China - Wirtschaftsweltmeister von morgen? - Über den Zukunftsmarkt im Reich der Mitte referierte der frühere Diplomat von der Heyden in FFB

Neben dem China-Referenten Dr. Albrecht von der Heyden (v.li.) der Konsul für Handel und Wirtschaft des Generalkonsulats der Volksrepublik China in München, TAO Bailing, KHS-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Volker Thieler und Landrat Thomas Karmasin. Foto: Günter Schäftlein

Auf Einladung der Brucker Kester-Haeusler-Stiftung und in Anwesenheit des Konsuls für Handel und Wirtschaft des Generalkonsulats der Volksrepublik China in München, TAO Bailing, trug der langjährige Diplomat im Dienst des deutschen Auswärtigen Amtes und Chinakenner mit 7-jähriger Erfahrung, Dr. Albrecht von der Heyden, seine neutrale Sicht zum heutigen Reich der Mitte vor. „China - Chancen nutzen, Potentiale erkennen, Risiken vermeiden“, ist die Generalanforderung an alle künftigen Investitionen, auch für kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland.

Vorstandsvorsitzender der Kester-Haeusler-Stiftung in FFB, Prof. Dr. Volker Thieler, stellte den Referenten vor. Von der Heyden bleibt als Ehrenprofessor der Tongji-Universität in Shanghai über jährliche Besuche dort mit den tagesaktuellen Entwicklungen in Erfolgen und Problemen des Gesamtlandes in enger Berührung: Mit weiteren ehemaligen Botschaftern und Generalkonsuln gründete man inzwischen als „Diplo-Consult“ eine weltweit angelegte „Plattform für eine länderspezifische Beratungstätigkeit“. Denn in diesem Riesenreich wuchsen in den letzten Jahrzehnten die Industrieerzeugnisse und Umsätze gigantisch, aber rechtliche Voraussetzungen für nicht-chinesische Investoren (insbesondere gegen den regierungsseitig in Verträgen verordneten „obligatorischen Technologietransfer“), aber auch im Kartellrecht, Patent- und Markenschutz und allgemein im Schutz geistigen Eigentums hinken noch etwas hinterher - das liege zumeist an der mangelnden Personalausstattung zur Wahrung der Aufgaben auf Landes- und Provinzebene. Zu den notwendigen Aufklärungen und Änderungen auf diesem wichtigen Wirtschaftsgebiet, stellt der ausgebildete Jurist und Rechtsanwalt Dr. von der Heyden sein Fachwissen bei den Besuchen in Shanghai zur Verfügung. Dass die schon vorhandenen deutschen (und stark bayerischen) Großunternehmen sich in der jüngeren Vergangenheit im Krisenjahr 2008 (Lehman Brothers) richtig verhalten haben, zeigt die Entwicklung auf dem Lohnsektor: Jene hätten die Volksrepublik nicht als Billiglohnland und „verlängerte Werkbank“ betrachtet, sondern auf eine langfristige Perspektive ihres Engagements geachtet und vernünftige Löhne bezahlt. Andere Länder - u.a. Südkorea und Japan - achteten nur auf den Lohnkostenvorteil und zogen sich wieder zurück. China ist inzwischen weltweit größtes Exportland mit einem Volumen 2011 von 1,9 Billionen US-$ (plus 20,3% zu 2010) und hat den langjährigen Exportweltmeister Deutschland längst überholt. Die USA als größte Volkswirtschaft weltweit erreichte 2011 ein Volumen von 15,1 Billionen US-$, China als zweitgrößte (seit 2010) 7,7 Bill. US-$ (Japan = 5,9 Bill., Deutschland 3,6 Bill.). China verzeichnet seit Mitte der 90er Jahre jährliche Wachstumsraten um 10% und mehr, mit einem Spitzenwert von 14,2% 2007 und einer Abflachung seit dem Krisenjahr 2008 auf „nur“ noch 9,2% in 2011. Allerdings darf sich das Wachstum nicht auf unter 8% abschwächen, weil sonst nach regierungsseitigen Berechnungen die Jugendlichen im arbeitsfähigen Alter (jährlich 6 Millionen) „nicht mehr voll in den Arbeitsmarkt integriert werden können“. Von 1,3 Mrd. Menschen leben knapp 650 Millionen auf dem Land und hiervon die Hälfte von der Landwirtschaft, welche insgesamt aber nur noch etwa 10% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt. Der Anteil der Industrie beträgt heute rund 47% und der Dienstleistungen rund 43% am BIP. Diese Entwicklung bedinge neben einem riesigen Energiebedarf, dass China inzwischen der „weltweit größte Emittent von CO2-Stoffen“ sei, also der größte Luftverschmutzer. Aber: Auch für die chinesische Führung - neben anderen Staaten - gebe es in diesem Punkt bereits in Sachen Umweltschutz „Druck von innen und außen“. Unverkennbar sei jedoch, dass die Führung unnachsichtig Fehlleistungen in puncto Sicherheit bei Unglücken und Umweltschäden bei Katastrophen verfolgen ließe, was auch für das Bekanntwerden von Missständen (einschließlich Korruption) gelte. „So beinhaltete das Thema der Gebäudesicherheit nach dem Sichuan-Erdbeben 2008 offensichtlich eine Art sozialen Sprengstoff“. Im - so Dr. von der Heyden - „ vom Grundsatz her marktwirtschaftlich geprägten Wirtschaftssystems der Volksrepublik existiere offensichtlich noch kein allseits als befriedigend empfundenes System der sozialen Sicherung (Sozial-, Renten-, Kranken-, Unfallversicherung) einschließlich der Sicherheit am Arbeitsplatz. Eng damit verknüpft ist u.a. die Versorgung der Wanderarbeiter aus dem Landesinneren in die Küstenregionen, auf bis zu 250 Millionen Menschen geschätzt.“ Deutschland ist für China ein sehr wichtiger und strategischer Wirtschaftspartner. Die deutschen Exporte erhöhten sich in dieser Richtung 2011 um 20% auf die Rekordmarke von 53,8 Mrd. Euro - und in wenigen Jahren kann China die USA als größtes Abnehmerland für deutsche Waren und Dienstleistungen ablösen. Und: Für Bayerns Außenhandel war China im 1. Quartal 2012 wichtigster Handelspartner: „Das Handelsvolumen (Exporte und Importe) liegt mit 7,1 Mrd. Euro knapp vor dem benachbarten Österreich und deutlich vor den USA.“ Dank Autos und Wohnmobile, Maschinen und Fahrzeugteile. Die Volksrepublik gehe unbeirrt ihren wirtschaftlichen Weg und strebe den ersten Platz im Welt-Ranking an. Den Weg hierzu öffnete im entscheidenden Moment der Beitritt zur WTO 2001. Aber „die Umsetzungen der damit verbundenen Regelungen bleibt ein besonderer Schwerpunkt des wirtschaftspolitischen Dialogs der EU mit China“. Dabei bliebe auch ein Ziel unverändert: „Shanghai zu einem mit New York und London vergleichbaren Finanzplatz zu machen …“ Anmerkung: Mit dem ehemaligen Generalkonsul in Shanghai, Dr. Albrecht von der Heyden, konnte die Stiftung nicht nur einen erfahrenen Rechtsexperten, sondern auch einen renommierten Experten für das Thema Wirtschaftsförderung allgemein sowie insbesondere in China, Indonesien sowie Mittel- und Osteuropa gewinnen. Im Anschluss an seine Lehrtätigkeit mit dem Schwerpunkt Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bielefeld war Dr. von der Heyden ab 1973 im Auswärtigen Dienst tätig, wo er nach drei- bis fünfjährigen Auslandsaufenthalten u.a. in Moskau, Caracas, Peking, Jakarta und New York im Jahr 2010 als Generalkonsul in Shanghai seine aktive diplomatische Laufbahn beendete. Der promovierte Jurist mit volkswirtschaftlichem Hintergrund - u.a. Arbeit über deutsches und europäisches Kartellrecht - berät Unternehmen und Verbände, aber auch öffentliche und private Institutionen sowie Handelskammern und Universitäten im In- und Ausland über Themen der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit insbesondere im Wirtschaftsbereich. Diese Tätigkeit steht in engem Zusammenhang mit DiploConsult, einem Verein, der kürzlich von ehemaligen Botschaftern und Generalkonsuln gegründet wurde, um auf ihre weltweit, in einem Berufsleben in leitender Funktion erworbene Beratungskompetenz aufmerksam zu machen.

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