Eine Öffnung ist nicht in Sicht

Kein Starttermin: Fitness-Studios hängen weiter in den Seilen

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Jedes zweite Gerät ist gesperrt, um den Mindestabstand einzuhalten – so könnte das Training mit Hygienekonzept aussehen, wie hier bei PhysioVital in Fürstenfeldbruck.
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Trainingsraum im Infit.
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Bei Mrs. Sporty trainieren die Frauen kontaktlos an Stationen vor Monitoren.
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Die Outdoortrainingsfläche des Hardy´s Fitnesstudios.

Landkreis Fürstenfeldbruck - Gastronomen, Hotel-Besitzer und Campingplatz-Betreiber können aufatmen, denn sie wissen, wann sie wieder öffnen dürfen. Anders sieht es bei Fitness-Studios aus. Inhaber wissen nach wie vor nicht, wann und zu welchen Bedingungen sie öffnen können. Beim ein oder anderen Betreiber sorgt das für Unmut und Unverständnis.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck sind rund 15 Prozent der Bevölkerung in einem Fitnessclub angemeldet. All diese Mitglieder können derzeit ihr Studio nicht besuchen. Viele von ihnen halten sich jetzt zu Hause fit. An Angeboten mangelt es derzeit jedenfalls nicht. So bieten viele Fitnessstudios im Landkreis beispielsweise Live-Videos zum Mitmachen, Trainingsvideos, Online-Coaching mit Trainer über Videochat oder Trainingspläne im Internet zum Nachtrainieren an. So auch Florian Möger, der Inhaber der Fitnesskette Hardy‘s. Er betont: „Es gibt Gründe, warum bestimmte Personen Mitglied in einem Studio sind.“ 

Mögliche Vorgaben sollten kein Problem sein

Auch die Brucker Mrs. Sporty-Betreiberin Evelyn Leberski sagt: „Für die ist das Onlineangebot lediglich eine Alternative und sie machen es nur so lange wie nötig.“ Neben den Onlineangeboten nutzen einige Studios die mitgliederfreie Zeit für Renovierungsarbeiten wie Peter Nemecek von den Infit-Studios FFB, Germering, Dachau und Herrsching erzählt. Neue Geräte, einen neuen Anstrich und Grundreinigung standen hier genau wie bei Hardy‘s auf dem Plan. Gleichzeitig machten sich die Studio-Besitzer über mögliche Hygienekonzepte Gedanken, sollten sie bald wieder öffnen dürfen. Evelyn Lemerski erzählt: „Bei mir trainieren die Frauen sowieso kontaktlos an Stationen vor Monitoren. Ich würde die Umkleiden und Duschen sperren.“ Sie müsse nur wissen, wie viele Trainierende sie pro Quadratmeter einlassen dürfe. „Ich wäre dann sofort startklar.“ Auch im Hardy‘s wäre eine Einlassbeschränkung kein Problem, da alle kommenden Mitglieder registriert werden. Er würde außerdem das Reinigungspersonal aufstocken sowie die Abstände zwischen den Gästen vorgeben, indem er einige Geräte vom Strom nimmt. 

Für MS-Patienten und Personen mit Rückenproblemen ist Sport wichtig

Auch beim Physio Vital hängen die Absperrbänder auf Laufbändern und Fahrrädern. „Wir haben Geräte auseinander gestellt, manche gesperrt, Desinfektionsspender gibt es schon immer“, erzählt Udo Fesser vom Physiovital und erinnert, dass der Hygienestandard in Fitnessstudios immer hoch sei und er deshalb nicht verstehe, warum diese so lange auf ihre Eröffnung warten müssen. Zudem kritisiert er: „Wir werden mit Wettbüros und Spielkasinos gleichgestellt, leisten aber einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Bürger“, sagt der Fitnessstudiobesitzer und Physiotherapeut und erzählt: „Viele Mitglieder kommen nun mit ärztlichem Attest zu mir, weil ihnen die Sportpause nicht guttut.“ Dies bestätigt auch Florian Möger: „Ich bekomme Rückmeldungen von Patienten, die sich medikamentös neu einstellen müssen, weil ihnen der Sport hier fehlt.“ Vor allem für MS-Patienten oder Personen mit Rückenproblemen sei der Sport im Studio wichtig. „Jungen Personen schadet es nicht, wenn sie einmal drei Monate nicht trainieren, aber den 80-Jährigen wirft das massiv zurück, der kann das nicht mehr einholen“, sagt er weiter und vermutet, dass die lange Pause irgendwann eine finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem werden würde. 

Finanzielle Soforthilfen lassen auf sich warten

Finanzielle Soforthilfe haben alle vier Studio-Besitzer beantragt, bei einigen ist von dem Geld noch nichts angekommen. Dennoch bieten alle eine Rückzahlung der Mitgliedsbeiträge an oder lassen diese nicht abbuchen. Udo Fesser ist allerdings froh, dass davon nur wenige gebrauch machen und viele aus Solidarität weiter zahlen. Auch Nemecek hofft auf die Loyalität der Kunden. Möger meint: „Hätten wir ab dem ersten Schließungstag keine Beiträge bekommen, wären wir jetzt schon insolvent.“ Er nennt die aktuellen Beiträge deshalb Vertrauensdarlehen und betont: „Die Beiträge sind nicht umsonst gezahlt, jedes Mitglied bekommt sie bei der nächsten Verlängerung gutgeschrieben.“ Leberski sagt zu ihren nicht eingezogenen Beiträgen: „Viele haben davon Gebrauch gemacht, die meisten sind jedoch selbst wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit von der Krise betroffen.“ 

Miriam Kohr

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