Christian Ude unter den wachen Augen der CSU-Prominenz zu Gast bei 300 Landfrauen – Kritische Auseinandersetzung mit dem Landfrauen-Jahresthema

Ohne Manuskript, aber mit einer breitgefächerten Sicht der allgegenwärtigen Dinge in Stadt und Land und Zukunft: OB Christian Ude in Mammendorf. Fotos: Günter Schäftlein

In Anwesenheit von Staatsminister a.D. Reinhold Bocklet, MdL Katrin Sonnenholzner, Landrat Thomas Karmasin und der Bürgermeister von Puchheim, Olching, Mammendorf, Moorenweis, Emmering, Jesenwang sowie Ex-OB Dr. Braun entwickelte sich im Bürgerhaus Mammendorf nach dem Gottesdienst eine kritische Auseinandersetzung mit dem Landfrauen-Jahresthema „Von innen gestärkt – für Neues offen“.

Eine ganz spezielle, umfassende Sicht der gegenwärtigen Erlebensdinge steuerte - gelegentlich zornig - Münchens OB Christian Ude bei, ganz ohne Manuskript, Punkt und Komma. Vorab stellten die beiden Kreisbäuerinnen Gabi Waldleitner und Annemarie Schlammerl auf dem Podium Fragen an MdL Reinhold Bocklet und Katrin Sonnenholzner, an Ex-OB Dr. Braun, Bgm. Joh. Thurner und BBV-Kreisobmann Joh. Drexl. Die Fragen betrafen das brachliegende Fliegerhorst-Flugfeld - früher Ackerland - und seine landwirtschaftliche Rückgewinnung ebenso wie die Auswirkungen der bevorstehenden Discounter-Ansiedlung in Mammendorf und den permanenten Flächenausgleich für irgendwelche Maßnahmen vor Ort ( u.a. einschließlich kommender Windkraftanlagen) und der weiteren EU-Flächenstilllegungspläne in 2014. Die Rückgabe der 1936 belegten Fliegerhorstflächen wäre nach 30 Jahren verjährt - und im übrigen im Bundesbesitz. Ein Discounter-Supermarkt wird als ortsnahe Versorgung der Bevölkerung gesehen und befinde sich in der Planungshoheit jeder Gemeinde. Ausgleichsflächen für alle möglichen Veränderungen - einschließlich Energiegewinnung und Stilllegungsanteile - sieht BBV-Kreisobmann Drexl als Existenzbnedrohung für den eigenen Milchbetrieb: „Es ist weltweit nichts wichtiger als eine ausreichende Nahrungsmittelerzeugung!“ Gabi Waldleitner sah dies im Rückblick auf 2011 mit menschlichen Tragödien, allen Querelen zum gemeinsamen Euro und landwirtschaftlichen Rückschlägen genauso, angefangen mit Fukushima, landwirtschaftlichen Flächenverknappungen bis zu EHEC im Frühsommer mit 53 Toten in Deutschland und einem Gemüse-Generalverdacht: „In den Medien werden wir Landwirte mitunter als Tierquäler und Umweltverschmutzer dargestellt. Dabei ist es in unserem ureigensten Interesse, dass es unseren Tieren gut geht. Wir wollen unsere Betriebe gesund an die nächste Generation weitergeben!“ Und das will sie mit der eigenen Fragestellung „Was stärkt mich von innen?“ - Es sind die Wurzeln aus Heimat, Tradition, Glaube, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, Familie, Partner, Freunde. OB Christian Ude als Festredner zählte die Ehrengäste vor ihm und befand sie als ausschließlich männlich: „Der gerechte weibliche Anteil ist noch immer nicht überall angekommen!“ Er selbst bezeichnete sich als „größten Biobauern in München“, obwohl er keine Ahnung davon habe und ihm davon auch nichts gehöre. Aber der Stadt in den eigenen Mauern und im Umland: 840 Hektar davon ökologisch bewirtschaftet, 476 Hektar in konventioneller Landwirtschaft. Dies wurde schon von den Stadtvorvätern als Grundstücksvorratbewirtschaftung (auf Versuchsgütern) so angelegt, um in Krisenzeiten die Versorgung der Münchner sicherzustellen. Auch die von den Stadtwerken als Wassereinzugsgebiet beanspruchten Flächen im Mangfalltal wären als städtische Güter eine Heimstätte für regenerative Energien, zum Nutzen von vielen Familien und deren Anbau ökologischer Lebensmittel. Ude bezeichnete die staatliche Veräußerung der Bayernwerke - des viertgrößten Energieerzeugers bundesweit - unter Stoiber als größten Fehler. Und: „Die Stadtwerke sind unverzichtbar als Gegengewicht zu den Stromgiganten.“ Er plädierte für Überschaubarkeit in der städtischen Bebauung. Für sein Wohlgefühl müsste der städtische Mensch das befreiende Umland zügig erreichen können, denn „es ist nicht so, dass die Mega-Metropolen zur Lebensqualität beitragen!“ Allerdings: Weltweit lebt bereits mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten. Ude geißelte die Finanzindustrie mit ihren atemberaubenden Wertschöpfungen. Die ökonomischen Verhältnisse wären derzeit eine einzige Katastrophe, die Entfesselung der Finanzkräfte gelte als oberstes Gebot: „Eine Fehlentwicklung, die ganze Volkswirtschaften in die Verelendung führt und auch die Lebensmittelbestände zu einer Finanzspekulation macht.“ Die Menschen betrachteten das „Anwachsen der Nullen“ mit einem abgrundtiefen Misstrauen den Finanzinvestoren gegenüber. Nach den atomaren GAU’s von 1986 und 2011 und weiteren künftigen Nuklearkatastrophen würden Riesengebiete des Globus unbewohnbar sein. Hans-Jochen Vogel hätte schon vor 25 Jahren leidenschaftlich gegen die Ausweitung der Atomstromerzeugung argumentiert. Für eine überlebensfähige Landwirtschaft sieht Ude die Notwendigkeit des engen Miteinanders zwischen Landwirtschaft und der Nähe zum Verbraucher. „Die eigene Ernährung ist mir mehr wert, zum Wohl einer schonend arbeitenden Landwirtschaft.“

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