Kampf der Veranstaltungsbranche zu Corona-Zeiten

Drohende Schließungen - ein weiterer Lockdown würde das Aus für Kinos, Theater und Veranstaltungshäuser bedeuten

Veranstaltungshäuser wie die Germeringer Stadthalle kämpfen mit den Corona-bedingten Absagen
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Die Germeringer Stadthalle umfasst mehrere Säle in denen Veranstaltungen wie Konzerte, aber auch Tagungen und Vereinssitzungen stattfinden können.

Germering – Dass es die Veranstaltungsbranche in der Corona-Zeit besonders schwer hat, weiß man nicht nur aus der Zeitung oder dem Fernsehen. Aber wie systemrelevant ist die Kultur eigentlich? Am Samstag, 24. Oktober riefen Münchner Veranstalter und freiberufliche Künstler zum Streik auf dem Königsplatz auf – mit „Aufstehen für Kultur“ prangerten sie die politischen Entscheidungen des Ministerpräsidenten Markus Söder an, was die Kulturbranche betrifft. Heute werden mit einem nahenden „Lockdown light“ erneute Einschränkungen, wenn nicht sogar Schließungen der Veranstaltungshäuser, Kinos und Theater erwartet.

Fast täglich trudeln Absagen in der Redaktion ein, Veranstaltungen anzukündigen beinahe unmöglich. Ist ein Konzert oder ein Kabarettist in der einen Woche angekündigt, so folgt oft nach wenigen Tagen wieder die Absage. Darunter leiden nicht nur die Bürger, insbesondere sind es die Künstler und Veranstalter, die die finanziellen Ausfälle tragen müssen. So auch die Veranstaltungshäuser im Fürstenfeldbrucker Landkreis, allen voran, die Germeringer Stadthalle.

Im Sommer bewarb Medea Schmitt, Leiterin der Germeringer Stadthalle noch die Bühnenhofkonzerte, wie es mit den Veranstaltungen weiter geht, zeigt sich heute.

In einem Telefongespräch berichtet Stadthallenleiterin Medea Schmitt wie sie mit der sich ständig wechselnden Situation umgeht und wie sie nicht den Mut verliert. „Seit März sind wir schon dabei viele Veranstaltungen zu verschieben“, erklärt Schmitt. Damit meint sie vor allem die Produktionen, sie sich zum einen im Vorfeld bereits sehr gut verkauft hatten, aber auch diejenigen, mit internationalen Künstlern, die momentan nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Die Künstler zeigen sich verständnisvoll, wenn auch viele gerade um ihre Existenz bangen müssen. „Natürlich gibt es Menschen, die in der aktuellen Zeit Angst haben und große Veranstaltungen meiden. Es gibt aber auch diejenigen, die ins Theater wollen, die wieder Konzerte besuchen möchten. Und genau die möchten wir abholen“, sagt Schmitt. Dazu hat sie und ihr Team ein Hygienekonzept erstellt, dass neben einer Einbahnstraßenregelung besonders durch die Personalisierung der Eintrittskarten besticht. So ist jeder erfasst und kann gegebenenfalls nachverfolgt werden. Auch bei Fremdveranstaltungen, insbesondere der Vermietung von Räumen an die IHK oder auch an Eigentümerversammlungen, so erklärt es Schmitt, wird fixiert, wer sich in der Stadthalle aufhält. Das Stadthallen-Personal überprüft zudem den Zugang zu den Veranstaltungen und hält andere Eingänge geschlossen, sodass niemand hinein kann, ohne sich vorher registriert zu haben. „Ein ausreichender Abstand wird im Orlandosaal dadurch gegeben, dass zwischen den einzelnen Besuchern Plätze frei bleiben und auch Reihen zwischendurch herausgenommen wurden. Außerdem werden die Besucher nach dem Ende der Veranstaltung nicht gesammelt, sondern in Gruppen herausgelassen“, so Schmitt.

Das bedeutet die dunkelrote Ampel

Eine neue Herausforderung stellt nun die Klassifizierung der dunkelroten Ampel für die Veranstaltungshäuser dar. Waren es vorher noch 200 Sitzplätze, die vergeben werden konnten, so sind es derzeit mit einem Inzidenzwert über 100 nur noch 50 Plätze. Ein Beispiel dafür sind die beiden Veranstaltungen am Donnerstag, 29. Oktober. Während die Kabarettistin Claudia Pichler mit ihrem Programm auftreten darf, muss das Konzert von Christian Zacharias abgesagt werden. Bei Pichler wurden 50 Karten verkauft, Zacharias lockte jedoch mehr Leute an und musste deshalb entfallen. Dennoch zeigt sich Schmitt positiv und dieses Signal möchte sie auch nach Außen tragen. Fortan wird täglich der Inzidenzwert geprüft und auf geringere Werte gehofft. Bis dahin müssen sich die Germeringer weiterhin auf kurzfristige Ausfälle einstellen. Auch das Restaurant in der Stadthalle ist Opfer der Pandemie geworden. Seit März ist das Agua geschlossen, nun gaben sich die Betreiber Max Hippius und Martin Reiferscheid geschlagen. „Im Moment übernehmen sie das Catering für Tagungen, aber wir suchen nach Ersatz“, erklärt Schmitt.

Weitere Entwicklung noch unklar

Wie die weitere Entwicklung für den November zu erwarten ist, wird sich nach dem Video-Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und den Länder-Chefs herausstellen.

Claudia Becker

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