Damals und heute

Mit einem eigenen kulturgeschichtlich-dörflichen Heimatverein wie „d’ Buachhamer“ und ihrem rührigen Vorsitzenden Johann Aichner wird man sich nur sehr zögerlich auf einen neuen Gemeinschaftsbegriff wie die „Stadt Puchheim“ zubewegen. Das findet eben eher alles Kilometer weiter nördlich statt, auf ehemaligem Moosboden, in heutigen Hochhäusern mit S-Bahnanschluß und einem kulturellen Zentrum wie im PUC.

Unverkennbar, dass die „Ortler“ ein Eigenleben führen und mit sich und ihrem direkten Zuhause sehr zufrieden sind – erst recht nach der Verkehrsberuhigung durch die B2-Umlegung. Die Landkreis-Publikation von 1993 nennt in knapper Form für den namensgebenden Ortsteil am Rande der heutigen Stadt: „….In denkmalpflegerischer Hinsicht kann Puchheim die Kirche und das Pfarrhaus in Puchheim-Ort aufweisen, den Taubenkogel im Hof des Hotels Parsberg („Prachtbau im türkischen Kioskstil.“) und die kleine, aber bedeutende Laurentiuskapelle, einst eine Flurkapelle , sowie die Parkanlage bei der steinernen Ente.“ Alles andere in dieser Publikation ist Puchheim-Bahnhof gewidmet: Beispielhaft wie auch jetzt in „Puchheim aktuell“ vom 27. Mai. Die „Ortler“ sind deswegen nicht gram. Sie wissen ihre fabelhafte Ländlichkeit zu schätzen. Der Verein „d’ Buachhamer“ etwa hatte jüngst zu einem geschichtlichen Dorfspaziergang eingeladen und 20 zumeist ältere Semester folgten den Ausführungen von Hans Aichner zwischen dem Oberen Laurenzer Weg und der Kirche Maria Himmelfahrt nahe dem Parsberg. Die Kirche ist im Pfarrverband mit St. Josef in Puchheim-Bf. verbunden und kann ein neues, einladendes Pfarrheim vorweisen, in dem unter anderem auch Kunstausstellungen der künstlerisch tätigen „Ortler“ stattfinden. Im Mittelpunkt einer Kreuzung an der Mitterlängstraße steht die kleine, feine Laurentiuskapelle, inzwischen renoviert und in ihren Anfängen aus den Jahren 1860/70 stammend. Die über 100-jährige Linde neben ihr wurde im Vorjahr gefällt. Es gab auch in Puchheim-Ort eine zweite Dorfkirche mit der „Laurentiuskirche“ (abgebrochen 1784), in der die kirchlichen Dinge bis 1764 stattfanden. Die Märtyrer-Legende des Heiligen Laurenz spielte laut Hans Aichner in Rom: Er war einer von damalig sieben Diakonen, den die Christenverfolger im wahrsten Sinne „grillten“. Nach ihm als frühchristlichen Heiligen sind in Rom 30 Kirchen benannt. „Seine Bedeutung hat man in Puchheim unterschätzt.“ Der Heimatkundler führte über den Oberen Laurenzer Weg hinaus in die Feldflur, wo angrenzend an ein heutiges Weizenfeld in den 60er Jahren bei Kanalisationsarbeiten ein bajuwarischer Friedhof entdeckt wurde. Bei den gleichen Arbeiten hatte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege 1963 einen „rechteckigen, unterteilten Bau mit Hypokaustanlage“ (antike Bodenheizung) ausgegraben, der wohl zu einer römischen „Villa rustica“ gehörte. Ein Blick von Hans Aichner hinüber zur Hoflacher Bergkirche brachte Mittelalterliches zu Tage: Die „Schlacht von Alling/Hoflach“ im September 1422. Die Kirche, eine dankbare Stiftung von Herzog Ernst von Bayern-München für die Errettung seines Sohnes Albrecht, war sichtbarer Ausdrucks des Erfolgs in einer Hausfehde über den bärtigen Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt. Aichner: „Aber Puchheim wurde dabei nicht eingeäschert, eher wohl im 30-jährigen Krieg.“ Beim „Unterwirt“ am Maibaum, früher Anwesen Nr. 19, etwa von 1870, heute im Besitz der Familie Anton Schmidt, gab es weitere Geschichtsaufklärung, so über die im Ort geltende „Ehehaft-Ordnung“ von 1677. Die galt insbesondere für den über Jahrhunderte tätigen Bader, ebenso Zahnreißer wie Geburtshelfer, Chirurg, Reinigungsspezialist und Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Natürlich gab es im Dorf auch einen „Oberwirt“: Seit dem Bau der Augsburger Straße dort ansässig, wo sich heute Hotel und Gasthof Parsberg befinden. In der Dorfstraße 25, „Beim Langkramer“, früher Anwesen Nr. 9, heute im Besitz der Familie Leutenstorfer und einer der ehemals größeren landwirtschaftlichen Höfe, blickt man auf eine Tradition von 180 Jahren zurück. Von dort ist es nicht mehr weit zum Pfarrhaus und zur Kirche Maria Himmelfahrt. Bei seinen Erläuterungen ging Hans Aichner insbesondere auf die schulische Situation im Dorf seit Bestehen ein: 1847 wurde die Schule eingeschossig gebaut, musste jedoch bereits 1875 einschließlich der einbezogenen Gemeindekanzlei neu errichtet werden. Um 1900 saßen dann 104 Schüler in einem Raum, so dass man um einen Neubau 1904 nicht herumkam. Der Schüler-Zuwachs im eigenen Ortsteil, aber auch aus Puchheim-Bahnhof in den 70er Jahren machte den Bau der „Laurenzer Schule“ erforderlich, die 1974 eingeweiht wurde und bis heute besteht.

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