Mehrere 100 Besucher beim Aktionstag der Astrogilde Fürstenfeldbruck und Gilching am 14. Astronomie Tag in der VHS Gilching.

Der Hase auf dem Mond

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Dr. Michael Rappenglück M.A.
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Eine Aufnahme vom Mond

Fürstenfeldbruck/Gilching – Wie stellten sich die Menschen früher das Universum vor? Antworten rund um Mond, Sonne und Universum erfuhren die Besucher am 14. Deutschlandweiten Astronomietag in der Volkssternwarte Gilching, zu der die Astrogilde Fürstenfeldbruck und Gilching eingeladen hatte.

„An der Astronomie fasziniert mich der tiefe Blick in Raum und Zeit, die exotischen fremden Landschaften und die ästhetischen Strukturen der Natur im Kosmos“, erzählt der Astronom Dr. Michael Rappenglück M.A. der Astrogilde Fürstenfeldbruck und Gilching. Bereits mit zehn Jahren, damals noch in Köln lebend, interessierte er sich für die Himmelskunde. Seine Eltern schenkten ihm daraufhin eine drehbare Sternkarte und er bekam aus dem Familienbesitz einen Feldstecher dazu. Ihn begeisterte insbesondere die Rolle der Astronomie in der Kultur, wie Menschen vor Jahrhunderten und vor Jahrtausenden ihre Welt betrachtet haben, weshalb er neben der Astronomie auch noch in der Archäo- und Ethnoastronomie tätig ist. Ebenso wie Dr. Rappenglück waren auch die Menschen früher fasziniert vom Kosmos und versuchten die Sterne im Himmel über ihren Köpfen zu deuten. Sie erstellten aus Beobachtungen und Forschungen Kalender, die ihnen nicht nur das Überleben sichern sollten, sondern auch bei der Familienplanung eine entscheidende Rolle spielten, wie mehrere Zeichnungen aus einer Höhle bei Lascaux beweisen sollen.

Beim 14. deutschlandweiten Astronomie Tages in der Volkssternwarte Gilching stand diesmal der Mond im Vordergrund. Dr. Rappenglück erklärte, dass der Mond oft als himmlisches Gebilde gesehen und deshalb mit dem Wunsch nach dem ewigen Leben verbunden wurde.

Die Chinesen stellten sich ein Elixier vor, dass von einem Hasen auf dem Mond gemischt wurde und Unsterblichkeit bringen sollte. Die Inka dagegen glaubten an ein Raubtier und Schmanen versuchten Wegkarten zum Mond zu schreiben.

Die Menschen von früher beobachteten ihre Umgebung und erkannten ziemlich früh, dass Lachse bei Vollmond kaum gejagt werden konnten, da sie auf den Grund des Gewässers sanken, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Die Hirsche hingegen zeigten bei Vollmond ihre mächtigen Geweihe, um die Hirschkühe bei der Brunft zu beeindrucken. Die Menschen erkannten ebenso, dass Bisonkühe genauso lange trächtig bzw. schwanger sind wie ein Mensch. Nämlich 9 Monate. Auf Basis dieser Erkenntnisse fertigten sie einen an Sternen und Mond ausgerichteten „Schwangerschaftskalender“ an.

Die Besucher der Sternwarte beobachteten den ganzen Tag die Sonne mit verschiedenen Teleskopen und hörten sich über zehn Vorträgen von der „gefakten“ Mondlandung bis zu Vorträgen über Galaxien und Planeten an.

Besonders aktuell war die Vorstellung der neuesten Entdeckungen in der Astronomie, wie das „Higgs-Teilchen“ und die Gravitationswellen, die bereits der Physiker Albert Einstein vermutet hatte, aber nicht mehr nachweisen konnte. Abgeschlossen wurde die Vortragsreihe mit sogenannten „Deep-Sky-Objekten“ wie z.B. Gas- und Staubnebel, offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen und Planetarische Nebel. Gegen Abend wurde auch der Jupiter mit 4 seiner 63 Monde durch das großen Newton-Spiegel Teleskop in über 600 Millionen Kilometer Entfernung betrachtet.

Eine Aufnahme der besonderen Art gelang vor einiger Zeit, als ein Quasar, ein Kern einer Galaxie, mit dem Spiegel Teleskop der Sternwarte Gilching in 12 Milliarden Lichtjahre Entfernung fotografiert werden konnte. „Das war der bisher tiefste Blick in den Kosmos, der unserer Gruppe möglich war“, so Rappenglück. In einem Fachraum legte die Astrogilde eine große Auswahl selbst gewonnener Bilder verschiedener Deep-Sky Objekte bis zur Sonnen- und Mondfinsternis, die mit Spiegelreflex, besonderen Astrokameras, kleinen Webcams oder Videokameras aufgenommen wurden, für die Besucher aus.

Das nächste große Ereignis in der Sternwarte in Gilching ist am 9. Mai. Dann findet der sogenannte „Merkur-Transit“ statt, bei dem der Merkur, wie 2002 an der Sonne vorbeiziehen wird.

Zur Gilde:

Vor etwa 35 Jahre gründete Dr. Michael Rappenglück, damals noch als Student die „Arbeitsgemeinschaft Astronomie“ (AGA). 2003 wurde sie dann in die heutige „Astrogilde Fürstenfeldbruck und Gilching“ umbenannt. Die Mitglieder im Alter zwischen 35 und 91 Jahren stammen aus allen Berufszweigen und engagieren sich mit Leidenschaft auf dem Gebiet der Astronomie. Dazu nutzen sie eine Vielzahl an Teleskopen, wie Linsenteleskopen, Spiegelteleskopen und Mischtypen auf den Sternwarten in Gilching und Fürstenfeldbruck. Um auch andere Interessierte an ihrem Wissen teilhaben zu lassen, bieten sie Vorträge an Schulen, VHS Fürstenfeldbruck und Gilching, sowie in anderen Bildungseinrichtungen an.

Informationen im Internet unter www. Astrogilde. de 

Felix Hamann

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