Tierschutz-Skandal im Schlachthof

SOKO Tierschutz fordert harte Strafen

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Aktivisten der SOKO Tierschutz demonstrierten vor dem alten Brucker Rathaus vor allem gegen eine Wiedereröffnung des Fürstenfeldbrucker Schlachthofes.

Fürstenfeldbruck – Mit einem Infostand und Mahnwachen am Brucker Hauptplatz suchten die Tierschützer letzten Samstag das Gespräch mit den Bürgern zum jüngsten Skandal um den Brucker Schlachthof. Auf ihrer Kundgebung forderten die Organisatoren eine strenge Bestrafung der Verantwortlichen und sprachen sich entschieden gegen eine schnelle Wiedereröffnung des Schlachthofs aus.

Flugzettel werden verteilt, Transparente mit Parolen wie „Keine neue Schlachtfabrik“ in die Höhe gehalten. Auf einem großen Flachbildschirm läuft Filmmaterial, das über einen längeren Zeitraum während einer Undercover-Recherche im Brucker Schlachthof aufgenommen wurde und letztendlich zu dessen Stilllegung führte. Es sind drastische Bilder, die selbst hartgesottene Mitmenschen irritieren. Viele Passanten bleiben interessiert stehen, lassen sich Info-Material geben und diskutieren mit den Aktivisten. Zahlreiche Besucher zeigen sich empört über die Zustände im Schlachthof, andere sind regelrecht schockiert. „Wir haben mit dieser Veranstaltung drei Ziele verfolgt“, sagt Maria Martens, Sprecherin der Organisation SOKO Tierschutz. „Zum einen wollten wir klar machen, dass dies kein Einzelfall ist und solche oder ähnliche Zustände immer wieder in Schlachthöfen zu finden sind.“ Ihrer Meinung nach ist es nicht damit getan, lediglich Mitarbeiter zu entlassen und durch neue zu ersetzen. Die Missstände lägen vielmehr im System begründet. „Zum anderen fordern wir, die Verantwortlichen härter zu bestrafen. Die Behörden müssen endlich konsequent durchgreifen und bayerische Schlachthöfe trotz des Wissens um massive Betäubungsprobleme nicht länger davon kommen lassen.“

Verunsicherung bei Verbrauchern

Neben weiteren dokumentierten Verstößen ist aus Sicht der Tierschützer vor allem eine mangelhafte beziehungsweise unzureichende Betäubung der Tiere das Hauptproblem. So würden Schweine immer wieder bereits blutend am Haken hängend erwachen und bis zu 30 Atemzüge lang mit dem Tod ringen. Zudem war es den Veranstaltern wichtig, die Leute darüber aufzuklären, dass sie als Kunde durch ihr Konsumverhalten mit solchen Zuständen sehr wohl zu tun haben. „Kunden haben oft auch falsche Vorstellungen von Bio-Labels wie beispielsweise bioland. Dass Tierwohl nicht an erster Stelle steht und Tiere auch hier zu Produktionseinheiten degradiert werden, zeigen die aktuellen Bilder“, so Martens. Hier offenbart sich das Dilemma für den Verbraucher. Im Gespräch mit Besuchern der Demo zeigt sich eine große Verunsicherung. Vielen Menschen fällt es in Anbetracht dieser Umstände schwer, noch ruhigen Gewissens Fleisch zu essen. Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, bedarf es überzeugender Lösungsvorschläge vonseiten aller Beteiligter. 

Landratsamt plädiert für einen Neuanfang

Ungeachtet dessen hält das Landratsamt laut einer Pressemitteilung vom Montag daran fest, dass es für den Schlachthof einen Neuanfang geben müsse. Nach einem Gespräch von Landrat Thomas Karmasin mit Vertretern der Metzgerinnung stimmten alle Beteiligten überein, „dass die Idee des Schlachthofs als einer regionalen Einrichtung mit möglichst kurzen Wegen nicht aufgegeben werden sollte.“ Eine mögliche Maßnahme als Reaktion auf die Verstöße wäre laut Landratsamt die Anwesenheit eines zweiten Kontrolleurs an Schlachttagen. Zudem stellt die Behörde klar, dass die momentane Untersagung der Durchführungen von Schlachtungen solange gelte, bis mehrere Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehöre die Benennung eines zuverlässigen und sachverständigen Tierschutzbeauftragten, die vollständige Erstellung von Standardarbeitsanweisungen für die einzelnen Arbeitsschritte und eine entsprechende Schulung aller Mitarbeiter sowie die Beseitigung baulicher Mängel. Wie dies im Einzelnen aussehen wird, bleibt abzuwarten – ebenso ob die Maßnahmen beim Verbraucher auch ankommen. 

Peter Fischer

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