»Von der Idee bis zur DVD«

Eichenauer Produktionsfirma für Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert

Dominik Utz (links) und Martin Schwimmer (rechts) von der Filmproduktionsfirma „Domar Film“.
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Dominik Utz (links) und Martin Schwimmer (rechts) von der Filmproduktionsfirma „Domar Film“.
  • Maximilian Geiger
    vonMaximilian Geiger
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Eichenau – Der Deutsche Wirtschaftsfilmpreis, der Baden-Württembergische Filmpreis 2018 für den besten Dokumentarfilm, der Producers Award 2016 für die beste Nachwuchsproduktion, Gewinner des Excellence in Visual Anthropology Awards 2016 – die Filmproduktionsfirma „Domar Film“, die in Eichenau und dem baden-würtembergischen Esslingen ihren Sitz hat, kann bereits eine Vielzahl an nationalen und internationalen Filmpreisen vorweisen.

Domar Film, das sind Dominik Utz und Martin Schwimmer. Gemeinsam produzieren sie Werbe- und Dokumentarfilme, aber auch die „Königsdisziplin“ Spielfilme, wie Utz es nennt. In diesem Jahr sind sie zudem mit ihrem Dokumentarfilm „Blutige Kohle – Carbon con Sangre“ für den deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. Eine große Ehre, immerhin ist auch der namhafte deutsche Filmschaffende Marcus H. Rosenmüller, Regisseur des Films „Wer früher stirbt ist länger tot“, unter den Nominierten. „Es ist schon cool, mit so jemandem auf einer Stufe zu stehen“, zeigt sich Utz begeistert.

Gegründet haben Utz und Schwimmer ihre Produktionsfirma während ihres Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, das beide 2017 in den Bereichen Creative Producing und International Producing abgeschlossen haben. Bereits vor ihrem Studium sammeln sie Referenzen bei Filmproduktionen, während ihres Studiums produzieren sie dann selbst mehrere Filme, darunter drei Langspielfilme und so entscheiden sie sich dafür, auf eigenen Füßen zu stehen. In Eichenau, dort wohnt Utz mit seiner Frau, richten sie ihre Büroräume ein – um zu Beginn die Fixkosten niedrig zu halten.

Entscheidung gegen die Sicherheit

Sich nach dem Studium oder in ihrem Fall gar währenddessen selbstständig zu machen, ist eine Ausnahme in ihrem Arbeitsfeld. Der „normale“ Weg führt eigentlich zunächst zu einer der bestehenden Produktionsfirmen. Dort gibt es Sicherheit, vor allem finanzielle. Doch die beiden Freunde entscheiden sich klar dagegen. Mit ihrer eigenen Firma seien sie nun viel freier in der Arbeit und bei der Auswahl des Stoffs, erklären sie. Als Produzenten obliegt ihnen die wirtschaftliche Verantwortung der Projekte und so sind sie eigentlich an allen Arbeitsschritten beteiligt – von der Entwicklung, über die Umsetzung hin zur Vermarktung.

Ihre Arbeit ist vielfältig, beinhaltet aber auch einiges an Büroarbeit und Kalkulationen, dennoch kommt der kreative Prozess nicht zu kurz. Sie prüfen eingereichte Manuskripte auf deren Potenzial, treten selbst an Textbuchautoren und Regisseure heran, suchen Geldgeber, setzen das Team für die jeweiligen Filme zusammen. „Wir sind von der Idee bis zur DVD dabei“, fasst Utz es zusammen.

„Blutige Kohle - Carbon con Sangre“

Als Beispiel nennen sie die Arbeit an ihren Film „Blutige Kohle – Carbon con Sangre“. Hier war der Regisseur, ein ehemaliger Kommilitone, an sie herangetreten. Obwohl bereits auf der Suche, hatte er noch keinen Produzenten gefunden, der sich beteiligen wollte, doch Schwimmer und Utz glaubten an das Projekt. Zu Recht, immerhin ist der Film nun für den deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert.

Ihr aktuellstes Projekt ist der Kinospielfilm „Wann kommst du meine Wunde küssen“. Eigentlich waren die Dreharbeiten für das Frühjahr 2020 angesetzt, das Filmteam stand bereits drehfertig im Schwarzwald, doch wie so vielen anderen machte Corona auch ihnen einen Strich durch die Rechnung – der Dreh muss abgebrochen werden. Doch Domar Film lässt sich nicht unterkriegen. Als es schließlich im Sommer 2020 wieder möglich ist unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu filmen, tun sie das. „Nun, ein Jahr und viele emotionale Auf und Abs später – ist der Film endlich im Kasten“, erklären die beiden erleichtert.

Derzeit befindet sich der Film in der Postproduktion, im Herbst oder spätestens Ende des Jahres wird er voraussichtlich fertig sein. Gerade rechtzeitig für die Berlinale, die im Februar 2022 stattfindet. Die beiden Freunde hoffen darauf, mit ihrem Film die Verantwortlichen überzeugen zu können, um dort ihre Premiere feiern zu dürfen.

„Four Guys Film Distribution“

Und doch geben die beiden keine Ruhe. Derzeit sind sie im Begriff, neben ihrer Produktionsfirma den Filmverleih „Four Guys Film Distribution“ mit zwei weiteren Freunden zu etablieren. Zu ihrer Motivation erklären sie: „Viele gute Filme finden kein Publikum, obwohl sie es verdienen“. So erging es auch ihnen selbst. Für ein eigenes Projekt waren sie auf der Suche nach einem Verleih, schließlich kamen sie auf die Idee, selbst einen ins Leben zu rufen. Doch hat ein Filmverleih in Zeiten von Netflix und Co. überhaupt eine Zukunft? Utz und Schwimmer sind sich sicher: Ja. Für sie ist Kino ein „magischer Ort“ mit Eventcharakter, der auch Krisen wie Corona überleben wird. Im Kino schaue man Filme einfach anders als zuhause auf der Couch. Man entscheidet sich konkret dafür, sich in eine andere Welt „entführen zu lassen“.

Geiger

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