200 Bürger beim Gedenken am Todesmarsch-Mahnmal in Bruck - Holocaust-Überlebender Karl Rom beantwortete die Fragen der Jugendlichen

Der Holocaust-Überlebende Karl Rom - umringt von Jugendlichen, die Fragen zum Schicksal der jüdischen Opfer im NS-Regime stellten.

Karl Rom, einer der Überlebenden des Todesmarsches, wollte am 27. Januar zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Todesmarsch-Mahnmal in Fürstenfeldbruck zu den Menschen sprechen. Der mit 84 Jahren zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen zählende Rom blieb jedoch im Verkehrstau stecken und kam erst gegen Ende der Veranstaltung dazu. Dann allerdings stand der Überlebende des NS-Holocaust den wissbegierigen Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Schulen im Landkreis geduldig Rede und Antwort.

Knapp 200 Besucher hatten der Einladung des Arbeitskreises Mahnmal Fürstenfeldbruck zur Gedenkfeier am Mahnmal an der Kreuzung Dachauer-, Augsburger Straße Folge geleistet. Für die Dauer der Veranstaltung waren die Straßen von der Polizei abgesperrt, so dass diese ungestört von jeglichem Verkehrslärm abgehalten werden konnte. Auch heuer nahmen wieder zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens an der Gedenkfeier teil. Unter ihnen u. a. der erste Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet sowie Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Goppel, Landrat Thomas Karmasin, Brucks Bürgermeister-Vertreter Johann Schilling und Ulrich Schmetz sowie Klassen der Mittelschule West, des Viscardi-Gymnasiums, des Graf-Rasso-Gymnasiums und des Karl-Spitzweg-Gymnasiums aus Germering. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier von der Eichenauerin Monika Georgii. In Anbetracht der winterlichen Temperaturen könne man sich realistisch vorstellen, wie damals völlig unterernährte und erbärmlich gekleidete Menschen aus kalten Unterkünften in den Todesmarsch getrieben wurden, eröffnete Julia Zieglmeier vom Arbeitskreis Mahnmal die Gedenkveranstaltung. Die Gesellschaft trage eine besondere Verantwortung zum Dialog der Kulturen beizutragen und mutig und engagiert gegen jede Form der Intoleranz und Ausgrenzung einzutreten, zitierte Zieglmeier aus einer Rede von Altbundespräsident Roman Herzog. „Meine Generation hatte Glück, dass sie die Schrecken des Krieges nie erleben musste“, eröffnete der Vorsitzende des Kreisjungendrings Fürstenfeldbruck, Philipp Heimerl, seine Worte zum Gedenken. Der 21-jährige ehemalige Schüler des Graf-Rasso-Gymnasiums, der an Ludwig-Maximilians-Universität in München, Geschichte und Politik studiert, kenne die schrecklichen Ereignisse nur aus dem Geschichtsunterricht. Er halte die Gedenkveranstaltung für wichtig, um die Erinnerung an die Geschehnisse wach zu halten. Dieser Meinung schloss sich auch der 15-jährige Schülersprecher der Mittelschule West, Furkan Kocak, an. „Wir haben davon im Geschichtsunterricht erfahren, als wir den Zweiten Weltkrieg durchgenommen haben“, sagte er. Damals sind so viele Menschen umgekommen, das sollte schon in Erinnerung bleiben, damit sich so etwas nicht wiederholt, meinte Kocak. Zum Abschluss seiner Worte las Heimerl eine Szene aus dem Buch von Solly Ganor „Das andere Leben“ vor, die „eine Kolonne grauer Gespenster“ schilderte, die aus dem Außenlager des KZ Dachau in Kaufering über Fürstenfeldbruck nach Dachau getrieben wurden. Der damals zu den Todgeweihten gehörende Karl Rom berichtete, umringt von jungen Schülerinnen und Schülern, vom Leidensweg der Familie, wie sein Vater und er von der Mutter und der Schwester auseinandergerissen und in verschiedene KZ verschleppt wurden. Die Brucker Jugendlichen erfuhren, wie Rom zusammen mit seinem Vater in das Dachauer Außenlager Kaufering transportiert wurde, während seine Mutter und die Schwester ins KZ Stutthof (bei Danzig) kamen. Von Kaufering aus wurde Karl Rom zusammen mit seinem Vater, einem Onkel und einem Cousin auf den Todesmarsch geschickt, der zum Glück für alle im Außenlager Allach endete. Dort wurden sie am 30. April 1945 von Einheiten der US-Armee befreit. In der Bundesrepublik Deutschland ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein nationaler Gedenktag, der seit 1996 jeweils am 27. Januar begangen wird.

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