Debatte um Verdichtung

Zu dicht: Bauausschuss übt Kritik an innerstädtischem Projekt mit 13 Reihenhäusern

Altbauten und Bäume in Fürstenfeldbruck Wernher-von-Braun- und Landsberger Straße im Schnee
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Die Altbauten werden samt Bäumen insgesamt 13 Reihenhäusern, sieben Carports und 19 Stellplätzen weichen.

Fürstenfeldbruck – Ein Bauvorhaben zwischen Wernher-von-Braun- und Landsberger Straße ruft bei Mitgliedern des Planungs- und Bauausschuss reichlich Unmut hervor.

Das geplante Projekt mit 13 Reihenhäusern und 26 oberirdischen Stellplätzen kann zwar nicht verhindert werden, wird jedoch zum Anlass genommen, grundsätzliche Überlegungen über eine maßvolle Stadtentwicklung anzustellen.

Einerseits will die Stadt dringend benötigten Wohnraum schaffen, anderseits fahrradfreundlicher werden und mehr für den Klimaschutz tun. Den Konflikt könnte kaum etwas besser veranschaulichen, als ein Neubauprojekt, das auf Antrag von Georg Jakobs (CSU) dem Fachausschuss auf seiner jüngsten Sitzung vorgelegt wurde.

Bäume müssen weichen und Kritik an Architektur

13 Reihenhäuser mit einer Grundfläche von knapp 700 Quadratmeter sollen entlang der Wernher-von-Braunstraße und an der Landsberger Straße bis 2022 errichtet werden. Hinzu kommen sieben Carports und 19 oberirdische Stellplätze. Kritisiert wurden vor allem die Stellplätze, denen viele Bäume zum Opfer fallen. Mirko Pötzsch (SPD), der sich eine derartige Verdichtung „sehr gut vorstellen“ kann, schließlich befinde man sich mitten in der Stadt, störte sich wiederum an der „08/15-Architektur.“ Auch Thomas Brückner (Grüne) bedauert, dass „keine Rücksicht auf den umliegenden, zum Teil liebevoll restaurierten Altbaubestand genommen“ werde. Stattdessen würden „Standard-Reihenhäuser reingeknallt“ und die Struktur eines gewachsenen Wohnviertels zerstört.

Debatte über maßvolle Stadtentwicklung

Rechtlich gäbe es allerdings „keine Möglichkeit mehr, planerisch einzugreifen“, erklärte Rechtsamtsleiter Christian Kieser, da aufgrund des gültigen Bebauungsplans für das Areal bereits Anfang 2019 ein positiver Vorbescheid erteilt wurde. Stadtbaurat Johannes Dachsel möchte das Projekt jedoch zum Anlass nehmen, eine grundsätzliche Debatte über eine maßvolle Stadtentwicklung anzustoßen und wie man darauf Einfluss nehmen könne.

Flächennutzungsplan der 80er

„Um gute Architektur zu sichern sowie Grünflächen und Baumbestand zu schützen, aber auch Wohnraum für Familien zu schaffen, bedarf es eines Gesamtkonzepts“, das definiert, wo man Veränderungen zulassen wolle und in welchem Maße, so Dachsel. Georg Stockinger (Freie Wähler) plädiert dafür, den aus den 80er Jahren stammenden Flächennutzungsplan dringend zu überarbeiten. BBV-Fraktionssprecher Christian Götz hält ein Stadtentwicklungskonzept für noch wichtiger, da dies wesentlich konkreter sei. Auch hätte man mit einer Freiflächengestaltungssatzung, über die im Stadtrat schon länger diskutiert wird, durchaus noch Einfluss nehmen können.

Klausur zum Thema angedacht

CSU-Fraktionschef Andreas Lohde sprach sich dafür aus, „zum Thema Bauen und Wohnen in Klausur zu gehen, um bestimmte Zielvorgaben zu artikulieren. Wir brauchen Wohnraum, aber Nachverdichtung muss auch verträglich sein.“ Auch Fraktionskollege Hans Schilling sieht Handlungsbedarf, „sonst wird das Stadtbild scheibchenweise verändert“ und Umweltreferentin Alexa Zierl (ÖDP) fordert die Klausur noch in diesem Halbjahr sowie eine Freiflächengestaltungssatzung baldmöglichst zu verabschieden.

Peter Fischer

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