Demokratie erfahren - Demokratie wertschätzen – Schüler-Projekte zum Holocaust und "Team-U18-Wahl"

Bundestagspräsident erläuterte Demokratie an Olchinger Gymnasium

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Die Schulleiterin des Olchinger Gymnasiums, Beate Sitek (re.) begrüßt Prof. Dr. Norbert Lammert und Gerda Hasselfeldt.

Olching – Mit dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Professor Dr. Norbert Lammert, konnte die Schulleiterin Beate Sitek, am 17. Juli, den nach dem Grundgesetz „zweiten Mann im Staat“ am Olchinger Gymnasium an der Georgenstraße begrüßen. Der 64-jährige Berufspolitiker, der auf Einladung der CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt das Olchinger Gymnasium besuchte, referierte über „Demokratie erfahren – Demokratie wertschätzen“.

Erziehung zur Demokratie und Politischen Bildung sei eine Aufgabe zunehmender gesellschaftlicher Dringlichkeit. Auch die Schulen sind gefordert, auf die Werteveränderungen in der Gesellschaft zu reagieren, eröffnete die Schulleiterin Beate Sitek die öffentliche Veranstaltung, die von der Jazz-Combo des Gymnasiums musikalisch begleitet wurde. 

Was Schulen im Rahmen der Demokratieerziehung alles zu leisten im Stande sind, erfuhren die Besucher anschließend, als Schülerinnen und Schüler ihre Projekte zur Förderung der Demokratie vorstellten. Ausgehend von der Ausschreibung zu einem Wettbewerb der Bundesjustizministerin erarbeiteten Schüler der 10. Jahrgangsstufe Unterrichtseinheiten zur Aufklärung über die Verbrechen gegen jüdische Mitbürger während der NS-Zeit und gegen Immunisierung gegen rechte Propaganda heute. Dazu schilderte der Holocaust-Überlebende, der 85-jährige Abba Naor, im Mai vor zwei Schulklassen seine Torturen während der Nazi-Zeit. 

Das zweite Projekt beschäftigt sich mit dem Rechtsextremismus. Schüler Julian Becker hat dazu einen Film gedreht, der in einem kurzen Probeausschnitt gezeigt wurde und sich damit beschäftigt, wie Jugendliche in die rechte Szene abdriften. Das dritte Projekt „Team-U18-Wahl“ ist eine fiktive Bundestagswahl für Kinder und Jugendliche, die eine Woche vor den „echten“ Bundestagwahlen durchgeführt wird. Die Schüler des Olchinger Gymnasiums nehmen bereits zum dritten Mal an der U18-Wahl teil. Heuer wird die Schule auch erstmals als Wahllokal fungieren. 

Ziel aller drei Projekte ist es, die Schüler zum einen für die Demokratie zu begeistern und zum zweiten die Verbindung Schule und Politik lebendig werden zu lassen. In einer knapp dreiviertelstündigen erfrischenden und nachhaltig beeindruckenden Rede stellte Dr. Lammert ein Plädoyer für die Staatsform Demokratie in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Dabei bezeichnete er die Demokratie als die beste Staatsform, vergaß aber dabei nicht, diese in ihrem alltäglichen Funktionieren auch kritisch zu betrachten. Die Stärken und Schwächen dieses politischen Gestaltungsprinzips in nationalen und internationalen Rahmen machte Dr. Lammert eindrucksvoll transparent. 

 Demokratie benötige aber das Engagement des Bürgers, so Dr. Lammert. „Im Gegensatz zum totalitären System, dass das Engagement der Bürger nicht braucht, ist die Demokratie die einzige Staatsform, die ohne das Engagement der Bürger nicht funktioniert.“ Für den Bundestagspräsidenten ist klar, dass es deshalb ohne Parteien keine stabile Demokratie gibt. Wen man wählen solle, wenn einem keine Partei so richtig gefalle, fragte der Bundestagspräsident in die Runde und gab die Antwort selbst: „So richtig gefällt mir auch keine Partei.“ Deshalb sei er vor 50 Jahren in die CSU eingetreten, denn er habe etwas verändern wollen. Doch die Zuhörer hatten nie den Eindruck, dass Dr. Lammert als CDU-Mann in Olching auftrat, so gab er sich nicht und so nahmen ihn auch die Zuhörer nicht wahr. 

Mit lang anhaltendem Applaus honorierten die anwesenden Gäste die Ausführungen des Bundestagspräsidenten, der von der Schulleiterin als kleine Erinnerung eine Fahrradklingel mit der Aufschrift „Olchinger Gymnasium“ erhielt. Mit dem Eintrag ins „Goldene Buch“ der Stadt Olching und einem anschließenden kurzen Stehempfang endete die Festveranstaltung. Der vorgesehene Vortrag der Wahlkreisabgeordneten Gerda Hasselfeldt mit dem Thema „Demokratie als Gemeinschaftsaufgabe – Möglichkeiten der Beteiligung“ fiel aus Zeitgründen aus. 

 Dieter Metzler

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