Depression als Thema beim Brucker Zeitgespräch - Gemütskrankheiten treffen Menschen aus allen Schichten

Die Sozialpädagoginnen (FH) Anette Widera und Susanne Thaler im Gespräch nach ihrem Referat im Gemeindesaal der ev. Gnadenkirche. Foto: Günter Schäftlein

Beide Mitarbeiterinnen im sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas Fürstenfeldbruck erläuterten das Gesamtbild „Depression“ als auffällig „bei Menschen aller sozialen Schichten, Kulturen, Nationalitäten und Altersgruppen“. 20% der Deutschen erkrankten mindestens einmal in ihrem Leben daran. Viele davon seien suizid-gefährdet, 10 bis 15% der Suizidversuche verliefen tödlich.

In einen für die Brucker Zeitgespräche ungewöhnlichen Themenrahmen - aber aufschlussreich für gut 50 Besucher - führte Bernd Riegel vom Gesprächeteam die Referentinnen im Gemeindesaal der ev. Gnadenkirche ein. Thaler und Widera definierten die Depression als eine „Erkrankung des Gemüts, die das Gefühlsleben, die Stimmung, Denken, Verhalten und Körperfunktionen der Betroffenen tiefgreifend und langfristig verändert.“ Betroffen sei hiervor der gesamte Alltag - über die gesamte Dauer der Erkrankung. Ein negatives Denkmuster herrsche vor. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl fehlten. Entscheidungen zu treffen fiele schwer. Zukunftsängste träten auf. „Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten.“ Die Betroffenen würden häufig soziale Kontakte vermeiden, Hobbys einstellen. Damit einher gingen körperliche Beschwerden wie Magenleiden und Appetitstörungen mit Gewichtsveränderungen, Kopf- und Rückenschmerzen. Nicht nur eine Ursache wäre für die Entstehung depressiver Störungen zuständig, sondern die Summe verschiedener Faktoren, unterteilt in zwei Bereiche: In den körperlichen und psychosozialen Bereich. Als - auch vererbbare - Ursachen für den körperlichen Bereich zählten das Wechselspiel mehrerer Gene, die Störungen von Botenstoffen im Gehirn, die Überaktivität von Stresshormonen. Im psychosozialen Bereich seien Belastungsfaktoren, aktuelle Verlusterlebnisse, Stress und chronische Überlastung Auslöser. Jedoch: „Depressionen sind durch eine konsequente und individuelle ärztliche und therapeutische Begleitung gut zu behandeln.“ Wichtig wäre es, erkrankten Menschen Mut zu machen, sich mitzuteilen und sich Hilfe zu holen, denn „Die Depression ist eine schwerwiegende Krankheit!“ Im Behandlungsverlauf wirken Antidepressiva stimmungs- und antriebssteigernd, wenn auch zumeist erst zeitverzögert. „Antidepressiva machen nicht abhängig und haben bei gesunden Menschen keine Wirkung." Eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung ist im allgemeinen am wirkungsvollsten.“ Bei leichteren Fällen von Depressionen hat sich die regelmäßige körperliche Bewegung bewährt. In der Tagesbewältigung sollte vermieden werden, morgens im Bett zu bleiben, auch wenn das Aufstehen sehr schwer fällt. Man sollte sich kleine, einfache und überschaubare Ziele setzen; über auch kleine Fortschritte könne man sich innerlich stärken. Vor zuviel Druck und zu hohen Erwartungen an sich selbst solle man sich schützen. Was können Angehörige tun? Unterstützung und Rückhalt durch vertraute Personen sind besonders wichtig. Aber auch neben dem depressiven Menschen nicht sich selbst vergessen: „Nur, wenn es Ihnen einigermaßen gut geht, können Sie auch eine Unterstützung für den erkrankten Menschen sein.“ Wichtig ist, das Terminvereinbaren und die Begleitung zum Arzt und Therapeuten zu übernehmen. Den Erkrankten im gesamten Alltag motivieren, ihn mit all seinen Empfindungen ernstnehmen. Floskeln vermeiden wie „Kopf hoch, das wird schon wieder …“ oder Ähnliches. Überforderungen im Zwischenmenschlichen vermeiden, aber Selbstmorddrohungen ernstnehmen: Den behandelnden Arzt rufen oder die Polizei; die Klinikeinweisung veranlassen. Für sich selbst sollten Angehörige sich Informationen über die Depression beschaffen. „Gefühle wie Wut, Trauer, Frustration sind in ihrer Situation ganz natürlich … Stehen Sie zu Ihren Gefühlen und akzeptieren sie.“ Die Referentinnen Thaler und Widera raten dazu, sich nicht selbst zu überfordern und Hilfe zu holen, bevor die eigene Belastungsgrenze erreicht ist. Und: „Schaffen Sie sich Freiräume, pflegen Sie Hobbys und auch noch Freizeitaktivitäten. Sie brauchen auch Abstand von der Krankheit.“ Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas Fürstenfeldbruck unter Tel. 08141-320719.

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