Stadtrat spricht sich gegen Umbenennung aus

Straßennamen bleiben

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Der Namensgeber der Wernher-von-Braun-Straße war eben nicht nur Weltraumpionier sondern auch SS-Offizier und Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde.

Eine zweidrittel Mehrheit im Stadtrat hat sich für die Beibehaltung von NS-belasteten Straßennamen ausgesprochen. Auf Hinweistafeln soll jedoch deren Vergangenheit kritisch erläutert werden. Hierfür wird ein Historiker zurate gezogen, der Textvorschläge erarbeiten soll

Fürstenfeldbruck - Seit Jahren beschäftigt das Thema Politik und Bürger gleichermaßen. Von ursprünglich zehn Straßennamen, hinter denen Persönlichkeiten stecken, die rassistisches Gedankengut verbreitet haben oder in NS-Verbrechen verstrickt waren und nach dem Willen des Arbeitskreises „Straßennamen“ ursprünglich umbenannt werden sollten, blieben acht übrig, über die der Stadtrat nun abschließend zu entscheiden hatte. 

Straßennamen als Dokumente der Zeitgeschichte?

Konkret ging es um die Wernher-von-Braun-Straße, die Hindenburgstraße und die Langbehnstraße in Puch sowie fünf weitere Straßen in der Nähe des Fliegerhorsts, die nach Wehrmachtsangehörigen benannt sind. Darüber, dass man die Straßen heutzutage so nicht mehr benennen würde, herrschte im Plenum zwar fraktionsübergreifend Einigkeit, aber wie damit umgehen? Andreas Lohde etwa ist „überzeugt, dass Straßennamen, Denkmäler und Ähnliches, die man heute so nicht mehr errichten würde, Dokumente der Zeitgeschichte sind.“ Er plädierte dafür, grundsätzlich keine Umbenennung vorzunehmen, sondern die Straßennamen mit erläuternden Ergänzungsschildern zu versehen. „Dadurch wird deutlich, dass wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende. 

Philipp Heimerl (SPD): Umbennenung ohne Wenn und Aber

„Straßen sind kein Freiluftmuseum“, entgegnete Philipp Heimerl (SPD). Zwischen Straßen und Denkmälern müsse man unterscheiden. Er sprach sich wie die gesamte SPD-Fraktion „für eine Umbenennung ohne Wenn und Aber“ aus. Für ihn käme eine Beibehaltung der Straßennamen einer Ehrung der Namensgeber „und ihrer Geisteshaltung“ gleich. Auch Rolf Eissele, der neben Markus Droth als einziger aus der CSU-Fraktion für eine Umbenennung stimmte, schloss sich dieser Argumentation an. „Entweder man hat den Mut und benennt eine Straße um oder man lässt es. Natürlich war Wernher von Braun ein begnadeter Wissenschaftler, aber er war auch Mitglied der SS. Der wusste was ablief.“ Wie Eissele will auch Christian Stangl (Grüne) „einen Schlussstrich ziehen. Mit einer schlichten Tafel ist es nicht getan.“ 

Ehrung bleibt Ehrung

Eine Ehrung bleibt eine Ehrung“, ergänzte Fraktionskollege Jan Halbauer. Um Geschichte nicht zu vergessen, brauche es keine Straßennamen, denn „sonst bräuchten wir auch wieder Adolf-Hitler-Plätze.“ Die Rednerliste war lang, nahezu jedes Stadtratsmitglied wollte sich und seine Entscheidung während der zweistündigen Debatte erklären. Alexa Zierl (Die Partei & Frei) will auch „die Straßennamen nicht mehr in unserem Stadtbild sehen“, brachte jedoch noch eine dritte Variante ins Spiel: Man können nach einer Umbenennung mit einem Zusatzschild darauf hinweisen, dass es sich hier beispielsweise um die ehemalige Wernhervon-Braun-Straße handelte. 

Deutliche Mehrheit stimmt gegen Umbenennung und für das Anbringen von Hinweistafeln

Und Dieter Kreis (ÖDP), der sich für die Beibehaltung der belasteten Namen aussprach, forderte, diese wie in Wien mit großen Informationstafeln zu ergänzen. Zudem möchte er ein pädagogisches und künstlerisches Konzept dagegensetzen. So kann er sich spezielle Stadtführungen vorstellen, die sich aktiv mit der Geschichte auseinandersetzen. Fraktionszwang bestand keiner und jedes Stadtratsmitglied war nur sich und seinem Gewissen verpflichtet. Am Ende entschied sich eine deutliche 25:13 Mehrheit gegen eine Umbenennung der Straßennamen und für das Anbringen erläuternder Hinweistafeln. Wie letztendlich diese Zusatztafeln aussehen und was genau dort zu lesen ist bleibt abzuwarten. 

Peter Fischer

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