Ehrenmord - Studierende der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege - Fachbereich Polizei - stellten den ersten Band der Fürste ...

: (von li.): Betreuungsdozent Dr. Holger Nitsch, Projektleiter Thomas Obermayer, Leiter der Polizeifachhochschule Hermann Vogelgsang, 2. Bürgermeister Johann Schilling, vom Förderverein Polizeifachhochschule Friedrich Mülder. Foto: Dieter Metzler

Fast auf den Tag vor sechs Jahren wurde die in Berlin lebende Deutsche kurdischen Ursprungs, Hatun Sürücü, von ihrem Bruder erschossen. Der so genannte „Ehrenmord“ löste eine bundesweite Debatte über Versäumnisse der Integrationspolitik sowie über Zwangsheirat und Ehrenmorde aus. Mit diesem brisanten und nach wie vor aktuellen Thema setzte sich eine Projektgruppe von 15 Studierenden der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege – Fachbereich Polizei - im ersten Band der „Fürstenfelder Schriften“ auseinander.

Der Begriff „Ehrenmord“ sei schon ein Widerspruch an und für sich, denn „Ehre“ und „Mord“ können nicht gegensätzlicher sein, eröffnete der Fachhochschulleiter Hermann Vogelgsang die Vorstellung der Broschüre mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren. In der 80 Seiten umfassenden Schrift setzen sich die Studierenden am Beispiel des Falls „Hatun Sürücü“ intensiv mit dem Thema „Ehrenmord“ auseinander. Zur Aufbereitung des Falles und zum Informationserhalt recherchierten die 15 Studierenden im Rahmen einer Studienreise sogar vor Ort in Berlin, informierte der Projektleiter Thomas Obermayer. Neben der Ermittlung über die Hintergründe der Tat und der Beleuchtung des kulturellen Umfeldes wurden dabei viele Gespräche u. a. mit der Rechtsanwältin der Hauptbelastungszeugin, mit Bundestagsabgeordneten und Kollegen des Landeskriminalamtes Berlin geführt sowie die Polizeiakten über diesen Fall eingesehen. Im Umland von München führten die Studierenden darüber hinaus Umfragen an Schulen durch, um festzustellen, inwieweit das Thema Ehrenmorde bei Jugendlichen präsent sei. Die Umfrage ergab, dass bei Jugendlichen das Thema Ehrenmorde aufgrund der Medienpräsenz einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt. Das Ergebnis stellte auch dar, dass bei den Jugendlichen diese Taten auf kein Verständnis stoßen. Das Resultat machte aber deutlich, dass von vielen Jugendlichen diese Ehrenmorde irrtümlich mit dem islamischen Glauben in Verbindung gesehen werden, obwohl sie auf keinem religiösen Hintergrund, sondern vielmehr auf einem kulturellen oder milieuabhängigen Hintergrund basieren. Eine bessere Integration von Ausländern trage zur Verhinderung von Ehrenmorden bei, ist die überwiegende Meinung der befragten Jugendlichen. Mit der Projektarbeit soll sowohl den Polizei-Kollegen als auch allen Interessierten ein Einblick in die vielschichtige und komplexe Thematik über die Ehrenmorde gegeben werden. Weitere wissenschaftliche Arbeiten von Dozenten und herausragende Projektarbeiten der Studierenden sollen in unregelmäßiger Reihenfolge unter o. a. Schriftenreihe veröffentlicht werden, kündigte Hermann Vogelgsang, der Leiter der Polizeifachhochschule, bei der Vorstellung des ersten Bandes der Schriftenreihe an. Seit 2004 zählen die praxisorientierten Projekte zum Studienplan, informierte Vogelgsang. Seither haben sich die Studierenden mit ca. 150 hochbrisanten und aktuellen Themen auseinandergesetzt, die die unterschiedlichsten Aspekte des weiten polizeilichen Aufgabenspektrums aus allen klassischen Polizeifächern des Rechts, aber auch der Gesellschafts- oder Organisationswissenschaften behandeln. Unabhängig von der intensiven Auseinandersetzung mit einem polizeilichen und gesellschaftlich relevanten Stoff sollen durch die Projekte das Teamverhalten, die Fähigkeit zur Selbstorganisation, die Bereitschaft zur Verantwortung und das Vermögen, auch komplexe Themen abzuarbeiten, gefördert werden.

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