Baugrube der Stadtwerke

Baustelle beschädigt Biotopfläche

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Eine Woche wuchsen die Blumen durch den Bauzaun, bis er schließlich wieder innerhalb der Kiesfläche aufgestellt wurde.

Fürstenfeldbruck – Natternkopf, Weidenröschen, Wiesensalbei und Karthäuser Nelke wachsen mit ihren bunten Blüten empor, Schmetterlinge wie der Distelfalter flattern von einer Blume zur nächsten und nachts kann man dem Zirpen der Heuschrecken und Zikaden lauschen: Die Wiese zwischen Cerveteriestraße, B 471 und den beiden Kinderbetreuungseinrichtungsstätten von Johanniter und Montessori ist ein wahres Biotop. Doch die Wiese hatte zu kämpfen: Mit dem Metallzaun der Stadtwerke-Baustelle.

Wie die Biotop-Fläche entstand

Das Biotop – ein Halbtrockenrasen – entstand als Ausgleichsfläche für die neue Bebauung östlich der Cerveteriestraße. Den dort abgetragenen Boden hat man auf die gegenüberliegende Seite verteilt und dann seinem Schicksal überlassen, ihn weder gemäht noch gedüngt. Dadurch konnten die oben genannten Blumen wachsen, welche Schmetterlinge, Grillen und weitere Insekten anzogen. Um die sachgerechte Pflege kümmert sich nun die Stadt Fürstenfeldbruck als Eigentümer des Grundstücks in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Die Ortsgruppe des Bund Naturschutzes beobachtet und dokumentiert die Entwicklung des Pflanzenbestandes. Direkt angrenzend zu dieser Biotop-Fläche – nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Hundewiese – bauen die Stadtwerke gerade ihr neues Zentrum.

Bauzaun, Betonfüße und Baufahrzeuge

„Während einer Radweg-Befahrung am Freitag, 4. Mai, konnten wir beobachten, wie die weißen Betonmischfahrzeuge vorschriftswidrig durch den geöffneten Bauzaun über die südlich angrenzende Biotopfläche fuhren“, schildert Thomas Brückner seine Beobachtungen. Zwar war der Bauzaun am Nachmittag dort wieder verschlossen, doch die Biotopfläche ist im Bereich der Fahrspuren seitdem vollständig zerstört. Wo einst die Blumen sprießten ist nur noch trockene Erde übrig. Weitere Punkte, die den Naturschützern sauer aufstießen: „Bauzaunfelder standen beziehungsweise lagen bis zu acht Meter in die Biotopfläche hinein. Außerdem stand der gesamte Bauzaun nicht auf dem Baugrundstück, sondern etwa ein bis zwei Meter hinter der durch rote Pflöcke markierten Grundstücksgrenze, also innerhalb der Biotopfläche.“ Laut BN zerstören die Betonfüße und die umgefallenen Bauzaunfelder die Wiese. Brückner verständigte die Stadtwerke und eine BN-Kollegin die Stadt Fürstenfeldbruck. „Frau Bali von den Stadtwerken hat das Tun der Baufirma nicht verstanden, immerhin wurde vom Vermesser alles abgesteckt“, berichtet Brückner. Doch auch wenn die Stadtwerke ihr Bedauern ausdrückte: Eine Woche lang ist nichts passiert – zu lang findet Brückner. „Natürlich hätten wir die Baufirma anrufen und mit Klagen drohen können“, sagt der Naturschützer, „doch wenn die Stadt ihre Grundstücke in Randbereichen der Zerstörung freigibt, ist das ihr Bier.“ Die Zerstörung bedauere der Bund Naturschutz natürlich trotzdem, weshalb sie „auch meckern“, wie er sagt. 

Zehn Jahre Erholung nötig

Er denkt nicht, dass die Baufirma die Biotopfläche mit Absicht zerstörte – tatsächlich sieht sie für Nichtsahnende lediglich wie eine trockene Wiese mit aktuell blauen und gelben Blüten aus. Er betont jedoch: „Es gibt für jede Baustelle Auflagen und Regeln.“ Den Bauzaun auf fremdes Gebiet zu stellen sei so vermutlich nicht genehmigt worden. Er fordert, dass die Baufirma den Schaden der zerstörten Fläche ersetzen muss. Den Boden aufzulockern und neue Pflanzen zu sähen, koste immerhin Zeit und Geld, von alleine bräuchte das Stück über zehn Jahre, um sich zu erholen.

Ausgleichsflächen in Gefahr

Der Bund Naturschutz stand dem Bau der Stadtwerke von Anfang an skeptisch gegenüber. Auch den Bebauungsplan für die gegenüberliegende Grundschule wollen sie sich „ganz genau anschauen“. Der Halbtrockenrasen ist nicht die einzige Ausgleichsfläche, die der Ortsgruppe sorgen macht. „Vergangenen Sommer haben wir eine Begehung zu all solchen Flächen gemacht und das Schlimmste entdeckt“, erzählt er. Wo Wiesen sein sollten, wachse plötzlich Mais oder stehe ein Haus. Das Thema „Ausgleichsflächen“ will der Bund Naturschutz deshalb Ende Mai in den Stadtrat bringen. 

Kohr

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