Brucker SPD lud zum Thema Fürstenfeldbruck in der NS-Zeit mit Historiker Dr. Gerhard Neumeier ein

Brucks Kulturreferentin Brigitta Klemenz (CSU), Stadtarchivar und Historiker Dr. Gerhard Neumeier und der Mit-Herausgeber des Buches Prof. Dr. Ferdinand Kramer. Fotos: Dieter Metzler

Großes Interesse fand bei der Brucker Bevölkerung, vornehmlich den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Vortrag von Stadtarchivar Dr. Gerhard Neumeier. Auf Einladung der Brucker SPD referierte der Historiker am 8. September im Veranstaltungsforum Fürstenfeld über das Thema „Fürstenfeldbruck in der NS-Zeit – eine Kleinstadt bei München in den Jahren von 1933 bis 1945“. In Anlehnung an das erst im vergangenen Jahr von Prof. Dr. Ferdinand Kramer und Dr. Ellen Latzin von der Ludwig-Maximilians-Universität München herausgegebenen Buch über die NS-Zeit in Bruck stellte Dr. Neumeier die poltische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung in der damaligen Kleinstadt dar.

Aufgrund der katholischen Prägung des Marktes Fürstenfeldbruck war die Bayerische Volkspartei (BVP) während der Weimarer Republik die stärkste Partei, berichtete der Historiker. Doch schon bei den Reichstagswahlen 1930 lag die NSDAP mit 22,1 Prozent in Fürstenfeldbruck über dem bayerischen Durchschnitt (17,9 %). Drei Jahre später waren es bereits 33 Prozent und die lokale „Machtergreifung“ vollzog sich in Bruck in rasanter Geschwindigkeit. Der Markt blieb in der Folgezeit genauso wenig von den nationalsozialistischen Aufmärschen und öffentlichen Machtdemonstrationen verschont wie anderenorts. Auch in Bruck wehten neben der Schwarz-Weiß-Roten und der weiß-blauen Flagge die Hakenkreuzfahnen. Zum neuen Bürgermeister wurde der NSDAP-Ortsgruppenleiter Adolf Schorer gewählt, der sich in der Stichwahl gegen Anton Uhl (BVP) durchsetzte. Der neue Bürgermeister war in Bruck zuvor weitgehend unbekannt, galt aber bei der NSDAP als herausragender kommunaler Amtsinhaber. Der ehemalige Telefonist lebte hauptsächlich von der Pension als Schwerkriegsversehrter. Mit Michael Härtl wurde ein weiterer NSDAP-Getreuer zum zweiten Bürgermeister gewählt. Nach Auflösung der demokratischen Parteien schieden die BVP-Vertreter freiwillig aus dem Gemeinderat aus, die der SPD wurden zwangsweise ausgeschlossen, so dass der Brucker Gemeinderat nur noch aus NSDAP- Vertretern und Dr. Carl Reiser von der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot bestand. Während der Nazi-Jahre traten 1339 Brucker Bürger in die NSDAP ein. Neben der politischen Entwicklung stellte Dr. Neumeier u.a. auch das Verhältnis der Kommune und dem Fliegerhorst, der in den Jahren 1935/36 gebaut wurde, dar. Die Stadt erbrachte großzügige Leistungen für den Bau. Beispielsweise gewährte sie für das Gelände der Offizier- und Beamtensiedlung einen Preisnachlass von 20.000 Reichsmark (RM), und steuerte 17.000 RM für die Elektrizität- und Wasserversorgung bei. Die Bevölkerung fühlte sich hingegen durch hemmungsloses Treiben von Unteroffizieren der Luftkriegsschule häufig belästigt. So bedrohte gar ein Feldwebel Josef Brameshuber mit dem Seitengewehr, als der Cafehausbesitzer den Betrunkenen aufforderte, das Cafe zu verlassen. Die Gendarmerieschule, die 1924 von München nach Bruck verlegt worden war, bekannte sich demonstrativ zum Nationalsozialismus. Von 600 Polizeischülern versammelten sich über 300 am 11. April 1933 mit roten Hakenkreuzbinden mit der örtlichen SA und NSDAP-Mitgliedern zu einem Kameradschaftsabend. Am 29. April waren bereits 157 Schüler NSDAP-Mitglieder, so dass die Schule zu einem eigenen Stützpunkt der Partei erklärt wurde. Bei der Schlussfeier am 19. Juli 1935 hielt der Landeskommandeur der Gendarmerie in Bayern, Oberst Rauner, eine Rede, in der er u. a. formulierte: „ Ihr habt diejenigen zu erschlagen, die wie Mäuse an der Wurzel des Staates nagen wollen.“ Ähnlich wie beim Fliegerhorst war auch das Verhältnis zwischen Polizeischule und Bevölkerung nicht spannungsfrei. Über die Zeit der Kriegsjahre in Fürstenfeldbruck schilderte der Historiker die Stimmung in der Bevölkerung, stellte die Versorgungslage und die Flüchtlingssituation dar. Auch ging er auf das Verhältnis der Kirche und das Schulwesen in dieser Zeit ein. So drückten vor allem die Versorgungsmängel bereits 1941 trotz aller nationalsozialistischer „Endsieg“-Propaganda die Stimmung in Bruck und die Bevorzugung des Fliegerhorstes bei der Versorgung sorgte gar für böses Blut. Nach der Katastrophe von Stalingrad und den Rückschlägen in Afrika und im Kaukasus war die Stimmung auf dem Nullpunkt. Spätestens im November 1944 glaubte der Großteil der Bevölkerung endgültig nicht mehr an einen „Endsieg“.

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