in der Marthabräuhalle am 27. März auf Unverständnis – nicht nur bei den Zuschauern. Hier diskutierten Weihbischof Wolfgang Bischof vom Erzbistum München und Freising und Thomas Andonie, Bundesvorsitzender vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zusammen mit Bürgern über Zölibat, Sexualmoral, die Rolle der Frau und die Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe.

Fürstenfeldbruck - Bis auf den letzten Platz besetzt, war die umgebaute Marthabräuhalle an diesem Abend, als die Moderatoren Tillmann Schöberl und Franziska Eder die beiden Gäste Weihbischof Wolfgang Bischof und Thomas Andonie den Zuschauern vorstellen und ihnen in der Sendung die Möglichkeit geben, ihre Ängste, Sorgen und Wünsche an die Kirche mitzuteilen. Schnell wird klar, viele der Anwesenden sind am zweifeln, „ist das noch meine Kirche?“ 

Bischöfe stellen sich der Debatte

Mella Geßendorfer aus Eichenau hat ihre Entscheidung getroffen: „Die Kirche war für mich ein Teil meines Lebens“, sagt sie heute. Und dennoch sei sie vor sechs Jahren ausgetreten. Wie die Kirche wieder zu einer „zweiten Heimat“ werden kann, daran hat sie Bedingungen geknüpft: „Die Kirche soll sich auf den Weg machen sich zu erneuern. Kein Pflichtzölibat und Frauen als Priester“, fordert sie. Ihr Bruder wäre sogar ins Priesteramt gegangen, doch dann kamen die Missbrauchsvorwürfe und es wurde geschwiegen. „Dafür ist es jetzt richtig laut“, sagt sie. Wolfgang Bischof überrascht dieser Schritt nicht und dennoch ist er berührt. „Es zerreißt mir das Herz“, sagt er. Bischof betont, dass sich die Bischöfe auf den Konferenzen der Thematik gestellt hätten und auch wirklich behandeln wollen. „Wir wollen zeigen, wir haben verstanden“, betont er. Auch könne man nicht länger auf Rom warten, sondern müsse die Themen schnell umsetzen.

Bürger geht es nicht schnell genug

Diese Worte reichen Stefan Weinzierl nicht. „Schnell ist mir zu langsam“, sagt er. Er sei nicht mehr Mitglied in der Kirche, weil er mit dem Umgang von Geschiedenen, Homosexuellen und auch Frauen nicht teile. Damit ist er in der Marthabräuhalle nicht alleine. Vor allem der Umgang mit letzteren stört wohl einige, wie sich an der Zahl der Hände zeigt, die nach oben schnellen. „Aus meiner Arbeit mit jungen Menschen kenne ich die Problematik“, sagt der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Thomas Andonie. Es könne nicht sein, das 50 Prozent der Gesellschaft von der Weihe ausgeschlossen sind. „Wir sind Kirche. Frauen haben das gleiche zu sagen und wirken auch gemeinsam“, sagt er. Weiter wirft Andonie die Frage in den Raum, ob die Kirche nah am Glauben oder der Amtskirche sein wolle. „Traut euch doch mal. 

Internetnutzer geben ihre Meinung ab

Das Problem liegt im System und nicht in der Gemeinschaft“, fordert er daher an die Amtskirche gerichtet, was ihm schallenden Applaus einbringt. Eine Gemeindereferentin meldet sich zu Wort: „Ich würde so gerne auch Taufen und Hochzeiten durchführen“, sagt sie. Und Elfriede Schießleder, ehemalige Vorsitzende des katholischen Frauenbundes, fügt hinzu: „Wo steht in der Bibel, dass eine Frau weniger Wert ist? Und gibt sogleich die Antwort: „Im Kirchenrecht steht das. Warum?“ „Diakonat für Frauen?“, will Schöberl nun von Bischof wissen. „Das wird nicht auf die Schnelle geschehen, es wird aber darüber gesprochen“, antwortet Bischof, woraufhin weitere Arme nach oben schnellen. Nun sind auch die Internet-Nutzer gefragt. Franziska Eder hat einige Stimmen ausgewertet – der Tenor ähnlich. Ein Nutzer schreibt „Das Vertrauen ist zerstört“ und ein anderer „Wo bleibt die Aufarbeitung des Missbrauchs?“ und ein nächster bringt den Vorschlag, dass alle Frauen austreten sollten, während ein anderer den Wunsch äußert, „die Kirche müsse zur armen Kirche zurückkehren“. Beim Missbrauch bringt Bischof einen sogenannten „TÜV“ für Leitlinien ins Gespräch und betont, dass die entsprechenden Personen nicht nur aus dem Priesteramt sondern aus dem Klerikeramt entlassen werden. Hier wolle man mehr mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

Schöberl spricht gegen Ende das aus, was wohl viele dachten: „Es wird viel geredet, aber scheinbar ändert sich nichts?“ Dem muss der Weihbischof zustimmen: „Das ist etwas was mich auch zutiefst ärgert“, sagt er. 

Hamann

Auch interessant

Meistgelesen

Wohnmobilstellplatz erfreut sich immer größerer Beliebtheit
Wohnmobilstellplatz erfreut sich immer größerer Beliebtheit
Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell überqueren die Alpen
Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell überqueren die Alpen
Christoph Maier (SPD) fordert Thomas Karmasin heraus
Christoph Maier (SPD) fordert Thomas Karmasin heraus
Die Babys der Woche im Klinikum Fürstenfeldbruck
Die Babys der Woche im Klinikum Fürstenfeldbruck

Kommentare