Nicht mehr in Anonymität verschwinden

Caritas-Altenheim: Barrierefreie Quartierlösung auf nahezu 10.000 Quadratmetern

Zehn Personen stehen mit blau-weißen Spaten an einer Baustelle.
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Die Verantwortlichen trafen sich am 12. März zum Spatenstich.
  • vonMaximilian Geiger
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Germering – Ein würdevolles, angenehmes und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu führen – ein Wunsch, den vermutlich jeder Mensch hat. Das neue Caritas-Altenheim Don Bosco möchte diesem Anspruch gerecht werden.

Und so lud Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier am 12. März zum coronakonformen Spatenstich ein. Neben der stellvertretenden Landrätin Martina Drechsler und der zweiten Bürgermeisterin Manuela Kreuzmair gaben sich auch Pfarrer Andreas Christian Jaster als Vertreter der Stadtkirche und Architekt Bernhard Püschel auf der Baustelle die Ehre.

Entstehen sollen dort auf fast 10.000 Quadratmetern eine moderne, barierefreie Quartierlösung mit 64 Plätzen mit vollstationärer Pflege, betreutem Wohnen mit 67 Wohnungen sowie solitäre Tagespflege mit 25 Plätzen. Bis zu 60 Beschäftigte in der Verwaltung, Hauswirtschaft, Pflege und Betreuung werden sich um die Bewohner kümmern. Laut Architekt werde es dort das „komplette Spektrum der Altenhilfe“ geben.

Stark-Angermeier: „Ich bin so froh, dass wir jetzt anfangen.“

Stark-Angermeier zeigt sich höchst erfreut über den Baubeginn: „Ich bin so froh, dass wir jetzt anfangen.“ Immerhin war das alte Gebäude, das 1972 errichtet und 1986 erweitert worden war, in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr dem baulichen Standard. Nachdem eine Sanierung nicht möglich war, entschied man sich für einen kompletten Neubau. Und so wurde der Betrieb des alten Gebäudes bis 2015 Stück für Stück heruntergefahren und schließlich eingestellt, die ehemaligen Bewohner in anderen Altenheimen untergebracht, etwa in Gräfelfing, Krailling und Gröbenzell. 2017 erfolgte dann der Abriss. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Altbau noch zeitweise als Notunterkunft für Geflüchtete gedient.

„Mit ihrem neuen Altenheim trägt die Caritas zur Stadt Germering als attraktiver Lebensraum und Lebensmittelpunkt auch für ältere Menschen bei“, erklärt Stark-Angermeier und auch Pfarrer Jaster stimmt ihr bei. Er führt aus, dass das Altenheim ein Teil der Gemeinde sei und Seelsorge für alle bieten soll, um die er sich gerne selbst kümmern wird: „Alte Menschen dürfen nicht vergessen werden, sie müssen ihren Platz in der Mitte der Gemeinschaft haben.“

Immerhin sei der heilige Don Johannes Bosco der Namenspatron und Schutzheilige des neuen sowie des alten Altenheims. Don Bosco setzte im 19. Jahrhundert Maßstäbe in der sozialen und seelsorgerischen Arbeit und im Umgang mit Menschen, die bis heute Gültigkeit haben.

Enge Zusammenarbeit zwischen Caritas, Stadt und Pfarrei

Die Planung des neuen Gebäudes erfolgte in enger Zusammenarbeit der Caritas mit der Stadt und der örtlichen Pfarrei, für die alle Beteiligten dankbar seien, auch wenn sich die Planung zeitweise als schwierig erwies. So ging etwa der Abriss nur schleppend voran, die schadstoffbelastete Bausubstanz konnte nur vorsichtig abgetragen werden.

„Manchmal geht es nicht aufs erste Mal, manchmal braucht es auch drei, vier Schritte“, berichtet die Caritas-Vorständin und der Pfarrer fügt hinzu: „Es gab Zeiten, da war man nah an der Verzweiflung“. Das Projekt habe an den Kräften gezehrt bis man hierhin gelangte, doch nun sei man sehr glücklich.

Als Besonderheit kann das Besitzverhältnis des Grundstücks angesehen werden, das sich eigentlich als Pfründer-Grundstück im Besitz eines Vorgängers Jasters befunden hatte. Dieser hatte es an die Caritas vergeben mit der Auflage ein Heim für 120 Personen mit Vollbetreuung zu errichten. Und auch Jaster ist es heutzutage ein Anliegen, diese Auflage einzuhalten. Deshalb war für ihn ein erster Entwurf für 20 bis 30 Bewohner „nicht akzeptabel“.

Als äußerst bereichernd empfand der Pfarrer hingegen Stark-Angermeiers Übernahme der Stelle als Caritas-Vorständin, durch die nochmal Schwung in das ganze Projekt kam. So war sie offen und habe das direkte Gespräch gesucht.

Zwar weiß der Geistliche, dass nicht alle Nachbarn begeistert seien von dem Neubau, doch er hofft, dass sie mit der Zeit versöhnlicher und möglicherweise später selbst einmal von den Vorzügen des Altenheims profitieren werden.

Bürgermeisterin Kreuzmair: „Germering braucht diesen Standort dringend“

Auch Bürgermeisterin Kreuzmair kennt diese Vorzüge und nennt den Spatenstich einen „Meilenstein“ nach langen Jahren der Verhandlung, nachdem man bereits 2013 mir den ersten Überlegungen begonnen hatte. „Germering braucht diesen Standort dringend. Es ist ein wesentlicher Bestandteil.“

Nachdem der Spatenstich erfolgte, werden nun nach und nach in den nächsten zwei Jahren die Pläne des Architekten umgesetzt. Dort wo derzeit Bagger fahren, wird bis 2023 ein dreiflügeliger Gebäudekomplex mit Untergeschoss, Erdgeschoss und drei Obergeschossen entstehen. „Die Räume sind hell und offen, das Wohnen soll betont werden“, erklärt Püschel, denn die „Begegnung steht im Vordergrund.“

Das Erdgeschoss wird Cafeteria, Kapelle, Tagesgeschäfte und -pflege beheimaten, während das erste und zweite Obergeschoss Raum für die vollstationäre Pflege bieten soll. Dort werden die Bewohner in vier kleinen, betreuten Gruppen à 16 Personen wohnen und sich in diesem Verbund jeweils eine Wohnküche teilen. Früher, so der Architekt, gab es in Altenheimen einen einzigen großen Speisesaal, doch vor allem Leute mit Demenz konnten dort nur schlecht Kontakt finden. Nun soll durch das angestrebte Bezugspflegekonzept ein naher Kontakt zum Pflegepersonal angestrebt werden, damit die Bewohner nicht mehr in der Anonymität verschwinden. Im dritten Obergeschoss wird es schließlich Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen für das betreute Wohnen geben.

So soll das Caritas-Altenheim nach Fertigstellung aussehen.

Auch auf die Ökologie habe man bei der Planung geachtet, betont Püschel. So habe man Wert auf eine gute Wärmedämmung gelegt und setze zu 100 Prozent auf eine regenerative Energieversorgung.

Nun wartet das Team der Caritas sehnsüchtig auf die Fertigstellung des Altenheims, um den Senioren so bald wie möglich einen würdevollen, angenehmen und selbstbestimmten Lebensabend bereiten zu können.

Maximilian Geiger

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