Bürgerinitiative kritisiert Gemeinderat

Geplanter Sendemast entzweit Gemeinde Hattenhofen

30 Meter hoher Kran simuliert die Höhe des geplanten Sendemastes in Hattenhofen
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Um die Höhe des Sendemastes zu simulieren, wurde ein 30 Meter hoher Kran aufgestellt.
  • Dieter Metzler
    VonDieter Metzler
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Hattenhofen – Warum wurden für die Errichtung eines Funkmastes nicht Alternativ-Standorte geprüft und warum wurden die Bürger nicht ausreichend informiert? Die Bürgerinitiative (BI) „Kein Sendemast am Wohngebiet Hattenhofen“ wirft Bürgermeister Franz Robeller mangelnde Informationspolitik vor und dem Gemeinderat zu wenig Engagement bei der Suche nach einem anderen Standort.

Mit einem 30 Meter hohen Kran, der die Höhe eines Mastes simulieren sollte, und vielen Gleichgesinnten trafen sich Gegner des Funkmastes am Rande des Grundstücks von Peter Hillmayr, wo der Funkmast errichtet werden soll, um gegen den Bau des Mastes der Deutschen Funkturm GmbH, einem Unternehmen der Deutschen Telekom Gruppe, zu protestieren.

530 Unterschriften bereits gesammelt

„530 Unterschriften haben wir aktuell auf unserer Liste“, berichtet Stefanie Bachl, die 27-jährige Sprecherin der BI, die im Vorstand des Hattenhofener Madl-Vereins ist. „Das sind gut ein Drittel der Einwohner.“ Man wolle mit der Aktion eine gemeinsame Lösung erwirken. Mit einem Aufruf in den sozialen Netzwerken habe sie den Stein ins Rollen gebracht. Im Nu waren 200 Unterschriften zusammen. Bachl befürchtet allerdings, dass selbst eine Klage keinen Erfolg haben wird. „Da gibt es einschlägige Gerichtsurteile. Eine Petition an den Landtag wird die BI aber einreichen.“

Info-Veranstaltungen wünschenswert gewesen

„Wir hätten uns im Vorfeld eine Info-Veranstaltung gewünscht. Die Bürger hätten gehört werden müssen“, kritisierte Marianne Feigl (62) den Bürgermeister und Gemeinderat. „Als Ende 2019 der Antrag im Gemeinderat abgelehnt wurde, da haben wir geglaubt, die Angelegenheit sei komplett vom Tisch.“ Die in der Nähe des geplanten Funkmasten lebenden Bewohner würden „unheimlich in ihrer Lebensqualität“ eingeschränkt werden.

Angst vor Strahlung und Verschandelung

Einer der unmittelbaren Nachbarn ist Martin Bentenrieder (51), der keine 300 Meter weg von dem geplanten Funkmasten wohnt. „Ich fühle mich betrogen. Bei so einem großen Projekt sollte der Bürger ein Mitspracherecht haben. Es geht nicht nur um die Verschandelung des Ortsbildes, es geht auch um die Strahlung. Mit 4G ist die Gemeinde gut ausgestattet.“ Das halbe Dorf werde durch so eine Maßnahme entzweit, schüttelte Josef Jäger (71) den Kopf. „Die ganze Geschichte ist wohl ein bisschen hinten rum gelaufen“, meinte er. „Ich habe erst vergangene Woche davon erfahren.“ Nach Ansicht von Walter Vogl (64) ist gemauschelt worden. „Im Schwäbischen würde man sagen, das hat ein Geschmäckle“. Der Grundstückseigentümer Peter Hillmayr, der auch Gemeinderat ist, hat sich laut Vogl einiges anhören müssen. Bereits 2018 hat er einen Vertrag mit der Funkturm GmbH abgeschlossen.

Große Unruhe beim Treffen

Als Bürgermeister Franz Robeller zu der Entscheidung des Gemeinderats und zu der ihm vorgeworfenen mangelnden Informationspolitik Stellung bezog, machte sich unter den etwa 100 Besuchern lautstark Unmut breit, so dass BI-Sprecherin Stefanie Bachl die Leute ermahnen musste, trotz aller Emotionen Ruhe zu bewahren und sachlich zu bleiben. Zwischenrufe wie „das stimmt doch alles nicht, was sie da sagen“, war noch der harmloseste Einwand.

„Das uns unterstellt wird, wir haben Mutwilliges und Böses getan, das geht gar nicht.

Gemeinderätin Elfriede Unger

Elfriede Unger, seit 13 Jahren im Gemeinderat, verteidigte das Gremium: „Wir versuchen alle unser Bestes“. „Aber das uns unterstellt wird, wir haben Mutwilliges und Böses getan, das geht gar nicht.“ – „Warum habt ihr dann zugestimmt?“, rief ein Bürger, und Timo Wickenrieder, ehemaliger Gemeinderat, meinte: „Ihr seid wie das Fähnlein im Winde. Wenn ich eine Meinung habe, dann bleibe ich auch bei der Meinung.“ Nur zwei Gemeinderäte seien bei der zweiten Abstimmung standhaft geblieben.

Auch seien andere Grundstückseigentümer, wo man den Masten hinstellen hätte können, nicht gefragt worden, warf Helmut Loder, ebenfalls ein ehemaliger Gemeinderat, dem Bürgermeister vor. „Ich finde sehr dubios, dass die ganze Geschichte so geheim gehalten wurde. Ich hätte mir eine Bürgerversammlung gewünscht. Ich bin traurig, dass sich der Bürgermeister und der Gemeinderat nicht für die Belange der Gemeinde einsetzen.“

„Die Kuh noch vom Eis bringen!“

Grünen-Kreisrat Andreas Birzele aus Hörbach wollte den Gemeinderat zwar nicht verteidigen und meinte „die wollten euch sicher nichts Böses“. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass der Gemeinderat den Bürgern „eins reinwürgen“ wollte. „Setzt euch mit dem Landrat an einen Tisch und überlegt, wie man die Kuh noch vom Eis bringen kann, damit wieder mehr Frieden im Dorf einkehrt.“ „Ich bin sehr unglücklich über die Situation“, sagte Elisabeth Trappmann, Zweite Bürgermeisterin. Sie betonte, dass die Entscheidung nicht hinter verschlossenen Türen gefällt wurde, sondern im März 2021 in einer öffentlichen Sitzung. „Da hätte jeder hingehen können.“

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