CSU-Antrag lässt viele Fragen offen

Braucht Bruck einen Gewerbehof?

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Im Brucker Rathaus überlegt man über geeignete Maßnahmen zur Wirtschafts- und Mittelstandsentwicklung in der Stadt.

Ein CSU-Antrag zur Wirtschafts- und Mittelstandsentwicklung sorgt im Kultur- und Werksausschuss für Verwunderung. Die Frage, welches Problem man damit auf welchem Weg lösen wolle, konnte die CSU-Fraktion in Abwesenheit des kurzfristig verhinderten Antragstellers Markus Droth (CSU) nicht schlüssig beantworten. Stattdessen versuchten sich Jan Halbauer (Grüne) und Philipp Heimerl (SPD) in Erklärungsversuchen.

Fürstenfeldbruck - Droth möchte mit seinem Antrag unter anderem erreichen, dass die Stadt „das Gewerbehofmodell, wie in München beispielsweise praktiziert“, prüft und Investoren bei der Umsetzung eines solchen Modells gegebenenfalls unterstützt. Aliki Bornheim, im Rathaus zuständig für die kommunale Wirtschaftsförderung, hatte hierzu Rudolf Boneberger als Referenten eingeladen. Der Geschäftsführer der Münchner Gewerbehöfe und Technologiezentrumsgesellschaft, einer stadteigenen GmbH, erläuterte den Ausschussmitgliedern Konzept und Betrieb der sechs Münchner Gewerbehöfe, in denen insgesamt 342 Firmen untergebracht sind. 

Anteil Gewerbeflächen suchender Handwerksbetriebe in Bruck eher gering

Mieter sind hauptsächlich Handwerksbetriebe, für die Gewerbeflächen in der Stadt kaum noch zu bekommen sind. Grund sind sowohl die hohen Immobilienpreise als auch die Gentrifizierung der Münchner Innenstadtviertel. „Die Bewohner sanierter Altbauwohnungen wollen statt der Schlosserei, die morgens um sechs Uhr mit dem Beladen anfängt und Lärm macht, lieber ein schickes Architekturbüro, das um 10 Uhr geräuschlos seinen Betrieb aufnimmt und möglichst zweimal im Jahr ein Hoffest veranstaltet“, veranschaulicht Boneberger die Problematik. Genau das ist der springende Punkt. „Haben wir in Fürstenfeldbruck überhaupt Bedarf an solchen Gewerbeflächen“, wollte Tommy Beer (BBV) wissen. Laut Bornheim ist der Anteil Gewerbeflächen suchender Handwerksbetriebe tatsächlich eher gering. Auch Boneberger empfahl den Ausschussmitgliedern, „sich vorher genau zu überlegen, wofür man einen Gewerbehof konzipiert beziehungsweise braucht“, da Fürstenfeldbruck und München unterschiedliche Voraussetzungen haben. 

Eine Lösung ohne Problem

Für Klaus Wollenberg (FDP) war ohnehin nicht klar was Droth, der den Antrag im Namen der CSU-Fraktion stellte, damit genau bezwecken wolle. „Welches Problem will man lösen und auf welchem Weg will man es lösen“, insistierte der Kulturreferent. Zudem kritisierte er dass Bruck eher Gewerbeflächen für Dienstleister, Kreative und Startups benötige, denn für das Handwerk. Entschieden widersprach er auch einer mehrgeschossigen Verdichtung, die im Antrag in Bezug auf die Gewerbeentwicklung als Leitziel gefordert wird. Von den vier anwesenden Vertretern der CSU-Fraktion meldete sich schließlich einzig Georg Jakobs zu Wort. Erhellendes konnte aber auch dieser nicht beitragen, weil er sich „in den Antrag nicht eingelesen“ habe und über Detailfragen keine Auskunft geben könne, da er es schlichtweg nicht wisse. 

Antrag wird angenommen, da er nicht konkret genug ist

Für Halbauer hingegen hat sich „der Kollege Droht schon was dabei gedacht.“ So verteidigt der Grüne die von Droth geforderte Verdichtung und den damit einhergehenden Bau in die Höhe, um den Flächenfraß zu stoppen. Und Philipp Heimerl (SPD) betonte, dass sich die Stadt in erster Linie ohnehin um Unternehmen aus den Bereichen Umwelt und High-Tech bemühe. Für Handwerker sieht der Wirtschaftsreferent, wie die meisten anderen Ausschussmitglieder auch, keine größeren Probleme, Räumlichkeiten zu finden. Auf Antrag der Ausschussvorsitzenden Karin Geißler (Grüne) wurde der Antrag von einer großen Mehrheit schließlich doch angenommen. „Der Beschlussvorschlag ist wenig konkret formuliert und tut keinem weh. Die Stadt wird in absehbarer Zeit ohnehin keine GmbH gründen, da schlichtweg das Geld dafür fehlt“, warb die dritte Bürgermeister für Zustimmung.

Peter Fischer

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