Online Pressekonferenz gibt Einblicke

Bürgerinitiative »Lebenswertes Germering« stellt Einwendungen gegen Kreuzlinger Feld vor

Der Vorentwurf des Bebauungsplanes des Kreuzlinger Feldes zur
Wohnbebauung vom 14. Januar 2020
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Der Vorentwurf des Bebauungsplanes des Kreuzlinger Feldes zur Wohnbebauung vom 14. Januar 2020.

Germering – Sie finden bei der Stadtverwaltung und in den Sitzungen nicht genug Gehör, was die Einwendungen bezüglich der Bebauung des Kreuzlinger Feldes betrifft – so lautet die Aussage der Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Germering“. Der Radverkehr würde nicht mit einbezogen, der zu erwartende Lärm würde klein gerechnet und auf den Klimawandel und den Artenschutz würde keinerlei Rücksicht genommen.

Nachdem die Bürgerinitiative die hauptsächlich vor der Pandemie gesammelten Unterschriften an Oberbürgermeister Andreas Haas übergaben, fand nun eine Online-Pressekonferenz sowie ein Treffen mit den Verantwortlichen des Projekts statt. Online trafen sich neben Hauptinitiator der BI Thomas Langnickel, auch die beiden Anwohner Rudolf Kauper und Volker Grewe, Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC) Ortssprecher Michael Sigmund sowie Annette Kotzur, Vorsitzende bei der Germeringer Ortsgruppe des Bund Naturschutzes.

Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung des rund zehn Hektar großen Gebietes, dem Kreuzlinger Feld, jedoch sei die Planung, wie sie bisher verlaufen sei, für die Germeringer nicht vorteilhaft. Mehr Lärm und Verkehr – und das durch den geplanten Nahversorger, dessen Größe auf rund 2.500 Quadratmeter angewachsen ist, nicht nur zu den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten – zudem eine schlechtere Durchlüftung der Stadt, aber auch weniger Möglichkeiten für Fahrradfahrer, um sicher von A nach B zu kommen. Laut Langnickel handelt es sich um „eine Investorenplanung deren Lasten die heutigen Anwohner tragen“. In seinen Augen ist die Anzahl an geplanten Wohnungen und folglich der Anstieg der Einwohner für die jetzigen Anwohner nicht tragbar. Das durchgeführte Verkehrsgutachten basiere, so die BI, auf falschen Zahlen und falle viel zu gering aus. Bisher seien es 677 Fahrten pro Tag gewesen, neu wären es jedoch 2.418. „Der Verkehrsgutachter rechnet pauschal aber mit 1.450 Fahrten am Tag, 1.000 weniger“, erklärt Langnickel. Auch sei mit einem zu geringen Anstieg der Einwohnerzahl gerechnet worden. Ein erhöhtes Lärmaufkommen gehe damit einher, sagt Kauper. „Die Schallreflexion des Straßenlärms und des Lärms von der S-Bahn durch die Bebauung mit langen Riegeln entlang der nördlichen Grenze sowie zusätzlicher Verkehr führen zu einer deutlichen Erhöhung der Lärmbelastung der Anwohner nördlich der Landsberger Straße. Es ist kein Schutz dieser Anwohner vorgesehen“, so das Fazit der BI. Ein Lärmaktionsplan für die ganze Stadt könne da Abhilfe schaffen und Defizite aufzeigen.

ADFC meldet sich zu Wort: Radfahrer jetzt mit einplanen

Auch der ADFC Sprecher äußert seine Bedenken hinsichtlich der Planungen und der Außerachtlassung des zunehmenden Fahrradverkehrs in Germering. „Die Planungsunterlagen erinnern an Bauvorhaben aus den Siebziger Jahren“, so Sigmund. Es müsste bereits im Vorfeld die einmalige Chance genutzt werden, die Bedürfnisse der Radfahrer mit einzubeziehen, im Nachgang sei für Nachbesserungen kaum Platz. So könne eine Fahrradstraße entlang der S-Bahn zur Entlastung helfen, ein weiterer Vorschlag sei es, keine oberirdischen Stellplätze (Längsparker/ Schrägparker) an den Anliegerstraßen zu planen. Auch der Umweltbericht findet bei den Mitgliedern der BI keinen Anklang. Die Versiegelung des Bodens belaufe sich auf 90 Prozent und sei damit viel zu hoch.

Auch Bund Naturschutz zeigt Zweifel an bisheriger Ausarbeitung der Bebauungspläne

Auch werde eine starke Hitzeentwicklung in den Innenhöfen des geplanten Quartiers erwartet und die Durchlüftung von Germering würde beeinträchtigt. Durch den Klimawandel käme es bereits jetzt zu einer Zunahme der Temperatur von rund 1,5 Grad Celsius. Und auch der Niederschlag nehme, so die Prognose, in den kommenden Jahren weiter ab. Die Bebauung müsse sich folglich mehr an den Wandel anpassen, so Grewe. „Klima und Luft werden stark durch die Bebauung des Kreuzlinger Feldes in dieser Form belastet“, erklärt Grewe. Alles in allem führe dies zu einer Reduzierung des Erholungswertes der Stadt und einer Abwertung des Stadtbildes. Auch der Bund Naturschutz meldete sich zu Wort. Die größten Bedenken sehen sie in den Bereichen Flächenverbrauch, klimatologische Auswirkungen und Begrünung sowie dem Artenschutz und Verkehr. „Großvorhaben haben einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Infrastruktur, die Stadtökologie und die Entwicklung der Stadt insgesamt“, erklärt Kotzur. Der Artenschutz –hier ist die Zauneidechse angesiedelt, die als geschützt gilt – dürfe nicht der Gewinnmaximierung zum Opfer fallen.

Becker

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