Erstmals in der über 125-jährigen Geschichte der Brucker Feuerwehr untersuchte ein externes Unternehmen die Feuerwehr-Organisation

Grob fahrlässiger Umgang mit dem Brandschutz?

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Brucker Feuerwehr-Organisation auf dem Prüfstand.

Fürstenfeldbruck –   Erstmals in der über 154-jährigen Geschichte der Brucker Feuerwehr untersuchte ein externes Unternehmen die Feuerwehr-Organisation. Dabei kommt das beauftragte Ingenieurbüro zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die Stadt ihrer gesetzlichen Pflichtaufgabe nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz „zur Sicherstellung der Gefahrenabwehr für den Brandschutz sowie die Technische Hilfe“ derzeit nicht vollständig nachkommt. „Um ihre Aufgaben im abwehrenden Brandschutz und im technischen Hilfsdienst erfüllen zu können, müssen die Gemeinden ihre Feuerwehren so aufstellen und ausrüsten, dass diese möglichst schnell Menschen retten, Schadenfeuer begrenzen und wirksam bekämpfen sowie technische Hilfe leisten können.

  Hierfür ist es notwendig, dass grundsätzlich jede an einer Straße gelegene Einsatzstelle von einer gemeindlichen Feuerwehr in höchstens zehn Minuten nach Eingang einer Meldung bei der Alarm auslösenden Stelle erreicht werden kann (Hilfsfrist).“ So lautet die gesetzliche Vorgabe und daran scheiden sich in Fürstenfeldbruck die Geister nicht erst seitdem bekannt ist, dass die Werksfeuerwehr im Brucker Fliegerhorst abgerückt ist, sagt der CSU-Fraktionsvorsitzende im Brucker Stadtrat und Feuerwehrreferent Andreas Lohde.

 „Die teilweise Nichterreichbarkeit innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist war schon vorher in manchen Stadtteilen gegeben. Sie wurde jetzt durch den Abzug des Bundeswehrbrandschutzes verschärft und durch das Gutachten offensichtlich.“ Die FF Bruck kann sowohl das nordöstliche und östliche Stadtteilgebiet wie auch den Fliegerhorst auf Grund der Fahrwegsentfernungen und der dafür erforderlichen Fahrzeiten nicht innerhalb der 10-Minuten-Hilfsfrist erreichen. Nicht erreichbar sind auch das nordwestlich der S-Bahnlinie gelegene Stadtteilgebiet von Bruck sowie der Bereich des Klosters Fürstenfeld, ebenso wenig wie „Alt-Buchenau“ und Gelbenholzen.

 „In zwölf Minuten sieht der Erreichungsgrad allerdings schon deutlich besser aus“, fügt Lohde hinzu. Dennoch - das mit der Organisationsprüfung der Feuerwehr beauftragte Ingenieurbüro für Brandschutz und Gefahrenabwehrplanung aus Heilsbronn kommt letztlich zu dem Ergebnis, dass nur durch eine zweite – entsprechend platzierte – Feuerwache das nordöstliche und östliche Stadtteilgebiet von Bruck, sowie der Fliegerhorst innerhalb der Hilfsfrist durch die FF Bruck erreicht werden kann. Nach wie vor nicht erreicht werden in der Zehn-Minuten-Frist das südlich der Amper gelegene südöstliche Stadtgebiet, Gelbenholzen und Alt-Buchenau. Über Zweckverträge mit den benachbarten Feuerwehren aus Emmering, Alling und Schöngeising wäre jedoch der Brandschutz für diese Gebiete in der vorgeschriebenen Hilfszeit sichergestellt. Als Standort für ein zweites Feuerwehrhaus wurde der Bereich der Kreuzung B471/Von-Gravenreuth-Straße vom Büro als optimal vorgeschlagen. Die Kosten für das Gebäude mit fünf Stellplätzen ohne den Grunderwerb betragen ca. 1,5 Millionen Euro.

Aufgrund der Wohnsituation und zur Sicherstellung der Alarmsicherheit „Nachts“ schlägt das Gutachten darüber hinaus die Errichtung von bis zu zehn Dienstwohnungen für Feuerwehrangehörige vor. Auch die Ausstattung des Hauses und die Beschaffung von zwei zusätzlichen Fahrzeugen, zwei bestehende sollen von der Alten Wache verlegt werden, sind noch nicht miteingerechnet. Bruck braucht auch eine zweite Drehleiter. Die auf Grundlage der externen Prüfung erstellten Maßnahmen zur Sicherstellung der Gefahrenabwehr für den Brandschutz wurden im Feuerwehrbedarfsplan 2016 – 2020 zusammengefasst und sollten in den kommenden Jahren möglichst zeitnah umgesetzt werden. Die Regierung von Oberbayern hat die Stadt aufgefordert, den nicht tragbaren Zustand schnellstmöglich zu beenden. Um den Feuerwehrbedarfsplan aktuell zu halten, soll dieser alle fünf Jahre überarbeitet werden.

Dieter Metzler

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