Caritas-Mitarbeiter aus Fürstenfeldbruck unterstützt Helfer für afrikanische Flüchtlinge in Melilla - Zwei Gäste eingeladen

von l. Willy Dräxler, José Palalzón und Pepe Alonso Sanchez. Foto: Hermann Eisenhardt

Schwere Vorwürfe erhoben beim Interview mit dem „Kreisboten“ die beiden Menschenrechtsaktivisten José Palazón und Pepe Alonso Sanchez sowie Willy Dräxler vom Flüchtlingsreferat der Caritas: Spanien behindere die Rechte von migrationswilligen Flüchtlingen schon außerhalb Europas, nämlich in der spanischen Exklave Melilla. Die in Marokko liegende Stadt mit heute etwa 70 000 Einwohnern gehört seit 1497 zu Spanien. Dort gibt es in der ein riesiges Auffanglager, in dem Schwarzafrikaner, aber auch Asiaten untergebracht werden, bis ihr Asylantrag bearbeitet ist. – Wenn die Flüchtlinge überhaupt einen Asylantrag stellen können. Denn das versucht das EU-Land Spanien möglichst zu verhindern. Und die Marokkaner helfen ihnen dabei immer wieder.

Die spanische Exklave war von Marokko ursprünglich nur durch einen etwa ein Meter hohen Zaun abgegrenzt, bis es im Herbst 2005 zu einem skandalösen Eklat kam: Hunderte afrikanische Flüchtlinge versuchten den Zaun nach Melilla zu überwinden. Dabei wurden mindestens 14 Menschen erschossen und es gab zahlreiche Verletzte. Ob die tödlichen Schüsse von marrokanischen oder spanischen Grenzsoldaten stammten, konnte nie geklärt werden. Sicher ist nur eins: Mit der Verhinderung des Übertritts auf das spanische Staatsgebiet von Melilla verhinderten die spanischen Behörden gleichzeitig die in der EU vorgeschriebene Anmeldung der Asyl suchenden Flüchtlinge bei den Stadtbehörden und damit deren offizielle Registrierung. Jetzt, so erzählt Palazón, verfügt Mellila über eine neun Meter hohe „hochmoderne“, dreifache mit Nato-Stacheldraht, automatischer Pfeffersprayanlage und Bewegungsmeldern gesicherte Grenzschutzanlage, die kaum mehr zu überwinden sei. Sie umgibt die Stadt bis zum Meer hin. So bleibt für die Flüchtlinge eigentlich nur die letzte Möglichkeit, schwimmend vom Meer aus die Stadt zu erreichen, sich dort bei den Behörden als Asylsuchende zu melden und registrieren zu lassen. Das glücke aber nur sehr selten. Denn die spanischen Behörden, so der Vorwurf der Caritas sowie der Menschenrechtsaktivisten Palazón und Sanchez, nehmen die Menschen als illegale Einwanderer fest und verschleppen sie zwangsweise auf marokkanisches Staatsgebiet. Die beiden „Flüchtlingshelfer“ erzählten, dass die Schwarzafrikaner auch durchaus weit in die Wüste verschleppt und dort „frei“ gelassen, richtiger: brutal einem mehr als ungewissen Schicksal überlassen werden. Spanische und marokkanische Behörden behindern also gemeinsam, allerdings auf illegale Weise, den Zustrom der Asylsuchenden in die EU oder in andere Teile der freien Welt. Mittlerweile haben Palazón und Sanchez ein Untergrundnetz aufgebaut. Damit werden Flüchtlinge von den beiden Helfern an den offiziellen Grenzübertrittstellen empfangen und zu den Meldebehörden begleitet. So müssen sie die Behörden registrieren und die Flüchtlinge können, ohne Angst vor illegaler Verschleppung durch die Behörden, ihren Asylantrag stellen. Insgesamt leben derzeit knapp 600 Asylsuchende im Auffanglager von Melilla. Sie warten zumeist Jahre, bis durch spanische Gerichte entschieden wird, ob sie Asyl erhalten oder nicht. Für seinen mutigen Einsatz für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten an der außereuropäischen Grenze in und um Melilla erhielt im Jahr 2007 José Palazón den Menschenrechtspreis der Stiftung „Pro Asyl“.

Meistgelesen

Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
Schüler präsentieren ihre Projekte
Schüler präsentieren ihre Projekte
Linienbus in Vollbrand
Linienbus in Vollbrand
Naturjuwele fusionieren
Naturjuwele fusionieren

Kommentare