Erster Bürgertermin in FFB zur Weiterentwicklung Viehmarktplatz

Kritik: Brucker Innenstadt "nicht familienfreundlich"

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2. Bürgermeister Hans Schilling, Stadtbaumeister Martin Kornacher sowie die beiden Stadtplanerinnen Manuela Skorka und Martina Schneider

Fürstenfeldbruck – Das Votum beim Auftakt des ersten Bürgertermins zur Weiterentwicklung des Viehmarktplatzes fiel eindeutig und eigentlich auch wie nicht anders erwartet aus: Die Brucker Bürgerinnen und Bürger lehnen eine kompakte Bebauung des zentralen Platzes in der Innenstadt kategorisch ab.  

Sie wünschen sich einen attraktiven Platz mit gemütlichen Cafés, vielleicht einen Brunnen, einen Spielplatz und grüne Bepflanzung. Circa 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten im großen Sitzungssaal des Rathauses Platz genommen. „Wir wollen mit Ihnen eine gemeinsame Lösung suchen, nicht das Ergebnis einer Gruppierung, sondern eine Lösung aller“, eröffnete zweiter Bürgermeister Hans Schilling den ersten Bürgertermin am 6. Februar, an dem auch Stadtbaumeister Martin Kornacher und Stadtplaner Markus Reize teilnahmen. Drei weitere Treffen sollen im Laufe des Jahres noch folgen. Darauf hatten sich im Oktober des vergangenen Jahres Stadtrat und Bürger geeinigt, nachdem die gemeinsamen Vorstellungen der CSU-, SPD- und Freien Wähler-Stadträte, im nördlichen Bereich des Viehmarktplatzes ein größeres Gebäude mit Gewerbe- und Wohnnutzung und nur im südlichen Bereich die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, durch einen Bürgerentscheid abgelehnt worden war.

 Beim ersten Treffen stellten die beiden Stadtplanerinnen Martina Schneider und Manuela Skorka anhand eines virtuellen Stadtrundgangs die Entwicklung der Stadtstruktur, die Nutzungen und die Verkehrsflächen des westlichen Innenstadtbereichs vor, zogen ein Resümee und richteten gezielte Fragen an die Besucher der Veranstaltung. „Wir wollen auf dem Viehmarktplatz keine Bebauung“, meldete sich ein älterer Bürger sogleich zu Wort, der zu verstehen gab, dass er zu den unmittelbaren Anliegern zählt, wie viele der Zuhörer im Saal.

 „Wir wünschen uns einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität, der zum Verweilen einlädt“, schloss sich ein 30-jähriger Familienvater von drei Kindern an. „Die Innenstadt ist nicht familienfreundlich“, behauptete ein älteres Ehepaar, das am Viehmarktplatz lebt und davon berichtete, dass eine junge Familie aus ihrem Haus auszog, als der Nachwuchs heranwuchs. „Lebenfindetinnenstadt“, hat es einmal geheißen“, erinnerte das Ehepaar an das Förderprogramm zukunftsweisender Planungskultur. „Wenn wir Besuch bekommen, gehen wir mit dem nicht in die Innenstadt, wo der hässliche Sparkassenbau oder der klotzige AEZ-Bau steht, sondern wir gehen zum Kloster“, kritisierte eine Besucherin die Baufehler der Vergangenheit. 

„Nachdem wir aller Wahrscheinlichkeit die B2 nicht mehr aus der Stadt heraus bringen, bleibt der Viehmarktplatz der letzte Fleck in der Innenstadt, den wir in ein „gemütliches Wohnzimmer“ umgestalten sollten“, schlug ein Bürger vor. „Ich finde Bruck schon attraktiv, wenn der Schwerverkehr nicht wäre“, meinte ein weiterer Bürger. So waren das starke Verkehrsaufkommen, das Parkplatzproblem und das Einkaufsangebot in der Innenstadt Schwerpunkte in der Diskussion. 

Boutiquen seien abgewandert, dafür billige Großhandelsketten eingezogen und die vielen Optikerläden, Handyläden und Banken würden die Innenstadt nicht gerade attraktiv machen. „Wir brauchen keine neuen Geschäftsgebäude“, warf ein weiterer Besucher ein. „In der Innenstadt stehen genügend Läden leer, die sollte man vermieten.“ Bei jedem weiteren Treffen erhalten die Bürger nun die Möglichkeit, sich über den Fortschritt der Arbeiten zu informieren und ihre Anregungen und Ideen, aber auch Kritikpunkte vorzubringen. Die beiden Stadtplanerinnen verarbeiten in der Zwischenzeit jeweils die Vorschläge und Ideen zu einem Konzept, soweit möglich. „Wir wollen unser Knowhow in Ihre Vorschläge einbringen“, sagte Schneider. „Aber wir brauchen auch Ihr Knowhow. Vielleicht entstehen dann Lösungen, an die zu Beginn noch keiner gedacht hat.“ 

 Dieter Metzler

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