António Cleide von der Bischöflichen Landpastoral zu Besuch bei Campo Limpo in Puchheim

Favelas in Brasilien entstehen durch die Vertreibung von Kleinbauern

+
 Das  Foto zeigt Teilnehmer der Veranstaltung mit António Cleide in der Mitte beim Nord-Süd-Durchblick am Puchheimer S-Bahnhof. 

Puchheim – António Cleide von der Bischöflichen Landpastoral war zu Besuch bei Campo Limpo in Puchheim und berichtete über die Situation. Im Nordosten Brasiliens gibt es im Landesinneren die Trockenregion Sertão. Es regnet dort, wenn überhaupt, nur von Februar bis April. Einerseits gibt es dort riesige Ländereien mit unbewirtschaftetem Land, andererseits aber auch Millionen Menschen. Diese waren früher bei Großgrundbesitzern beschäftigt, wurden wegen der Industrialisierung der Landwirtschaft aber nicht mehr gebraucht. Kleinbauern wurden mit illegalen Methoden vertrieben oder mussten riesigen Speicherseen weichen.  

Die Bischöfliche Landpastoral (CPT) versucht diese Menschen auf dem Land zu halten. Ein Abwandern in die Favelas der großen Städte lässt die Familien zerfallen, Kinder sind der Prostitution ausgesetzt, suchen nach Drogen.

Nach einem Bundesgesetz von 1988 kann nicht bewirtschafteter landwirtschaftlicher Grund ab einer Fläche von 825 ha enteignet werden. Tun sich nun Familienverbände von etwa 50 bis 100 Familien zusammen und besetzen nicht bewirtschaftetes Land, kann der Enteignungsprozess eingeleitet werden. Er dauert in der Regel drei bis fünf Jahre. António Cleides Aufgabe ist es nun diesen Prozess zu begleiten und nach Möglichkeit zu beschleunigen. Derweil wohnen die Landbesetzer in selbstgebauten Hütten aus starken Ästen und Palmzweigen. Einmal im Monat werden Lebensmittel geliefert. Wasser gibt es aus einem zentral angelegten Brunnen. In der neuen Dorfgemeinschaft entstehen demokratische Strukturen. Ein Leitungsgremium wird gewählt.

Nach der erfolgten Enteignung erhalten die neuen Besitzer staatliche Kredite zur Bezahlung des Grundstücks, zum Hausbau, zur Beschaffung von Werkzeug, Gerätschaft und Tieren, für den Lebensunterhalt im ersten Jahr, zur Finanzierung von Schulungen. Diese Kredite müssen im Lauf von zwanzig Jahren zurückgezahlt werden. Erst dann wird der Kleinbauer als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Zum Häuserbau erhält die Dorfgemeinschaft Hilfe durch professionelle Maurer. Die Familien müssen aber selbst mit Hand anlegen.

Antonio begleitet mit seinen Leuten von der CPT in der Region Cajazeiras des Bundesstaates Paraíba die Aufbauarbeit und den Betrieb in den ersten Jahren durch Kurse und Einbindung in Netzwerke. 

Wichtige Arbeitsbereiche sind:   

Wasserwirtschaft (Bau und Betrieb von Zisternen, Wasserbecken und Tröpfchenleitungen für den Garten), Viehzucht, vor allem Ziegen, Bienenzucht, Samenbanken (Sämereien kommen von der dorfeigenen Samenbank. Nach der Ernte müssen 20% mehr abgegeben werden als man erhalten hat. Heranziehen von Pflanzen aller Art, ökologischer Anbau von Gemüse, Obst, Getreide, Heilpflanzen. Vermarktung - genossenschaftlicher Verkauf der Produkte in der Region, Essen und Gesundheit, Erziehung und Bildung der Kinder, religiöse Erziehung, a lternative Medikamente, Bibelarbeit, Arbeit mit dem Computer. 

Überzeugend legte legte António Cleide dar, wie es durch vielfältige Bemühungen gelingt, für Menschen auf dem Land, selbst im Sertão, eine gute Lebensgrundlage auf Dauer zu schaffen. Der Verein Campo Limpo in Puchheim wirkt dabei seit über zwanzig Jahren erfolgreich mit durch die Finanzierung von Kursen. 

Im Verlauf der Gesprächsrunde in Puchheim kam auch die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens insgesamt zur Sprache. Die industrielle Plantagenwirtschaft ist stark exportorientiert. Demgegenüber betonte Antonio die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Diese ernährt 70 % der Bevölkerung Brasiliens! 

Alois Mahl, Vorstandsmitglied von Campo Limpo.

Meistgelesen

Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
Linienbus in Vollbrand
Linienbus in Vollbrand
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Pre-Opening im Skyline Park: Dieses Wochenende!
Schüler präsentieren ihre Projekte
Schüler präsentieren ihre Projekte

Kommentare