Brucker Martin Hößl berichtet über Weihnachtsaktion des Vereins "Hoffnung" in Rumänien

"Kinderaugen strahlen sehen"

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Martin Hößl in einem der voll beladenen Lkw.

Es ist kalt draußen, der Schal wird enger um den Hals und die Mütze tiefer ins Gesicht gezogen. Wachsam müssen die Augen sein, denn die Anreise ist lang und streckenweise sehr beschwerlich. Die Straßenverhältnisse in Rumänien sind nicht einfach und hinzu kommen die unbeleuchteten Pferdekutschen. Jedes Jahr um die Weihnachtszeit nimmt der Brucker Martin Hößl mit einem Team von ehrenamtlichen Helfern diesen langen Weg auf sich, um Familien in Rumänien zu unterstützen und auch, um zu realisieren, dass die eigenen Probleme und der Stress des Alltags manchmal nichtig sind, wenn er in die strahlenden Kinderaugen sieht, die ihre Weihnachtspakete auspacken. In einem Gespräch mit dem Germeringer Anzeiger berichtet er von der jährlich wiederkehrenden Weihnachtsaktion und der Hauptaktion, bei der sein Verein „Hoffnung für eine neue Generation“ 44 Kindergärten in Rumänien unterstützt.

Fürstenfeldbruck/Olching - Die Frage, ob man helfen kann stellte sich für Martin Hößl nie, eher wo, als er vor 16 Jahren Teil des Vereins „Hoffnung“ wurde. Seit 2002 ist er auch in Rumänien vor Ort mit dabei und seit elf Jahren hat er das Amt des zweiten Vorstands inne. Die Weihnachtsaktion, bei der der Verein Pakete für bedürftige Kinder in Rumänien sammelt, hat im Laufe der Jahre einen großen Teil der Arbeit rund um die Hauptaktion des Vereins eingenommen. „Hoffnung“ unterstützt derzeit 44 Kindergärten in Rumänien – mit über 2.000 Kindern. Ziel ist es, so sagt Hößl, den Kindern Werte zu vermitteln und sie auf das Leben in Rumänien vorzubereiten. Für ihn ist es elementar wichtig ihnen beizubringen, dass es ausschlaggebend ist, einen Unterschied im eigenen Land zu machen. Durch Bildung und Hilfsbereitschaft – ganz nach dem Prinzip der Starke hilft dem Schwachen, nicht danach zu streben ins Ausland wie nach Deutschland zu gehen, sondern in Rumänien zu bleiben und ihr Land wieder aufzubauen: „Nicht durch Korruption und Egoismus, sondern durch Ehrbarkeit und ein Miteinander.“ 

Sammelaktionen im Herbst

Jedes Jahr am Wochenende nach den Herbstferien beginnen Hößl und sein Helferteam mit der Spendensammlung. Gepackt werden sollen Weihnachtspakete mit Spielsachen, Kleidung und auch haltbaren Lebensmitteln – am besten so gekennzeichnet, dass zu erkennen ist, ob das Geschenk für einen Jungen oder ein Mädchen gedacht ist. Dann werden die riesigen Lkw voll beladen. „Etwa 25 Tonnen passen da rein und wir nutzen wirklich jeden Zentimeter aus“, erzählt Hößl. Mittlerweile gibt es zwei Touren, die nach Rumänien führen. Jeweils zwei Lkw und ein Begleitfahrzeug machen sich dann Ende November oder Anfang Dezember auf eine lange Reise – einmal in den Norden Rumäniens und einmal in die zentrale Region. Hößl begleitete wie in den letzten Jahren auch heuer die Nordtour über die Karpaten: eine Fahrtstrecke von 3.250 Kilometern, eine Anreise von etwa einem Tag und einem Aufenthalt vor Ort von einer Woche. Die beiden Touren finanzieren sich hauptsächlich über Spendeneinnahmen. „Und es steckt eine enorme administrative Arbeit dahinter“, sagt Hößl. Die Wagen dürfen nicht überladen werden, vorher muss je nach Reiseroute genau geplant werden wie jeder einzelne Lkw beladen und dann später wieder ausgeladen werden muss. Insgesamt seien 100 Ehrenamtliche in den ganzen Prozess von der Sammlung der Pakete bis zum Verteilen in Rumänien involviert. 

Sammelstellen in Gilching und Olching

Hößl koordiniert dabei die beiden Sammelstellen in Gilching und in Olching. „Da überlegt man sich vorher gut, was man alles mitnimmt“, sagt er mit einem Schmunzeln und erzählt die Geschichte von einer Nähmaschine – eine Spende aus Mammendorf. Am Anfang wollte er das sperrige alte Ding gar nicht erst mitnehmen. Der Lkw war bereits voll beladen, aber irgendetwas sagte ihm „nimm sie trotzdem mit“. Kurzerhand organisierte er einen Anhänger und die Nähmaschine wurde auf eine weite Reise nach Rumänien geschickt – noch ohne Plan was mit ihr geschehen sollte. Ganz weit auf dem Land draußen, berichtet Hößl weiter, traf er dann auf ein 15-jähriges Mädchen, das gerne nähte. Für ihn ein Wink des Schicksal. Eine alte Nähmaschine, die in vielen Augen auf den Wertstoffhof gehörte war der größte Wunsch dieses Mädchens und dieser erfüllte sich nun. Nur ein Höhepunkt für Hößl. Grundsätzlich werden die Spenden von Kleintransportern angeliefert, da aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht alle Abladestellen direkt angefahren werden können. Am vierten Tag fuhren die Helfer nach Zamostea in das dortige Kulturhaus. Der Bürgermeister sucht mit seinen Sozialarbeitern und dem örtlichen Pfarrer jedes Jahr 100 bedürftige Familien aus, die mit Ihrer Einladung Lebensmittel, 25 Kilogramm Kartoffelsäcke, und Weihnachtspakete überreicht bekamen. Ein alter Mann konnte mit einer gespendeten Brille endlich wieder lesen. Manchmal reagiert die Gruppe auch sehr spontan: Am Ende der gelungenen Aktion erzählte eine rumänische Helferin von einer Frau mit drei kleinen Kindern, deren Mann am Tag zuvor verstorben war. So packten sie einige Pakete, Lebensmittel und Kleider zusammen und fuhren sofort dorthin. „In einer Stunde größter Not kamen wir mit so wichtigen Grundnahrungsmitteln und konnten für einige Wochen die Not lindern. 

An Weihnachten auch an andere denken

Das ist für uns Weihnachten: An Andere denken, die weniger haben, sie zu beschenken ohne Absicht auf ein berechnendes Zurückbekommen“, so Hößl. Der Blick in die vielen glücklichen Gesichter, das beeindrucke ihn jedes Mal aufs Neue und hinterlässt auch nach den vielen Jahren immer noch Spuren bei ihm. Das Erlebte einfach abschütteln und weiter im Alltag zu agieren, als ob nichts wäre, das könne er nicht. Die Schicksale bewegen ihn und oft sieht er die Fortschritte und realisiert: „Man kann etwas verändern. Gerade bei den Kleinen ist es wichtig ihnen zu zeigen was gute Bildung bedeutet, sie aufs Leben vorzubereiten.“ Mitleid bringe da keinem etwas, aber Hilfe zur Selbsthilfe. Martin Hößl hat selbst drei Kinder und engagiert sich zudem in der Freien Kirche XHope, in der er am 27. Januar um 12 Uhr über die Touren nach Rumänien berichten wird. „Die Menschen sollen sehen, was mit ihrer Spende passiert, wo das Geld und die Weihnachtsgeschenke hinkommen und das etwas damit bewirkt wurde“, erklärt Hößl abschließend. Deswegen wird es die Weihnachtsaktion auch im nächsten Jahr wieder geben. 

Spenden an: Verein Hoffnung e.V. Kreissparkasse Waiblingen IBAN DE48 6025 0010 0006 0076 67 BIC SOLADES1WBN

Claudia Becker

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