Anfangs eine Herausforderung

"Neue Normalität": Klinikum gibt Zwischenbilanz über Corona-Pandemie im Landkreis

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Informierten zum aktuellen Stand der Corona-Pandemie im Landkreis (von links): Pflegedirektor Wilhelm Huber, Ärztlicher Direktor Florian Weis, Klinik-Vorstand Alfons Groitl und Landrat Thomas Karmasin.

Landkreis - Engpässe bei Schutzkleidung sowie Desinfektionsmittel, Schließungen von Stationen, neue Schichtpläne, Mitarbeiterausfälle und spezielle Schulungen – die Corona-Pandemie war anfänglich eine Herausforderung für das Klinikum Fürstenfeldbruck. Mittlerweile sind die neuen Rahmenbedingungen und Abläufe zur „neuen Normalität“ geworden. Eine Art Zwischenbilanz lautet: „Wir haben die Welle gut überstanden“, wie es Klinik-Vorstand Alfons Groitl bei einer Pressekonferenz nannte.

Aktuell befindet sich kein Corona-Infizierter im Klinikum. Das war nicht immer so: Am 15. März kam der erste Covid-19-Patient ins Brucker Klinikum, es sollten bis zum 23. Mai insgesamt 96 Patienten werden. Seither kam kein neuer dazu. 34 Corona-Patienten zur gleichen Zeit, von denen elf beatmet werden mussten, war bisher die Höchstbelegung für das Krankenhaus. „Anfang und Mitte April verzeichneten wir die meisten Patienten mit Corona“, teilte Groitl mit. 

16 Personen mit Covid-19 Befund im Klinikum gestorben

17 von den 96 Patienten mussten auf der Intensivstation versorgt werden, 16 starben im Klinikum mit der Krankheit – so lautet die Statistik. „Die verstorbenen Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 77 Jahren und wiesen durchschnittlich vier Vorerkrankungen auf“, erzählte der Ärztliche Direktor Florian Weis und betont, dass sich die Zahlen mit dem bundesweiten Durchschnitt decken würden. Das Klinikum habe schon früh mit Verantwortlichen des Klinikums einen Krisenstab zur Pandemie eingerichtet, der sich täglich traf und mehrmals täglich im Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Landratsamtes stand. „Wir führten auch sehr früh eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht für unsere Mitarbeiter sowie für die Besucher ein“, erzählte Pflegedirektor Wilhelm Huber. Denn es galt nicht nur die Aufnahmekapazität aufrecht zu erhalten, sondern auch die Ausbreitung des Virus innerhalb der Klinik selbst zu verhindern und so auch die Angestellten zu schützen. „Das war nur möglich, durch die vielen, freiwilligen, selbst genähten Alltags-Masken sowie Gesichtsschilder, die an uns gespendet wurden. An dieser Stelle ein großer Dank“, lässt Huber ausrichten. 

Klinikmitarbeiter oft getestet und Eingriffe abgesagt oder verschoben

„Es wurden 391 Klinik-Mitarbeiter, teilweise mehrmals, aufgrund der Kontaktketten getestet“, berichtet Alfons Groitl. Zudem mussten sie Temperatur-Tagebuch führen. Mit 19 infizierten Mitarbeitern, von denen ein Pfleger einen schweren Krankheitsverlauf hatte, sei das Klinikum laut Groitl relativ gut weggekommen. „Trotzdem gab es Personalausfälle, da sich Mitarbeiter auch ohne Erkrankung in Quarantäne begeben mussten“, berichtet der Klinik-Vorstand. Die vielfältigen Maßnahmen zu Beginn der Pandemie haben den Klinikalltag komplett geändert. Seitdem steht alles im Zeichen von Corona. So musste das Haus beispielsweise auf Anweisung des Katastrophenschutzes freigeräumt werden. Damit durften nur noch Notfälle behandelt werden. Verschiebbare Eingriffe wurden abgesagt. Zudem wurde eine Station geschlossen und die Pflegekräfte zur Verstärkung auf andere verteilt. „Natürlich werden Covid-19-Fälle und Verdachtsfälle von Notfallpatienten getrennt versorgt und untergebracht“, beschreibt Groitl weiter. 

Schwere Fälle mit Herzinfarkt und Schlaganfall steigen

Damit dies alles funktionierte, mussten Dienstpläne umgeschrieben, Personal geschult und Schutzkleidung sowie Desinfektionsmittel beschafft werden. Vor allem letzteres war in der Anfangsphase eine Herausforderung. Die knappen Ressourcen zwangen täglich den Bestand zu prüfen und Desinfektionsmittel zu rationieren. „Es war schwierig, jedoch war die Versorgung der Mitarbeiter jederzeit gewährleistet“, versichert Huber. Nun gehe es mit einer neuen Normalität weiter. „Die Corona-Thematik zwingt uns, anders weiter zu machen. Solange es keinen Impfstoff gibt, werden wir uns damit beschäftigen müssen“, kündigt Groitl an. Darunter fallen die eingeschränkten Besuchszeiten, die Pflicht für alle einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und die Unterscheidung der Patienten von Corona-positiven und -negativen. „Alle Patienten werden getestet, wer negativ ist, wird auf eine andere Station verlegt“, erläutert der Klinik-Vorstand. Alle Patienten, bei denen von Anfang an ein Corona-Verdacht besteht, werden auf eine gesonderte Station gebracht. Patienten müssten sich demnach darauf einstellen, während ihres Aufenthaltes öfter „rumgeschoben zu werden“. Was dem Klinik-Vorstand auffällt: „Die schweren Fälle steigen. Vor allem Patienten mit Schlaganfall oder einem Herzinfarkt sind nun stärker krank als vorher. “ Hier wäre es besser gewesen, sie hätten das Krankenhaus früher aufgesucht. Corona habe also viele von einem Klinikbesuch abgehalten. 

Miriam Kohr

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