Als Busch-Ärzte auf Zeit in Afrika - Der Mediziner Dr. Peter Wittmann berichtete bei den Fürstenfelder Gesundheitstagen über internationale freiwi ...

Ehrenamtlich, auf weitestgehend eigene Kosten in entlegenen Gebieten Nepals, Albaniens, den Philippinen und jetzt in Afrika ärztlich-medizinische Hilfe zu leisten, und das bereits seit 10 Jahren, ist kein selbstverständlicher Akt der Nächstenliebe. Die Aktionsgruppe München - eine Ärztegruppe aus verschiedenen Fachgebieten um den Münchner Dr. Peter Wittmann, investiert seit Jahren einmal jährlich Freizeit und persönliche Spenden um in Togo, Mali oder Ruanda oder anderen Ländern Patienten unentgeltlich zu behandeln. Über diese ungewöhnlichen Einsätze sprach Dr. Wittmann bei den Fürstenfelder Gesundheitstagen.

Das Team - bestehend aus etwa zehn Ärzten verschiedener Fachrichtungen - darunter auch ein „alter, aber kerngesunder“ Kinderarzt - ergänzt durch Krankenschwestern, Krankengymnasten, Optikern und anderen Helfern im Gesundheitswesen opfert für diese Aktionen 3 bis 4 Wochen Urlaub. „Ärzte nach Plan“, wie Dorothea Licht von der begleitenden Plan Internationalen Deutschland e.V.-Kinderhilfe hierzu anmerkte. Dr. Wittmann bezeichnete in seinem Bericht bei den Brucker Gesundheitstagen die in Togo/Mali/Ruanda vorgefundenen Krankheitsbilder als „Krankheiten mit soziologischem Hintergrund“, abhängig vom Grad an Lebenszufriedenheit und Motivation. „Die innere Balance und Zufriedenheit sind ein ganz wesentlicher Gesundheitsfaktor!“ Von rund 700 bis 800 Millionen Menschen auf diesem Kontinent sei rund ein Drittel ohne Lebensgrundlage. Erstaunlich war für Dr. Wittmann, wie schnell sich in Togo vor Ort herumsprach, dass weiße Doktoren im Lande seien. Gleich Hunderte warteten geduldig vor dem Gebäude: Mütter mit Kindern und Alte. „An einem Tag sind dann ca. 500 Patienten zu verkraften … Jeder zehnte bis fünfte davon ist ernsthaft erkrankt.“ Da empfiehlt es sich schon von vorneherein, eine Art „Arzneimittelschrank“ und Ausrüstungsgegenstände mitzubringen und sich nicht von Warnungen der deutschen Botschaft, auf deren Unterstützung jedes Team im Ausland gerne zurückgreift, wie z.B. „Ihr Wirken ist wie ein Tropfen auf dem heißen Stein …“ von dieser Aktion abbringen zu lassen. Eine der Hauptgeißeln der afrikanischen Bevölkerung sei die Malaria, erklärte Dr. Wittmann und zeigte Fotos: Das Krankheitsbild sei meistens sofort erkennbar an den angeschwollenen Bäuchen. Dazu begegnen den Ärzten in Afrika häufig Patienten mit Schwindsucht/Tuberkulose/Lepra. Und: Aids - teilweise sichtbar durch charakteristische Veränderungen der Haut. Öfter treten auch eitrige Kniegelenkschwellungen, offene Unterbeine („afrikanisches Bein“), Verletzungen durch Entzündungen oder Deformationen wie die sog. ‚Elefantenbeine’ auf. Weniger häufig seien Erkrankungen oder Mangelerscheinungen wie Diabetes, Kropf, Brustkrebs, häufiger wiederum Augenerkrankungen. In der Gesamtbeurteilung der vorgefundenen Fälle meint Dr. Wittmann „Ohne Änderung der Lebensverhältnisse besteht bei diesen in der Regel bettelarmen Menschen so gut wie keine Chance auf Heilung.“ Erstaunt zeigte sich das Ärzte- und Helferteam über in phantasievoller Eigeninitiative hergestellte Hilfsmittel, z.B. durch ganz einfache aber sinnvolle Prothesen, geboren aus der Not. Auch die Kenntnisse der Wirkung heimischer Kräuterextrakte sind ein altes Kulturerbe und durchaus von Linderungs- bis manchmal Heilkraft. Afrikanische Ärzte in abgelegenen Gebieten seien eher selten, viele Mediziner wandern wegen der attraktiveren Lebensbedingungen und Verdienstmöglichkeiten in die afrikanischen Großstädte ab. Die monatliche Vergütung für einen Assistenzarzt beträgt etwa 180 Euro, für einen leitenden Arzt zwischen 300 und 500 Euro. Kinder sind ein ganz spezielles Thema im afrikanischen Lebensalltag. „Alle arbeiten seit frühester Jugend und lachen trotzdem. 50% von ihnen wachsen ohne Vater auf, 20% ohne Eltern, ein Teil der Kinder ist amtlich nicht registriert. Trotz aller Schwierigkeiten werden Kinder im Familienverbund gut versorgt.“ Was die deutschen Ärzte häufig zu sehen bekommen, seien Kinder-Unfälle durch Verbrennen/Verbrühen. Vielen Erwachsenen und Kindern konnte das Ärzteteam helfen, auch einem jungen Malaria-Patienten. Prävention sei gefragt: Dr. Wittmann: „Leider verfügen manche Krankenhäuser oder Krankenstation noch nicht über Moskitonetze.“ Das Hauptproblem bei der Versorgung sei Wasser, da es so gut wie immer bakteriell verseucht ist. Oft könnten ganz einfache Methoden das Problem aus der Welt schaffen: „Wenn man Wasser aus dem Niger drei Stunden lang in einer Plastikflasche in der prallen Sonne stehen lässt, ist es garantiert von Bakterien frei …“ Dasselbe gilt auch für Wundbehandlungen, bei der ein einfacher Verband mit Plastikfolie schützt. Natürlich gönne man sich nach den Behandlungen von vielen hunderten Patienten in großer Hitze eine Verschnaufpause, um die Natur und die afrikanische Kultur zu erkunden. Dr. Wittmann sprach begeistert von der ehemaligen afrikanischen Hochkultur am Niger, mit ihren bewundernswerten Lehmbauten bis hin zu Kathedralen, zum Beispiel in Timbuktu/Mali. „Dort existierten schon Universitäten um 1200 unserer Zeitrechnung …“ Kontakte: Dr. Peter Wittmann Aktionsgruppe München, Email: licht-munich@t-online.de

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