»Hände weg von unseren Kindern«

Demonstration gegen Schnelltest-Maßnahmen an Schulen

Etwa 60 Demonstranten versammelten sich am 15. April auf dem Parkplatz des Fürstenfeldbrucker Landratsamtes.
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Etwa 60 Demonstranten versammelten sich am 15. April auf dem Parkplatz des Fürstenfeldbrucker Landratsamtes.
  • vonMaximilian Geiger
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Fürstenfeldbruck – Mallolai Buchner-Hamdard und ihrem Mann Rupert Buchner reicht es, ihnen gehen die Schnelltest-Maßnahmen an Schulen zu weit. „Keine Behörde darf die Gesundheit unserer Kinder gefährden“, befinden sie und so initiieren sie eine Demonstration auf dem Parkplatz des Landratsamtes in Fürstenfeldbruck.

Es geht ihnen laut eigener Aussage bei der Demonstration nicht darum, Corona zu leugnen oder die allgemeinen Maßnahmen anzuprangern, sie sehen sich nur als Eltern, die um das Wohlergehen ihrer Kinder besorgt sind. Ihre Kundgebung hatten sie für den 15. April von 9 bis 11 Uhr anberaumt und dies auch offiziell einige Tage zuvor angemeldet.

Und so fanden sich etwa 60 Menschen auf dem Parkplatz des Landratsamtes ein, in den Händen Ratschen und Rasseln, Töpfe und Kochlöffel, Pfeifen und Plakate. „Hände weg von unseren Kindern“ war auf einem der Transparente zu lesen, auf einem anderen „Lasst die Kinder wieder leben“. Die Veranstaltung lief ruhig ab, es gab keine Krawalle, keine Gewalt und keine rechten Parolen.

Schaden von den Kindern abhalten

„Es geht nicht darum, eine Bühnenshow hinzulegen, sondern sich zu trauen, sich hinzustellen und zu sagen, was man fühlt“, erklärt Buchner-Hamdard. Sie sehe es nicht nur als ihr Recht, sondern auch als ihre Pflicht, ihre Kinder zu schützen, auch vor in ihren Augen zweifelhaften Corona-Maßnahmen. Man wolle nur Schaden von den Kindern abhalten. Das findet auch ihr Mann, der froh ist, an diesem Tag sein Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrnehmen zu können und zu dürfen. Laut eigener Aussage sehe er eine „dramatische Gefährdung der Sicherheit der Kinder“ und nennt hierzu mehrere Punkte. So verweist er auf den psychischen Druck, der ihm zufolge auf den Schülern laste. Auch werde es laut Buchner zu einer sozialen Stigmatisierung des jeweiligen Schülers bei einem positivem Corona-Ergebnis kommen. Die Verantwortung der Lehrer, die nicht ausgebildet für solche Testungen sind, führt er zudem an. Auch sie wolle man mit dem Protest vor rechtlichen Folgen schützen, sollte etwas passieren. Besonders kritisch sehe Buchner jedoch eine mögliche Gefahr durch Selbstverletzung der Kinder durch das Einführen der Teststäbchen. Und auch der Abstand von 1,5 Metern zwischen Schülern und Lehrer sei seiner Meinung nach nicht gewährleistet durch die Testung.

Im Laufe der Demonstration schließen sich mehrere Redner dem Ehepaar an und sprechen spontan zu den Anwesenden. So erzählt etwa eine Mutter von ihrer Tochter, die zu Beginn ihres ersten Schuljahres motiviert in die Schule wollte, nun jedoch durch die Maßnahmen keine Lust und Kraft mehr habe. Das Homeschooling erdrücke laut Rednerin nicht nur ihre Tochter, sondern auch sie selbst. Die Nerven seien angespannt, es komme immer wieder zum Streit zwischen den beiden, weshalb ihr immer mehr die Kraft fehle, ihre Tochter zu motivieren.

BEV und BLLV äußern Bedenken über Testung an Schulen

Mit ihren Bedenken sind die Demonstranten nicht alleine. So begrüßt der Bayerische Elternverband (BEV) „zwar die Erhöhung der Sicherheit in der Schule, indem nur noch getestete Kinder am Unterricht teilnehmen. Dass aber das Testen in der Schule stattfindet, wird keineswegs begrüßt.“ So wäre der BEV vielmehr dafür, die Tests zu Hause durchführen zu lassen. Doch für zu Hause gäbe es noch keine Tests, die das Ergebnis eindeutig einem bestimmten Datum und einer bestimmten Person zuordnen.

Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) steht einer Testung an den Schulen kritisch gegenüber. Ihrer Meinung nach wäre es in Hinblick auf die Ansteckungsgefahr „wesentlich klüger“ den Test zu Hause durchzuführen und nicht im Klassenverband. Der BLLV will wissen, wo der Schutz der Schüler bei einem positiven Ergebnis bleibt und wo der Schutz der Lehrkräfte, denn Lehrkräfte sind kein medizinisches Personal.

Zwar sei dem BLLV bewusst, dass „Tests für die Pandemiebekämpfung von großer Bedeutung sind und die Sicherheit für alle an der Schule tätigen Personen, ob Schüler oder Lehrer erhöhen“, jedoch bedeute Aufsicht in ihren Augen auch Verantwortung. Und nicht für die korrekte Durchführung der Tests, sondern auch für die Unversehrtheit der Schüler. Der BLLV fragt sich deshalb: „Stellt man sich im Kultusministerium tatsächlich vor, dass Lehrkräfte 15 bis 30 Schüler bei einem gemeinsam durchgeführten Selbsttest so beaufsichtigen können, dass tatsächlich bei der Testdurchführung kein Kind in irgendeiner Weise verletzt wird?“ Mit ihren Bedenken schlagen sie in dieselbe Kerbe wie Buchner.

Maximilian Geiger

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