Erfahrungsbericht aus dem Land der Vulkane und der heißen Quellen

Island als neue Heimat

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Kathrin Schmitt, ehemalige Trainerin der Voltigiergruppe des Reitclubs in Fürstenfeldbruck in ihrer neuen Heimat Island. 

Fürstenfeldbruck – Kathrin Schmitt, ehemalige Trainerin der Voltigiergruppe im Reitclub Fürstenfeldbruck, ist vor sieben Jahren nach Island ausgewandert. Sie heiratete einen Schafzüchter und ist inzwischen Mutter von zwei Kindern. Im Juli wird sie mit ihrer in Island neu aufgebauten Voltigier-Gruppe nach Fürstenfeldbruck kommen. 

Frau Schmitt (in Island behält die Ehefrau ihren Mädchennamen) - vor einigen Jahren sind Sie als ehemalige Trainerin der Voltigier-Gruppe des Reitclubs Fürstenfeldbruck ihrem Ehemann in seine Heimat Island gefolgt und haben nun zwei Kinder. Wie lange hat es gedauert, bis Sie die neue Sprache beherrschten?

Kathrin Schmitt: "Ich spreche die isländische Sprache ganz gut, aber bei weitem nicht perfekt und wage zu bezweifeln, ob das jemals ein Ausländer können wird. Es hat jetzt einige - nämlich sieben Jahre - gedauert und ich lerne nach wie vor, allerdings nur durch Kommunikation, ich war nie in einem Kurs  oder in einer Schule.

Vulkane und heiße Quellen spielen eine große Rolle in Island. Kann man das ganze Jahr über in diesen schwefelhaltigen Quellen, die zwischen 20 und 60 Grad heiß sein können, baden? Trifft man sich hier mit Freunden und der Familie? 

Kathrin Schmitt: In den Quellen kann man das ganze Jahr über sitzen, die Frage ist nur, ob man das bei Schneesturmtagen im Winter unbedingt will. Bei uns hier gibt es keine Quellen direkt ums Eck, aber dafür wie in jedem dritten Seelen-Dorf ein großes Schwimmbad, und das ist Treffpunkt für Jung und Alt, Isländer baden und schwimmen ausgiebig. 

Was sollte man auf jeden Fall ansehen, wenn man Island bereist?

Kathrin Schmitt: Hier ist eigentlich von der ersten Sekunde bei der Ankunft am Flughafen bis zur letzten Sekunde einer Reise alles sehenswert. Am meisten beeindruckt mich die grenzenlose Weite, soweit das Auge reicht, und im Kontrast dazu die Miniatur-Vegetation, die Blümchen sprießen lässt, die man zum Teil fast mit der Lupe suchen muss. 

Sie bauen in Island eine neue Voltigier-Gruppe auf, für Island eine Novität, und Sie sind natürlich dabei, wenn im Juli Ihre Gruppe aus Island den Reitclub Fürstenfeldbruck besucht?

Kathrin Schmitt: Ja natürlich bin ich dabei, wir trainieren am Freitag, 12. Juli ab 16 Uhr in Landsberied beim RC FFB auf dem Pferd, am Freitag, 10.30 Uhr sind wir im Klettergarten FFB und  am Dienstagnachmittag in der Sportschule FFB. 

Interview: Hedwig Spies 



Endlose Weite in Island.

Im Mai übersandte Kathrin Schmitt einen Erlebnisbericht vom Lammen der Schafe: 

"Es ist ruhig im Stall. Ausser dem Plätschern der Wassertränken  und einem gelegentlichen Scharren der Hufe am Boden hört man nur die Wacholderdrossel draussen, die wie jeden Morgen ihr Lied trällert. Die paar hundert Meter rüber zum Stall waren fröstelig und mein leicht übermüdeter Körper  der in einem dicken Winteroverall steckt,  schaudert ein wenig,  als ich mich auf einen Futtertrog setzte um den Blick über die Herde schweifen zu lassen. Es hat wieder einmal geschneit heute Nacht,  und der gestern noch matschige Boden ist weiss und oberflächlich  gefroren. Das Federn meiner  schläfrigen Schritte verriet mir aber dass die Frostschicht sich mit Aufgang der Sonne bald verflüchtigen  wird. Es ist der 5. Mai, Sonntag, sehr früher Morgen, und der erste Blick durch die Reihen verrät keine besonderen Vorkommnisse. Die Lämmer liegen an ihre Mütter  gekuschelt, manche sogar auf deren Rücken andere dicht an ihres gleichen geschmiegt, doch immer in sicherer Nähe  zum Muttertier. Alles schläft in der Kinderstube und mein Herz muss leise schmunzeln bei diesem innigen Anblick. Gestern habe ich einmal unser Lammbuch überflogen.  Wir haben knapp ein Drittel unserer Lämmer bereits zur Welt kommen sehen. 180 Muttertieren steht die Geburt noch bevor. Im Futtergang südlich entdecke ich eines davon bei dem sich bereits die Fruchtblase zeigt. Das Tier ist sehr ruhig,  aber ich merke am Gesichtsausdruck und an den fächernden Nasenflügeln,   dass die Wehenabstände  kürzer zu werden scheinen. Das Trennen von der Herde um die Geburt in Ruhe in einer einzelnen Box zu ermöglichen fällt  bei diesem Tier nicht schwer. Es bleibt entspannt stehen während  die anderen Schafe erschreckt aufgescheucht davonsprengen und sich in die hinterste Ecke des Pans drücken. Draussen geht jetzt die Sonne auf, die Wacholderdrossel ist vom Rufen des Rotschenkels abgelöst worden und das Schaf Nummer 11-166 wird in Kürze  und hoffentlich ohne Komplikationen  zwei  gesunde Lämmer zur Welt gebracht haben."

 

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