Geschlachtet wird wie immer

Brucker Schlachthof sieht sich während Pandemie gut aufgestellt

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Die drei Geschäftsführer des Brucker Schlachthofs Hasenheide (von links) Herrmann Eberle, Bernhard Huber und Engelbert Jais vor der Corona-Krise.

Einige Schlachthöfe, vornehmlich große mit über 100 Beschäftigten, gerieten in den vergangenen Wochen schwer in die Kritik, nachdem Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Als Hauptursache wurden dabei allerdings in erster Linie die beengten Wohnverhältnisse in den Sammelunterkünften der meist osteuropäischen Arbeiter ausgemacht. Beim Schlachthof Hasenheide GmbH & Co. KG Am Kugelfang 3 kennt man diese Probleme Gottseidank nicht.

„Wir beschäftigen zwar zwei Mitarbeiter aus Osteuropa“, klärt einer der drei Geschäftsführer Engelbert Jais aus Luttenwang auf, „aber die leben nicht in solchen Wohnheimen, sondern ganz normal wie alle anderen mit ihren Familien in Wohnungen.“ Das könne man also nicht vergleichen mit den Zuständen, wie sie bei den Schlachthof-Beschäftigten beispielsweise in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg vorgefunden wurden. „Auch arbeiten bei uns nicht 100 oder mehr Personen, sondern gerade einmal zehn. Das ist also nicht vergleichbar mit der Situation, wie sie bei diesen großen Industriebetrieben vorherrscht.“ 

Engelbert Jais: "Hygienevorschriften gelten in unserem Handwerk auch in normalen Zeiten"

Im Übrigen erledigen weitgehend Metzger aus der Region die Arbeiten. Darunter befinden sich auch die Söhne von Engelbert Jais sowie der beiden anderen Geschäftsführer Bernhard Huber aus Jesenwang und Hermann Eberle aus Karlsfeld. „Wir sind dagegen also ein echt kleiner Schlachthof“, meint Jais. Im Schlachthof Hasenheide werden etwa 100 Schweine, bis zu 20 Rinder und etliche Schafe pro Woche geschlachtet. Jais, auch Obermeister der Metzgerinnung Fürstenfeldbruck, ist mit dem Ablauf im Betrieb sehr zufrieden. Auf den Skandal 2017, als der Schlachthof wegen Tierquälerei dicht gemacht wurde, will Jais nicht mehr groß eingehen. Das Personal von damals ist nicht mehr da, und die hygienischen und tierschutzrechtlichen Auflagen wurden mit einem aufwendigen Umbau erfüllt. „Wir haben damals viele Kunden verloren, aber zwei Jahre nach der Wiedereröffnung schreibt der Schlachthof wieder schwarze Zahlen. Wir haben zwar nicht die Umsatzzahlen von damals, das ist aber auch gut so, denn wir wollen nicht mehr diesen Stress.“ Die Arbeit im Brucker Schlachthof laufe fast normal ab, schildert Jais die Lage im Betrieb. „Metzger waschen sich ohnehin hundertmal am Tag die Hände. Und besondere Hygienevorschriften gelten in unserem Handwerk auch in normalen Zeiten, nicht nur jetzt, in der Corona-Krise“, sagt er. „Jetzt kommt halt erschwerend noch der Mundschutz dazu. Wo meine Leute aus arbeitstechnischen Gründen den Mindestabstand nicht einhalten können, tragen sie den Mundschutz.“ Das gelte auch für den Bereich, wo die Bauern ihre Tiere anliefern. Natürlich sorge er sich um die Gesundheit seiner Mitarbeiter, die in ihrem Job mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Und deshalb erinnert er seine Leute auch stets daran, auch in der Freizeit die Regeln und den Abstand einzuhalten, um Infektionen zu vermeiden. „Nicht auszudenken, wenn wir schließen müssten, weil sich jemand infiziert hat“, meint Jais. 

Anders als in anderem Handwerk ist der Absatz um 20 Prozent gestiegen

Am 15. Mai erfolgte dann der fast schon erwartete Anruf vom Brucker Gesundheitsamt. Alle Mitarbeiter des Schlachthofs müssen zum Corona-Test. „Eine Vorsorgemaßnahme“, sagt Jais. „Ich gehe nicht davon aus, dass jemand positiv getestet wird. Sollte es tatsächlich aber sein, wäre das fatal für den Schlachthof. Dann sperren sie uns den Laden zu.“ In diesem Fall würde Jais den Betriebsurlaub, der im August ansteht, vorziehen. Insgesamt habe sich die Corona-Pandemie auf das Metzger-Handwerk so gut wie überhaupt nicht ausgewirkt. „Im Gegenteil, der Absatz ist bei uns stark gestiegen, fast um 20 Prozent. Die heimischen Metzgereien erleben einen Boom. Viele Menschen sind daheim in diesen Zeiten und wollen etwas Gutes auf den Tisch. Allerdings haben die Kollegen, die sich auf Schulverpflegung, Gastronomie und Partyservice spezialisiert haben, große Einbußen.“

Dieter Metzler

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