Borkenkäfer-Schulung

Der Fichtenfeind fliegt wieder

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Die Larven fressen sich durch die Rinde und kappen so die Wasserversorgung der Fichten.

„Wenn das Thema nicht so ernst wäre, möchte man angesichts der sommerhaften Temperaturen in den letzten Wochen fast poetisch werden“, sagt Anita Ottmann vom Forstrevier Fürstenfeldbruck. Damit meint sie die perfekten Brutbedingungen des Borkenkäfers, der seine Larven vor allem unter die Fichtenrinde setzt und damit den Baum zum Tode verurteilt.

Landkreis – Ist ein Baum befallen muss schnell reagiert werden, da sonst ganze Waldstücke Opfer des Schädlings werden können. Ottmann appelliert an die Waldbesitzer.

Ideale Bedingungen für den Schädling

Bereits seit der zweiten Aprilwoche – und das ist zwei Wochen früher als normal – schwärmen die beiden Fichtenborkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher aus ihren Überwinterungsquartieren in Bäumen oder vom Boden aus und suchen sich bruttaugliche Stämme, das heißt Rinde, die noch frisch ist, um für Nachwuchs zu sorgen und ihre Eier abzulegen.

Am besten geeignet dafür sind vom Wind geworfene Bäume, die noch Wurzelkontakt mit dem Boden haben, deshalb langsam austrocknen und nicht mehr so widerstandsfähig sind wie stehende Bäume oder aber frisch gefälltes Holz, das am Waldrand lagert und auf Abholung wartet.

Die beiden Januarstürme „Burglind“ und „Friederike“ haben für weitere Windwürfe in diesem Jahr gesorgt. Diese sind zwar zum Großteil aufgearbeitet, aber gerade Einzel- und Nesterwürfe liegen mancherorts noch unentdeckt herum und bilden den Ausgangsort für ein neues Käfernest.

Rechtzeitig prüfen und handeln

K für „Käfer“: Ist der Baum markiert, bedeutet es, er wurde bereits vom Borkenkäfer befallen und nicht mehr zu retten. Waldbesitzer müssen dennoch handeln, um die Verbreitung zu unterbinden.

„Wenn man bedenkt, dass ein Käferweibchen 100 bis 150 Eier pro Vegetationsperiode legt und bereits zwei bis vier Wochen nach der ersten eine Geschwisterbrut angelegt wird, kann man sich ausmalen, wie verheerend so ein Käferbefall für einen nur aus Fichten bestehenden Wald sein kann“, schildert Ottmann. Deshalb sei es für jeden Waldbesitzer so wichtig, den ersten Befall in seinem Fichtenbestand zu entdecken und rechtzeitig, das bedeutet bevor die fertig entwickelten Käfer wieder ausfliegen, aufzuarbeiten und weit genug aus dem Wald zu bringen (mindestens 500 Meter) oder im schlimmsten Fall chemisch zu bekämpfen. Bis die Larven entwickelt sind und wieder ausschwärmen dauert es je nach Witterung sechs bis zehn Wochen. Heuer ist dies also schon Ende Mai möglich.

Auf braunes Bohrmehl achten

„Nutzen Sie also die schönen Tage und suchen Ihren Wald nach frisch befallenen Bäumen ab“, appelliert Ottmann an die Förster und privaten Waldbesitzer. Erkennbar ist der Befall am braunen Bohrmehl, das aussieht wie Schnupftabak und sich an den Wurzelanläufen oder hinter abstehenden Rindenschuppen verfängt. „Besonders gut zu finden ist es bei trockenem, windstillem Wetter“, gibt die Expertin als Tipp. Kontrollen seien in der Schwärmphase wöchentlich, danach vierzehntägig bis zum Ende des Käferflugs im Oktober notwendig.

„Alte Käferbäume, also solche bei denen die Rinde und die Nadeln schon abgefallen sind, bedeuten keine Gefahr mehr – im Gegenteil: sie können den Spechtarten als Höhlenbaum dienen, dafür fressen die Spechte wiederum viele Käferlarven“, informiert die Expertin.

Zwei Schulungs-Termine für Waldbesitzer

Für Waldbesitzer, die ihr Auge für das rechtzeitige Finden der Käferbäume trainieren wollen und alles rund um den Käfer erfahren möchten, bietet das Forstamt zwei Schulungen im Landkreis Fürstenfeldbruck an.

Sie finden statt am Donnerstag, 17. Mai, um 17.30 Uhr in der Emmeringer Leite, Treffpunkt Tonwerk sowie am Freitag, 1. Juni, um 14 Uhr bei Jesenwang, Treffpunkt ist die Wallfahrtskirche St. Willibald (Ortsausgang Jesenwang in Richtung Fürstenfeldbruck).

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