Braucht die Natur die Gentechnik? Imker tagten mit Präsident des europäischen Berufsimkerbundes

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reitag, den 25.03.2011, sprach Walter Haefeker der Präsident des europäischen Berufsimkerbundes vor Imkern des Landkreises und Vertretern der Zivilcourage Fürstenfeldbruck zum Thema "Die Natur braucht keine Gentechnik". Bienen stehen an dritter Stelle in ihrer Bedeutung als Nutztiere für unsere Landwirtschaft. Im Gegensatz zu Rindern oder Schweinen können wir aber bei Ihnen keinen Einfluss auf ihr Futter nehmen. Ihr Fluggebiet zur Futtersuche umfasst mindestens 30 km2. Befinden sich gentechnisch veränderte Pflanzen darin, werden auch deren Pollen gesammelt. Honig, der Pollen dieser Pflanzen enthält, darf nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden, sondern muss vom Imker auf eigene Kosten vernichtet werden. Eindrucksvoll beschrieb Walter Haefeker den Fall des Imkers Karl Heinz Bablok, der wegen dieser Regelung vor dem Landgericht Augsburg gegen den Freistaat Bayern geklagt hat. In seinem Honig fanden sich Pollen der gentechnisch veränderten Maissorte MON 810 eines Versuchsfeldes der amerikanischen Firma Monsanto. Interessanterweise traten im Prozess Anwälte des Konzerns für den Freistaat Bayern auf. Die Behauptung des Unternehmens, Mais sei keine Pflanze, die von Bienen bei der Futtersuche angeflogen werde, wurde durch die im Honig nachgewiesenen Pollen widerlegt. Mittlerweile wird der Fall am Europäischen Gerichtshof verhandelt. Zudem schädigt das in MON 810 enthaltene sogenannte Bt-Toxin die Bienen nachweislich, indem es zu einer für sie lebensbedrohlichen Durchfallerkrankung führt, der Nosematose. Angesprochen wurde ebenfalls die Beize von Maissaatgut mit sogenannten Neonicotinoiden, die in der Landwirtschaft sowohl bei Mais gegen Schädlinge eingesetzt wird und bereits 2008 zu einem massiven Bienensterben geführt hat. Obwohl etwa 85 Prozent aller Erträge im Pflanzen- und Obstbau von der Bestäubungsleistung der Bienen abhängen, werden die Mahnungen der Imker von der Agrarpolitik nicht oder nur unzureichend gehört. Wenn Obst und Gemüse in ihrer ganzen Vielfalt auch künftig auf unserem Speiseplan stehen sollen, bedarf es mehr Schutzmaßnahmen zum Erhalt und zur Förderung unserer Bestäubungsinsekten.

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