Neuwahlen, Jahresplan und Kritik am "Bauwahn"

280 Naturschützer im Einsatz

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Sie führen den Bund Naturschutz im Kreis für die nächsten vier Jahre (von links): Hans-Jürgen Gulder (2. Stellvertreter), Annette Kotzur (Schriftführerin), Eugenie Scherb (1. Vorsitzende), Herta Marke (Schatzmeisterin) und Claus Ehrenberg (1. Stellvertreter)

Fürstenfeldbruck – „Es ist sehr arbeitsintensiv, aber es ist schön. Mir gefällt`s“, sagte Eugenie Scherb, die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) vergangene Woche im Hotel Post und freute sich über das von den Mitgliedern bei ihrer ersten Wiederwahl entgegengebrachte Vertrauen. 42 der 45 wahlberechtigten Anwesenden schenkten der ehemaligen Technischen Redakteurin ihre Stimme.

Am 24. März erhält die 64-Jährige die Ehrenamtsmedaille des Ministerpräsidenten Horst Seehofer von Landrat Thomas Karmasin verliehen.

In ihren Ämtern bestätigt wurden auch der 63-jährige Diplom-Ingenieur für Energie Technik, Claus Ehrenberg, als erster Stellvertreter, Schatzmeisterin Herta Marke, die noch einmal vier Jahre dranhängt, sowie Schriftführerin Annette Kotzur. Nicht mehr zur Wahl stellte sich dagegen der zweite Stellvertreter, Reinhard Gatz. Für ihn wählten die Mitglieder den Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Hans-Jürgen Gulder, erstmals in den Vorstand.

Suche nach Aktiven

4.000 Menschen (3.300 Mitglieder und 700 Förderer, die den BN mit regelmäßigen jährlichen Beträgen unterstützen) zählt der Bund Naturschutz im Landkreis. Finanziell steht der Verein, der 2016 mit einem Vermögen von 53.423 Euro abschloss, bestens da. Dennoch ist der BN im Kreis aber ständig auf der Suche nach Aktiven. „Wir sind nur 280 Aktive in den elf Ortsgruppen“, teilte Scherb bei ihrem Rechenschaftsbericht mit. Nachvollziehbar, bei einem Blick durch den Gastraum ist eine starke Tendenz zur Überalterung des BN unverkennbar.

Artenkenntnis-Seminare und Flächenschutz 

Unverkennbar sind aber auch die zahlreichen Aktivitäten, über die Scherb berichtete. Angefangen von der gerade anlaufenden Amphibien-Sammlung wird der BN nach der Einführung eines Libellentags im vergangenen Jahr verstärkt nun Artenkenntnis-Seminare abhalten. Im April findet ein Schmetterlingstag, im Mai ein Wildbienentag und im Juni ein Botaniktag statt. Ein großes Thema sei auch der Baumschutz im Landkreis. Der Kampf um jeden einzelnen Baum sei leider oft vergebens. Auch der Flächenschutz und die Flächenpflege sei für den BN ein „Riesenthema“, aber „schwer für uns, ihn durchzubringen.“

Umwelt- und Naturschutz in Puchheimer Schulen

Vom größten Projekt beim BN sprach Scherb bei der Umweltbildung. Die Umweltpädagoginnen Brigitta Thema, Anke Simon und Holde Tietze-Härtl unterrichten einmal in der Woche in zwei Schulen in Puchheim Umwelt- und Naturschutz. Neben sechs Kindergruppen im Landkreis gibt es jetzt eine erste Jugendgruppe, die zusammen mit dem Gartenbauverein in Emmering gegründet wurde.

Kritik an der Verkehrspolitik

Scharfe Kritik übte eingangs der Veranstaltung der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner an der Verkehrspolitik des Bundes und des Landes Bayern bei seinem Vortrag „Für eine zukunftsfähige Mobilität – Mehr Intelligenz statt Beton und Asphalt“. Den 278 aufgelisteten Straßenprojekten stehen nur 28 Schienenprojekte gegenüber, kritisierte Mergner den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) als eine krasse Fehlentscheidung. Die Kosten allein für die Straßenbauprojekte bezifferte er mit 18 Milliarden Euro. Auch der Flächenverbrauch wäre gigantisch. „Für alle Neu- und Ausbauten ging eine Fläche verloren, die der Größe von 8.500 Fußballplätzen entspreche. „Die Erfahrung lehrt, dass Umgehungen kaum Entlastung bringen für die Orte“, griff Mergner die zahlreichen Ortsumgehungen, die der BVWP enthält, an.

Die „Geschenke von Verkehrsminister Dobrindt“ für den Landkreis bezeichnete Mergner als Straßenbauwahn, den es gelte zu stoppen. Er forderte, dass Bund und Land umsteuern. Statt auf ein weiteres Wachstum des Straßenverkehrs zu setzen, müssen die Bahn gestärkt werden, Straßenerhalt vor Straßenneubau gehen und überflüssige Ortsumgehungen gestrichen werden.

Dieter Metzler

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