Nach 49 Jahren trafen sich am 20. Juli 20 ehemalige Azubis des fünften Ausbildungs-Lehrgangs (1965) trafen sich in Aich 

Ehemalige Fliegerhorst-Lehrlinge reisten aus Kanada, Rhodos  und Estoril an

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Der Ausbildungs-Jahrgang 1965: Ausbildungschef Johann Ostermeir (1. in der 2. Reihe v. re.), dahinter Klaus Frey aus Rhodos (stehend re. außen), daneben Hartmut Steinbach (Kanada) und die beiden Initiatoren Christian Christner (hinten 3. v. li.) und Hans Schreiber (4. v. li.).

Fürstenfeldbruck – 700 Lehrlinge – 57 Elektromechaniker und 643 Flugzeug- bzw. Fluggerätmechaniker – wurden in den Ausbildungswerkstätten der Luftwaffe am Brucker Fliegerhorst von 1961 bis zur Außerdienststellung, wie es so schön im militärischen Jargon heißt, im Jahre 1995 zum Facharbeiter ausgebildet. Nach 49 Jahren trafen sich am 20. Juli 20 ehemalige Azubis des fünften Ausbildungs-Jahrgangs (1965) sowie sechs Ausbilder zu einem Wiedersehen im Gasthof Drexler in Aich. 

 „Wir haben uns 1983 schon einmal getroffen“, berichtete Christian Christner, der gemeinsam mit Hans Schreiber die diesjährige Zusammenkunft organisierte. Die beiden Brucker hatten sich zufällig im Januar getroffen und sich bei einer Tasse Kaffee über die „alten gemeinsamen Zeiten“ im Fliegerhorst unterhalten. Dabei kam ihnen die Idee, doch mal wieder ein Treffen zu initiieren. „Eigentlich hätten wir es im nächsten Jahr machen müssen, da feiern wir das 50. Jahr seit dem Beginn unserer Lehrzeit. Nachdem unser Kamerad Hartmut Steinbach seinen Besuch aus Kanada für heuer angekündigt hatte, zogen wir einfach das Fest vor.“ Mit Klaus Frey von der griechischen Insel Rhodos und Johann Apfel aus dem portugiesischen Estoril, bekannt wegen seiner Formel-Eins-Motorsport-Rennstrecke, ließen es sich zwei weitere „Ehemalige“ nicht nehmen, eigens zur Wiedersehensfeier zu kommen. 

Und wieder gab es viel zu erzählen, wie es dem ein oder anderen inzwischen ergangen ist. Erst am späten Abend ging man auseinander, natürlich mit dem Vorhaben, bis zum nächsten gemeinsamen Wiedersehen nicht so viel Jahre verstreichen zu lassen. So zog es Hartmut Steinbach 1980 nach Edmonton, einer über 800.000 Einwohner zählenden Großstadt in Kanada. Zunächst war er von Freunden eingeladen, berichtete er. Kanada habe ihm von Anfang gefallen, vor allem die unendliche Weite und das ruhigere Leben. „Ich bin nochmals rüber, um auch den Winter kennenzulernen und dann habe ich meine Zelte in Deutschland abgebrochen. 29 Jahre habe er als Flugzeugmechaniker auf dem Internationalen Flughafen in Edmonton gearbeitet, seine Frau kennengelernt und 1997 geheiratet. „Ich bin kein kanadischer Staatsbürger, sondern weiter im Herzen Deutscher“, erzählte Steinbach. Aber das spiele keine Rolle, außer dass er nicht wählen dürfe. „Ich wurde hier offen aufgenommen und habe niemals als Ausländer eine Diskriminierung zu spüren bekommen.“

 Viel im Leben hat Klaus Frey bisher gemacht. Nach Beendigung seiner Lehre hat er zunächst als Feinmechaniker, dann als Cutter, Zahntechniker, bei einem Pharmaunternehmen in Inning im Labor gearbeitet, dann als Gärtner. Als seine Frau im Jahre 2008 verstarb, erinnerte er sich an Rhodos, wo er für die Inninger Firma einst Heilpflanzen geordert hatte. Dort wollte er hin und seinen Lebensabend verbringen. Bei der Brucker Bäckerei Buchauer machte er zunächst ein Praktikum, einen Bäcker-Crashkurs bei der IHK und in dem kleinen Ort Lardos auf Rhodos eröffnete Frey eine Backstube. „Da backe ich sieben verschiedene bayerische Brotsorten, Brezn und Semmeln und liefere sie an Hotels und Tavernen.“ Auch er habe den Schritt, auszuwandern nie bereut, auch wenn er immer gern nach Fürstenfeldbruck komme. 

Die beiden Organisatoren des Treffens, Christian Christner und Hans Schreiber, blieben nach der Lehre in Bruck. Christner war noch ein Jahr Geselle im Fliegerhorst, dann machte er sich als Fuhrunternehmer und Landwirt selbständig. Die letzten 30 Jahre war er zunächst Schwimmmeister in Mammendorf und in der Amperoase in Bruck, wo er heute noch tätig ist. Schreiber wurde nach der Lehre für zwölf Jahre Soldat auf Zeit und nach einer Fachausbildung arbeitete er bei MBB und bei Europas größtem Luft- und Raumfahrt sowie zweitgrößtem Rüstungskonzern EADS. Von den 700 in Fursty ausgebildeten Facharbeitern entschieden sich 225 für die Laufbahn eines Zeitsoldaten, 153 bekamen eine Stelle als Facharbeiter bei der Bundeswehr, und die restlichen 322 besuchten weiterführende Schulen mit anschließendem Studium oder wanderten direkt in die freie Wirtschaft ab. Erstaunlich: während der 34 Jahre gab es nur zwei Ausbildungschefs. Von 1961 bis 1975 war Georg Roth der Leiter der Ausbildungswerkstätte, von 1975 bis 1995 Johann Ostermeir. Letztgenannter, inzwischen 80 Jahre alt, freute sich, seine ehemaligen „Lehrbuben“ wiederzusehen. Auch die Ausbilder Alfred Kunz, Herbert Oswald, Hans Eder, Jochen Myrzik und Hans Baumüller waren zum Wiedersehenstreffen nach Aich gekommen. „Das waren damals schon verrückte Zeiten“, meinte Baumüller, „meine ersten Lehrlinge waren nur drei Jahre jünger als ich.“ 

Dieter Metzler

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