Harte Arbeit für Artenschutz

Ehrenamtliche des LBV haben fast 40 Hektar Biotopflächen gepflegt

Ehrenamtlicher Helfer des LBV Fürstenfeldbruck hilft bei der Biotoppflege.
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Die Biotope im Landkreis sind auf ehrenamtliche Helfer und deren Pflege angewiesen, denn nur so entfaltet sich die Artenvielfalt.

Fürstenfeldbruck– Fast 40 Hektar Fläche, unzählige Kubikmeter Mähgut und viele engagierte Ehrenamtliche gleichzeitig im Einsatz – das ist die Jahresbilanz der Biotoppflege des LBV Fürstenfeldbruck.

Es ist eine schweißtreibende Arbeit, die einem wichtigen Zweck dient: Die Biotoppflege erhält die Vegetation für seltene heimische Tier- und Pflanzenarten. Ohne die regelmäßige naturschutzfachlich durchgeführte Mahd würden Silberdistel, Knabenkraut oder Enzian unter Büschen verschwinden und mit ihnen die Lebewesen, die auf sie als Nahrungsquelle oder Kinderstube angewiesen sind. Die Pflege ist nur mit der Hilfe von ehrenamtlichen Helfern zu bewältigen.

Sie spenden dem LBV ihre Arbeitskraft und viele Stunden ihrer Zeit – in diesem Jahr sogar unter Corona-Bedingungen. Seit 1983 betreibt die LBV-Kreisgruppe Fürstenfeldbruck Biotoppflege. Die Pflegeflächen – eigene und gepachtete – sind im gesamten Landkreis verteilt: im Fußbergmoos, am Bahndamm zwischen Schöngeising und Buchenau, an der Rothschwaig, am Sandberg oder in Türkenfeld. Dadurch bleiben Lebensräume wie Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen oder Moore für speziell gefährdete Arten erhalten, die sich teilweise nur noch auf diesen Flächen in der Region finden. Dazu gehören zum Beispiel der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und das Grasnelken-Habichtskraut.

Kein Biotop ist gleich

Die Pflegemaßnahmen plant der Biotopexperte Gerald Fuchs. Er ist seit über 35 Jahren Mitglied im LBV und Beisitzer im Vorstand der Kreisgruppe: „Jede Fläche ist ein Individuum, das seine eigenen Ansprüche hat. Sie unterscheiden sich je nach Vegetation, den Bodenverhältnissen, den vorkommenden Arten oder der Lage der Fläche.“ In einem naturschutzfachlichen Pflegeplan legt Gerald Fuchs fest, wann und wie oft eine Fläche gemäht werden muss, wo Brachflächen stehen bleiben sollen, wo aufkommende Gehölze zurückgeschnitten werden müssen und vieles mehr. „Ohne unsere Pflege würde langfristig Wald entstehen, und die seltenen artenreichen Wiesen mit ihren gefährdeten Orchideen- und Schmetterlingsarten würden verschwinden.“

Auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen

Arbeiten fallen vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein an: Von Mai bis Juni sowie von August bis Oktober stehen Mäharbeiten und das Abräumen des Mähguts an. Von August bis Mitte November kommen noch Gehölzschnitt und Abräumen der Äste hinzu. Ab April bis Oktober werden Neophyten wie Springkraut und Goldrute sowie Brombeeren oder Faulbäume entfernt.

Um all diese Arbeiten stemmen zu können, ist der LBV auf ehrenamtliche Helfer*innen angewiesen. In diesem Jahr waren je nach Fläche zwischen sechs und vierzehn Freiwillige gleichzeitig im Einsatz. „Wir hatten Stammgäste unter den Helfenden, aber ebenso auch etliche Neue, die kräftig bei der Biotoppflege mit angepackt haben. Ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die samstags und manchmal auch wochentags auf unseren Flächen geholfen haben“, sagt Richard Schoonhoven, Vorstandsmitglied und Schriftführer des LBV Fürstenfeldbruck. In diesem Jahr gab es dabei noch eine besondere Herausforderung: Corona. Da die Biotoppflege jedoch ausschließlich im Freien stattfindet, konnten die Helfenden in Kleingruppen den Mindestabstand und die Hygieneregeln einhalten. Nur Biotoppflegetage für Firmen, sogenannte teambildende Social Days, waren nicht möglich. Als ganzjährige Biotoppfleger sind zudem die robusten Heckrinder im Fußbergmoos im Einsatz.

Biotoppflege sei Dank: Springkraut geht zurück

Im Rahmen der Biotoppflege geht es seit 2014 dem Indischen Springkraut auf den LBV-Flächen gezielt an den Kragen. Die vermehrungsfreudige Pflanze verdrängt die ursprüngliche Vegetation, auf die zum Beispiel heimische Wildbienen angewiesen sind. Beim Auszupfen kommt es auf das richtige Timing an: Bereits im April ziehen ehrenamtliche Helfer*innen die noch kleinen Pflanzen aus dem Boden, um den Bewuchs frühzeitig einzudämmen. „Dafür braucht man genaue Kenntnisse über das Springkraut. Die Blüten kennt zwar jeder, aber wie die ersten Triebe aussehen, weiß nur, wer sich damit genauer beschäftigt“, sagt Manfred Ullmer, Vorstandsmitglied des LBV Fürstenfeldbruck.

Bis in den Oktober geht der Kampf gegen den Neophyten weiter. Sobald die typischen Blüten da sind, ist besondere Vorsicht geboten. Die Samenkapseln, die ihre Samen bis zu sechs Meter weit schleudern, dürfen nicht zerspringen. Besonders Wasserläufe können sie sonst kilometerweit tragen. Die Hartnäckigkeit der Biotoppfleger*innen zahlt sich aus: Im Kerngebiet des Fußbergmooses ist das Springkraut deutlich zurückgegangen. Dadurch waren in diesem Jahr nur halb so viele Ehrenamtliche wie sonst bei einem Drittel der Zeit im Einsatz.

Helfende Hände gesucht

Neue Helfer für die Biotoppflege im nächsten Jahr sind beim LBV Fürstenfeldbruck jederzeit willkommen. Interessierte können sich mit einer E-Mail an fuerstenfeldbruck@lbv.de melden.

red

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