25 Jahre Deutsche Einheit: Der damalige Sprecher der DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft, Peter-Christian Bürger,  besuchte Olching  

Aus dem Tagebuch des Peter-Christian Bürger 

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Peter-Christian Bürger (2. v. r.) berichtete von der friedlichen Revolution in der DDR, (v. l.) Landrat Thomas Karmasin, Olchings Bürgermeister Andreas Magg, die CSU-Ortsvorsitzende und Vizelandrätin Martina Drechlser und Vizebürgermeister Robert Meier verfolgten  zusammen mit knapp 40 Gästen gebannt die Rede.

Olching – 25 Jahre Deutsche Einheit: Mit ein Auslöser für die damalige friedliche Revolution der DDR-Bürger war die Ausreise von Regimeflüchtlingen aus der Prager Botschaft in die Bundesrepublik. Mit Peter-Christian Bürger sprach ein Zeitzeuge der dramatischen Ereignisse beim Empfang der Olchinger CSU anlässlich des Jubiläums der Wiedervereinigung. „Ich bin weder Politiker, noch Diplomat; ich bin einfach nur ein Zeitzeuge und Botschafter für die Freiheit und Demokratie.“ Mit diesen Worten leitete Bürger seinen Vortrag vor knapp 40 Gästen im KOM ein. Dem

 Dem ersten Halbsatz entsprechend waren Bürgers Erzählungen unverblümt und von der Seele weg gesprochen. Vor allem Lesungen aus seinem Tagebuch berührten und führten den Gästen die Erinnerungen hautnah vor Augen siehe "Tagebuch").  1984 hatte Bürger einen Ausreiseantrag gestellt, der abgelehnt wurde. Fortan stand er unter der Beobachtung der Stasi – verdächtigt, ein Regimefeind zu sein. 1986 wurde er sogar wegen „Vorbereitung zum illegalen Grenzübertritt in schwerem Fall“ inhaftiert. 

Nach der Haftentlassung sah er eine Flucht in die Deutsche Botschaft in Prag als letzte Chance, aus dem System zu entkommen. Dort schwang Bürger sich zum Sprecher der Flüchtlinge auf. Bürgers Erinnerungen an den Tag, als Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erklärte, dass die Flüchtlinge in die Bundesrepublik ausreisen dürfen, bewegten die Zuhörer sichtlich. „Es war der emotionalste Moment meines Lebens“, sagte er. „Wir weinten, gröhlten, jubelten und fielen uns in die Arme; es war wirklich wahr.“ Es gebe nichts Schöneres und Erhebenderes, als wenn 4000 Menschen „Freiheit“ schreien – wie damals in der tschechischen Hauptstadt geschehen. „Das hat man in ganz Prag gehört.“ Die Ausreise mit dem sogenannten „Zug der Freiheit“ verlief dramatisch durch das Gebiet der DDR – eine Bedingung des Regimes – und weckte immer wieder Zweifel, ob die Flüchtlinge nicht noch gestoppt werden. Doch schließlich kam der Zug am Bahnhof in Hof an. Ereignisse, bei denen Bürger Parallelen zur heutigen Flüchtlingssituation sieht: „Damals wie heute ist die bayerische Bevölkerung mit gutem Beispiel voran gegangen und hat die Flüchtlinge mit Herzlichkeit und Nächstenliebe begrüßt.“ Hierfür sprach Brüger den Bayern ein herzliches „Vergelt's Gott“ aus.

 Doch auch wenn Bürger sagte, er sei kein Politiker: Gänzlich unpolitisch kann ein Vortrag zur Deutschen Wiedervereinigung freilich nicht ausfallen. Und so erinnerte sich der gebürtige Chemnitzer nicht nur an 25 Jahre Einheit und 26 Jahre friedliche Revolution, sondern auch an den 27. Todestag von Franz Josef Strauß. „Er war ein Mann, der immer für die Deutsche Einheit stand und dafür kämpfte.“ Mit seiner Ablehnung, die DDR als souveränen Staat anzuerkennen, habe Strauß die Grundlage für die Einheit geschaffen. 

Aus dem Tagebuch des Peter-Christian Bürger

„12. Juni 1989: Dies ist entweder mein erster oder mein letzter Tagebucheintrag.“ Mit diesen Worten beginnt das bewegende Tagebuch von Peter-Christian Bürger. Am Tag vor seiner Flucht in die Deutsche Botschaft in Prag wusste er: „Entweder bin ich morgen tot, oder ich habe einen Schritt in ein neues Leben getan.“ Dass ein Freund ihn bei seinem ersten Fluchtversuch verraten hat, so schreibt Bürger, nehme er ihm trotz der folgenden Befragungen und Folter nicht krumm, denn: „Alles Schlechte kommt aus diesem System; sie haben meinen Freund mürbe gemacht.“ Seinen ersten Eintrag auf dem Boden der Bundesrepublik verfasst Bürger erst 1990 – ein Jahr nach seiner Ankunft. „Heute ist Deutschland nicht nur wiedervereint, sondern auch noch Fußball-Weltmeister“, schreibt er. Den Moment, als der damalige Bundestrainer Franz Beckenbauer im Moment des Triumphs alleine durch das Fußballstadion in Rom läuft, vergleicht er mit seinen Gefühlen, die er hatte, als er vor der Ausreise noch einmal alleine durch die Prager Botschaft lief. Seine Lesung beendet Bürger mit dem Zitat eines weiteren bekannten Fußballtrainer, Giovanni Trapattoni: „Ich habe fertig.“ Andreas Daschner

Andreas Daschner

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