Mahnwache vor Brucker Amtsgericht

Ehemaliger Brucker Schlachthof-Mitarbeiter zu Geldstrafe verurteilt - weiterer freigesprochen

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Mit einer Mahnwache vor dem Brucker Amtsgericht machten Aktivisten des Vereins Soko Tierschutz auf die Tierquälereivorwürfe im Schlachthof aufmerksam – während drinnen der Prozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter lief.

Ein Schaf verkeilt sich auf dem Weg zur Betäubungsbox zwischen zwei Metallgittern. Während einer der Mitarbeiter den Kopf des Tieres mit einem Fußtritt nach unten drückt, zieht sein Kollege am Hinterteil – nur eine von vielen heimlich aufgenommenen Szenen aus dem Schlachthof Fürstenfeldbruck. Der Verein Soko Tierschutz, Urheber der Aufnahmen, hatte Anzeige wegen des Verstoßes nach dem Tierschutzgesetz erstattet. Im Fürstenfeldbrucker Amtsgericht fand nun der Prozess gegen zwei ehemalige Schlachthofmitarbeiter statt.

Fürstenfeldbruck - Betriebsstopp, Entlassungen und Ermittlungen – zwei Jahre ist es her, als aus dem „Erfolgsmodell Schlachthof“ über Nacht der „Skandal-Schlachthof“ wurde, nachdem der Verein Soko Tierschutz heimlich gedrehte Aufnahmen aus dem Inneren veröffentlichte und bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Anzeige erstattete. 

"Den Todeskampf beenden. Schlachthäuser schließen"

Auch beim Gerichtsprozess gegen zwei ehemalige Mitarbeiter am 13. September sind Mitglieder des Vereins mit einer Mahnwache vor Ort. Denn nachdem der Schlachthof im Frühjahr letzten Jahres wieder eröffnete – nach baulichen Veränderungen und unter neuem Geschäftsführer sowie Team – darf wieder geschlachtet werden. „Den Todeskampf beenden. Schlachthäuser schließen“ steht beispielsweise auf einem Transparent. 

Anklagen gegen Tierarzt fallen gelassen

Im Gericht werden die beiden Mitarbeiter, anders als ein dritter – er akzeptierte den Strafbefehl in Höhe von 6.300 Euro – wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt. Das Verfahren gegen einen damals zuständigen Amtstierarzt wurde eingestellt. Die übrigen beiden hatten Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, weshalb es nun zum öffentlichen Prozess kam. 

Vorwurf: Tieren länger anhaltende Schmerzen bereitet zu haben

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, einem Rind, einem Schaf sowie mehreren Schweinen länger anhaltende Schmerzen zugefügt zu haben. Konkret soll ein 27-jähriger Metzger aus dem Landkreis mehrere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz begangen haben. So soll er beispielsweise einem Rind, das sich weigerte vorwärts zu laufen, den Schwanz um 180 Grad verdreht haben, über Schweine geklettert sein und sich auf sie gestützt haben sowie einen unpräzisen Fehlschuss mit dem Bolzen zum Betäuben abgegeben haben – diesen Vorwurf bestreitet er jedoch.

27-Jähriger will Schlachtschein abgeben

„Es tut mir Leid“, erklärt der Angeklagte zu Beginn. Er bedauere, dass er dem Rind den Schwanz verdreht habe und hätte bei den Schweinen und dem Schaf – er zog am Hinterteil, obwohl es im Gitter festhing – unachtsam und intuitiv gehandelt. Dass dieses falsche Verhalten Schmerzen für die Vierbeiner bedeutete, bestätigte der Gutachter vom Landesamt für Lebensmittelsicherheit. „Die Männer haben den Tieren Schmerzen zugefügt. Das hat ihnen zugesetzt und sie belastet“, bestätigte er die Anklage. Besonders schlimm sei, dass Rinder und Schweine zu den „Stillen Duldern“ gehören und sie daher ihre Schmerzen nicht öffentlich zeigen würden. Doch auch beim Metzger scheinen die Vorfälle nicht spurlos vorbei gegangen zu sein. „Ich will meinen Schlachtschein abgeben“, erklärt der 27-Jährige, der mittlerweile nicht mehr in der Schlachtung tätig ist. 

Zweiter Angeklagter wird freigesprochen

Nachdem Richter Johann Steigmayer die Videoaufnahmen durchsieht, steht vor allem die Frage im Raum, wer noch alles dabei war und unter anderem den Prozess durch lautes Klatschen unterstützte. Da es sich hierbei, wie ein Zeuge zuvor erkannt haben wollte, nicht um den Mitangeklagten handelte, wird der Verdacht gegen diesen fallen gelassen. Der Mann wird freigesprochen. Doch auch die geladenen fünf Zeugen können dem Richter nicht helfen. Nicht nur weil die Aufnahmen auf dem Laptop scheinbar von minderer Qualität sind, sondern auch weil keiner Vermutungen über die dort zu sehende Person anstellen kann. 

27-Jähriger zu Geldstrafe in Höhe von 2.100 Euro verurteilt

Die Staatsanwältin stellt in ihrem Plädoyer klar, dass es weitere Ermittlungen geben werde, zu der Person, die dort noch zu sehen ist. Weiter sieht sie die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bestätigt. Sie rechnete dem Angeklagten positiv an, dass er nicht mehr im Schlachtbetrieb arbeite und auch keine Voreintragungen habe. Negativ fiel allerdings ins Gewicht, dass es sich um mehrere Taten über einen längeren Zeitraum handle. Von einem Tierumgangsverbot sehe sie vorerst ab. Richter Steigmayer betonte, dass es sich hierbei nicht um einen typischen Fall von Tierquälerei handle. Allerdings hätte der berufsmäßige Umgang mit Tieren beim Angeklagten dazu geführt, dass er vergessen habe, dass es sich um lebendige Wesen handle, die Angst und Schmerz empfinden. Der Angeklagte nahm daher die Schmerzen billigend in Kauf, weshalb ihn der Richter zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 35 Euro verurteilte. 

Hamann

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